Fischertechnik

In der Lernfabrik

Von Peter Thomas
16.08.2020
, 16:42
Die Lernfabrik von Fischertechnik hat sich unter anderem für die virtuelle Inbetriebnahme neuer Industrieanlagen bewährt. Andere Anwender kommen aus der IT- und Softwarebranche.

Wenn in der deutschen Automobilindustrie Spielzeug auf den Tisch kommt, haben die Ingenieure ganz ernste Dinge im Sinn: Die Lernfabrik von Fischertechnik hat sich unter anderem für die virtuelle Inbetriebnahme neuer Industrieanlagen bewährt. Andere Anwender kommen aus der IT- und Softwarebranche, beispielsweise IBM, SAP und Adesso. Bei diesen Kunden geht es vor allem um Entwicklung und Simulation, aber auch um die Demonstration von virtuellen Prozessen an einem physischen Modell.

Ende Juli hat die Konstruktionsspielzeug-Marke des Schwarzwälder Dübelherstellers die zweite Generation des Industriemodells auf den Markt gebracht. Die Lernfabrik 4.0 24V, wie die gut 5400 Euro teure Miniatur mit vollem Namen heißt, bildet wie der Vorgänger Abläufe einer modernen Produktionsanlage ab. Zu den Stationen gehören unter anderem ein Hochregallager, ein Roboter mit Vakuumgreifern, ein Bearbeitungszentrum sowie eine Sortierstrecke. Das Besondere des Modells sind die Koordination und Überwachung der Abläufe. Denn diese Funktionen übernehmen speicherprogrammierbare Steuerungen und digitale Sensoren wie in einer realen Fabrik, unter anderem werden die Werkstücke mit Nahfeldkommunikation (NFC) verfolgt und Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftdruck sowie Luftqualität gemessen.

Folgende Beispiele nennt Fischertechnik als Anwendungszwecke des Lernmittels und Laborgeräts: Schulungen zur speicherprogrammierbaren Steuerung in Unternehmen; Forschung und Lehre zu digitalen Prozessen an Hochschulen und Universitäten; Entwicklungsarbeit zu Themen von der Sprachsteuerung im Industriebereich bis zum maschinellen Lernen. Schließlich der Einsatz als klassisches Industriemodell auf Messen und anderen Veranstaltungen – hier jedoch mit der realen Steuerung des Vorbilds im Einsatz.

Den Einzug des industriellen Internets der Dinge (IoT) in Produktion und Logistik spiegelt die neue Lernfabrik unter anderem mit der werkstückspezifischen Datenübertragung mit NFC und die Programmierung von Abläufen mit dem grafischen Entwicklungswerkzeug Node-RED. Verschiedene Dashboards können die Abläufe der Modellfabrik aus der Perspektive der Produktion, des Kunden (bis hin zum Webshop) oder des Lieferanten visualisieren.

Der Einsatz von Konstruktionssystemen aus dem Spielwarenbereich wie Fischertechnik oder der klassische Metallbaukasten haben in der Industrie für die Berufsausbildung sowie für Forschung und Entwicklung Tradition.

Fischertechnik beispielsweise ist stolz auf die gigantischen, 2016 in Betrieb genommenen neuen Schleusen des Panamakanals. Diese wurden nämlich erst im Maßstab 1:200 mit den Kunststoffelementen aus Waldachtal als Modell getestet, bevor es an die Umsetzung der Pläne ging. Der Metallbaukasten hat eine besonders lange Geschichte als Hilfsmittel von Ingenieuren und Designern. Unter anderem kam das britische System Meccano zum Einsatz, als Sir Alec Issigonis Ende der 1950er Jahre den Frontantriebstrang des ersten Mini entwickelte.

Quelle: F.A.Z.
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