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Feuerlöscher

Hochdruck gegen die Flammen

Von Peter Thomas
 - 14:00

Sicherung ziehen, Knopf eindrücken, Schlauch ausrichten und am Griff des Mundstücks abdrücken - schon sprüht das Löschmittel auf die Flammen und erstickt das Feuer. So einfach lässt sich im Idealfall mit einem handelsüblichen Feuerlöscher ein kleiner Brand im Haus eindämmen - beispielsweise ein kokelnder Papierkorb oder der schwelende Adventskranz. Die knallroten Behälter mit Lösch- und Treibmittel sind schlagkräftige Werkzeuge gegen aufkeimende Flammen. Ihr richtiger und schneller Einsatz kann verhindern, dass sich solche Feuer zum verheerenden Vollbrand entwickeln. Als übliche Löschmittel werden Wasser, Schaum, Pulver oder Kohlendioxid eingesetzt.

Das Prinzip des modernen Pulverlöschers mit Kohlendioxid als Treibmittel wird in dieser Woche 100 Jahre alt: Die Internationale Feuerlöscher-Gesellschaft in Berlin (heute Total Feuerschutz) meldete am 2. August 1912 einen „Druckgasfeuerlöscher mit einem als Druckmittel dienenden Löschgas“ zum Patent an und brachte ihn später als „Total Schnell-Trocken-Feuerlöscher“ auf den Markt.

Zwar habe es zuvor schon Pulver-Feuerlöscher gegeben, die beispielsweise mit Druckluft arbeiteten, erzählt Matthias Frick von Total. Doch die Feuchtigkeit der Luft ließ das Pulver immer wieder verkleben. Erst 1912, als Kohlendioxid als Treibgas eingesetzt wurde, sei das bis heute gültige technische Prinzip etabliert worden.

Die „Spitztüte“, der erste wirksame Feuerlöscher

Rückblick: An einem zuverlässigen Kleinlöschgerät wird schon seit dem 19. Jahrhundert getüftelt. Der erste wirksame Feuerlöscher, der in Deutschland große Verbreitung fand, war die „Spitztüte“ von Minimax aus dem Jahr 1902. Als Löschmittel diente eine wässrige Natronlösung, die durch eine chemische Reaktion unter Druck gesetzt wurde: Stieß man den konischen Blechbehälter hart auf den Boden, platzte eine Glasampulle mit Salzsäure im Löscher. Die folgende Reaktion von Säure und Natronlösung erzeugte das Treibgas Kohlendioxid. Diese Druckerzeugung auf chemischem Weg gab es bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts für verschiedene Systeme.

Heutige Feuerlöscher hingegen arbeiten ausschließlich mit unter Druck gespeicherten Treibgasen, um das Löschmittel zu transportieren und zu verteilen. Das gilt gleichermaßen für Wasser-, Schaum- und Pulverlöscher. Bei einfacheren Geräten, den Dauerdruck-Löschern, ist der Löschmittelbehälter direkt mit dem Gas beaufschlagt. Die aufwendiger konstruierten Auflade-Löscher führen das Gas dagegen in einer separaten Kartusche mit sich, die erst zum Einsatz geöffnet wird und das Löschmittel unter Druck setzt. Eine Sonderrolle spielen Kohlendioxidlöscher, deren Inhalt Treibgas und Löschmittel zugleich ist.

Natürlich ist der private Brandschutz viel älter als die Entwicklung des Feuerlöschers im modernen Sinn. Die entsprechenden im Haushalt vorgehaltenen Hilfsmittel reichen vom Ledereimer bis zu Leiter und Mauerhaken, sagt Rolf Schamberger, Leiter des Deutschen Feuerwehrmuseums in Fulda. Diese historische Kontinuität des privaten Brandschutzes, die sich seit dem 14. Jahrhundert in öffentlichen Lösch-Ordnungen widerspiegelt, hat einen ganz einfachen Grund, sagt der Kunsthistoriker: Feuerwehren im heutigen Sinne als schlagkräftiges Ausrüstungs-, Ausbildungs- und Organisationssystem, das einem Brand schnell und gezielt gegenübertreten kann, entstanden erst um das Jahr 1850 herum.

