FAZ plus ArtikelPlattenspieler im Vergleich

Lasst die Dreharbeiten beginnen

Von Wolfgang Tunze
19.07.2021
, 14:00
Eine Scheibe Nostalgie: Vinylschallplatten erleben eine Renaissance, und mit ihnen Plattenspieler in allen Preisklassen.
Sie galt als Auslaufmodell, doch die Vinylschallplatte ist und bleibt beliebt. Gleiches gilt für ihre Abspielgeräte. Drei neue Plattenspieler zeigen, warum das so ist.

Sollte es das Schicksalsjahr der schwarzen Schallplatte werden? So sah es zunächst aus. 1988 überholte die digitale CD den betagten Tonträger mit steil nach oben weisenden Absatzzahlen, das Ende der analogen Ära schien besiegelt. Doch die Musik aus gewundenen Rillen wird heute noch immer gern gehört, die Marktdaten belegen mit stetig wachsenden Verkaufszahlen sogar einen richtigen Vinyltrend. Daran haben auch Streaming-Dienste, die der CD nun allmählich die Umsatzströme abgraben, nichts geändert. Die Hersteller von Plattenspielern, vor 30 Jahren noch im Krisenmodus, freuen sich über die stabile Konjunktur in ihrer überschaubaren Nische. Manche haben sich sogar mit einem Neustart aus der Versenkung erhoben.

Der japanische Konzern Panasonic etwa entschloss sich 2014 seine HiFi-Traditionsmarke Technics wiederzubeleben, um ihren legendären Plattenspielern neue, noch feinere Modelle folgen zu lassen. Auch Thorens, das Unternehmen mit den Schweizer Wurzeln, startete nach schwierigen Zeiten abermals durch. 2018 übernahm ein kleines, engagiertes Team in Bergisch Gladbach die Marke und knüpft seither mit seinen Entwicklungen an bewährte Vorbilder an. Für Pro-Ject, den großen Plattenspielerhersteller aus Österreich, erwies sich antizyklisches Denken als nachhaltiges Erfolgsrezept. Das Unternehmen ging 1991 an den Start, als alle Welt schon Abgesänge auf die Analog-Ära anstimmte.

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Analoge Eigenarten

Äußerlich sieht er aus wie der Anschluss für einen CD-Player. Doch der Phono-Eingang eines Verstärkers ist anders. Die Elektronik hinter seinen Buchsen muss die Tonsignale stärker anheben, denn Tonabnehmer liefern geringere Spannungen als Hochpegel-Geräte. Bewerkstelligen muss er zum anderen die Phono-Entzerrung.

Denn Vinylschallplatten werden mit speziell präpariertem Frequenzgang geschnitten. Tiefe Töne werden vor der Plattenproduktion in der Lautstärke abgesenkt, damit die Rillenauslenkung nicht allzu groß wird. Das spart Platz auf der Platte und schützt den Tonabnehmer vor Überforderung. Hohe Töne dagegen werden zusätzlich verstärkt, um das Abtastrauschen zu übertönen. Die Phono-Entzerrung macht diese Veränderungen im Frequenzgang spiegelbildlich rückgängig: Bässe werden wieder angehoben und Höhen abgesenkt, gleichzeitig wird das Rauschen reduziert. Die Phono-Entzerrung ist in einer Norm der Recording Industry Association of America (RIAA) festgelegt. Sie heißt deshalb auch RIAA-Entzerrung.

Eine andere Vinyl-Spezialität heißt Antiskating. Gemeint ist eine am Plattenspieler einstellbare Kraft, die den Tonarm auf seinem Weg von der Einlauf- bis zur Auslaufrille leicht nach außen zieht. Sie kompensiert den Skating-Effekt, eine Kraft, die beim Abtastvorgang durch Reibung an den Rillenflanken entsteht und in Richtung Plattenmitte wirkt. Der Verzicht auf Antiskating hätte hörbare Verzerrungen und ungleichmäßige Abtastungen der beiden Stereo-kanäle zur Folge.

Quelle: F.A.S.
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