Vorher musste man sich bei einem Feuer selbst helfen. Dazu entstanden zwar im 18. Jahrhundert bereits technische Hilfsmittel wie Löschgranate und Sandtüte, diese hatten aber nur bei sehr kleinen Entstehungsbränden eine Wirkung.

Heute wird in Deutschland mehr als die Hälfte aller Feuerlöscher für die Ausstattung von Arbeitsstätten verkauft, weiß Wolfram Krause, Geschäftsführer des Bundesverbandes Technischer Brandschutz (BVFA). Denn in Büros, Geschäften und Werkstätten ist es gesetzlich vorgeschrieben, Feuerlöscher vorzuhalten - ebenso in Bussen und Hotels. Wie viele und welche der Geräte jeweils installiert werden, wird in Löschmitteleinheiten (LE) berechnet: Jeder Feuerlöscher erreicht einen bestimmten, durch Prüfungen ermittelten LE-Wert. Welchen Bedarf eine bestimmte Arbeitsstätte hat, wird vor allem von der jeweiligen Branche mit ihren spezifischen Risiken und der Größe der Betriebsfläche vorgegeben.

Ein Allrounder: Der ABC-Feuerlöscher

Für Privathaushalte sind Feuerlöscher in Deutschland zwar nicht vorgeschrieben, Brandschutz-Fachleute empfehlen die Anschaffung dennoch - als konsequentes Pendant zum Rauchmelder. Sinnvoll sei ein Feuerlöscher aber nur, wenn er auch griffbereit im Wohnraum hängt, sagt Wolfram Krause. Wichtig sei außerdem die regelmäßige Wartung im zweijährlichen Turnus. Vor allem aber müsse die Wahl des Löschers auf den Einsatzzweck abgestimmt werden. Dabei hilft die Einteilung der Geräte in fünf Brandklassen: A steht für feste, glutbildende Stoffe, B für brennbare Flüssigkeiten, C für Gase, D für brennbare Metalle sowie schließlich F für Speisefette und -öle.

Für Wohnräume sind Schaumlöscher der Brandklassen A und B mit sechs Kilogramm Inhalt sinnvoll, rät der BVFA. Als Schaumbildner werden hier vor allem hydrolisierte Proteine eingesetzt. In der Küche sollten hingegen ein spezieller Fettbrandlöscher der Brandklasse F oder eine Löschdecke installiert werden. Denn mit Schaum und Wasser darf man nicht gegen brennendes Fett vorgehen, sonst droht eine gefährliche Fettexplosion. Echte Allrounder sind ABC-Pulverlöscher, die gleich drei Brandklassen abdecken. Sie eignen sich insbesondere für Werkstatt und Garage.

Für die Brandklassen A und B enthalten die Pulver beispielsweise Monoammoniumphosphat und Ammoniumsulfat, die Brandklassen B und C werden unter anderem mit Natrium- und Kaliumhydrogencarbonat, Kaliumsulfat und Kaliumchlorid bekämpft. Metallbrände können hingegen nur mit speziellen Pulverlöschern der Klasse D bekämpft werden, die als Löschmittel vor allem Alkalichloride enthalten.

Die Wirkung von Feuerlöschern entspricht den physikalischen und chemischen Abläufen, die auch die Feuerwehr in der Brandbekämpfung ausnutzt, sagt Gisbert Rodewald. Der Chemiker ist Leiter des Institutes der Feuerwehr Nordrhein-Westfalen und hat zusammen mit Alfons Rempe das Standardwerk „Feuerlöschmittel“ (Kohlhammer, 184 Seiten, 25 Euro) geschrieben.

Jedes Löschmittel hat eine Hauptlöschwirkung, erklärt Rodewald, dazu kommen stets noch weitere Wirkungen. Es gibt dabei drei entscheidende Stellschrauben: Wasser kühlt in erster Linie, dabei wird die Temperatur unter den für die fortlaufende Oxidation notwendigen Mindestenergiezustand abgesenkt. Je größer die Oberfläche des Wassers ist, desto größer ist die Wirkung. Die Tröpfchen eines im Feuer verdampfenden Wassernebels entziehen dem Brand deshalb viel mehr Energie als ein dicker Wasserstrahl.

Wichtig ist, Bedienung und Funktion zu kennen

Schaum wirkt vor allem durch den Stickeffekt. Dabei wird das Mengenverhältnis von brennendem Stoff und Sauerstoff im Feuer verändert, indem die dichte Schaumdecke als Barriere zu dem in der Luft vorhandenen Sauerstoff wirkt. Nach dem Stickeffekt funktionieren auch Kohlendioxid und Fettbrandlöschmittel. Pulver schließlich arbeitet vor allem mit einer inhibitorischen Löschwirkung, erklärt Rodewald.

Dabei binden die Partikel des Löschmittels besonders energiereiche und reaktionsfreudige Atome oder Moleküle (Radikale) an sich, die für die fortlaufende Verbrennungsreaktion notwendig sind. Vor allem bei brennenden Flüssigkeiten und Gasen hat das einen schlagartigen Effekt. Gleichzeitig kühlt der Schaum aber auch, und das Pulver wirkt durch aufschmelzende oder aufkohlende Schichten auch erstickend.

Die ganze Wirkung eines Feuerlöschers wird allerdings nur derjenige ausnutzen, der sich nach der Anschaffung mit Bedienung und Funktion vertraut gemacht hat. Die entsprechenden Hinweise sind auf jedem Gerät außen angebracht. Viele Kunden greifen deshalb ganz bewusst zu Geräten, die weitgehend intuitiv zu bedienen sind, sagt Ditmar Götze vom Feuerlöscher-Hersteller Gloria. Als Beispiele nennt der Gloria-Sprecher die vor sechs Jahren neu eingeführten Schaumlöscher des Typs SKK6. Ein Ersatz für die Feuerwehr ist der Feuerlöscher aber nicht. Selbst beim erfolgreichen Einsatz gegen ein Feuer im Haus gilt deshalb, dass man auf jeden Fall die Brandschützer alarmieren sollte.

Auto-Löscher

Für Personenwagen ist ein Feuerlöscher in Deutschland im Gegensatz zu Bussen, Gefahrguttransporten und schweren Lastwagen nicht vorgeschrieben. Nur jeder achte Autofahrer hat einen Löscher dabei, wird geschätzt.

Geräte mit zwei Kilogramm Löschmittel (nicht weniger) eignen sich, einen Entstehungsbrand einzudämmen oder auch zu löschen, sagt Klaus-Dieter Weiß von der Berliner Berufsfeuerwehr. Es geht aber nicht nur darum, ein Feuer im eigenen Wagen zu bekämpfen. Wichtig ist vor allem, anderen Menschen zu helfen, wenn nach einem Unfall ein Brand entstanden ist. Mehrere Helfer mit Zwei-Liter-Geräten können ein Feuer gut eindämmen. Nach Möglichkeit Handschuhe anziehen, bei Brand im Motor die Haube etwas anheben und durch kurze, gezielte Pulverstöße den Brand löschen, Gefahr der Wiederentzündung beachten.

Wenn der eigene Wagen brennt: An sicherer Stelle anhalten, Zündung ausschalten und Motorhaube entriegeln. Erst Mitfahrer in Sicherheit bringen, Pannendreieck aufstellen, Feuerwehr alarmieren.

Quelle: F.A.Z.
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