Energietechnik in der Fassade

Neue Haut fürs alte Haus

Von Anna-Lena Niemann
13.01.2022
, 10:18
Neu im Baukasten: Demonstrator der Modulfassade mit raumhohem Photovoltaikelement.
Viele Bürogebäude kommen aus den fünfziger bis siebziger Jahren. Ihre Energiebilanz ist oft schlecht, eine Sanierung aber teuer. Forscher der Fraunhofer Institute wollen das Problem mit einer neuen Modulfassade angehen.
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Heizen, kühlen, lüften, jedes Gebäude muss sich ins Zeug legen, damit sich seine Gäste wohl fühlen. Nicht nur zu Hause, auch im Büro. Der Energieaufwand dafür ist freilich hoch, zumal in älteren Häusern, und eine Sanierung kostet viel Geld und Zeit. Forscher der Fraunhofer Institute für Bauphysik sowie für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik haben deshalb Fassadenmodule entwickelt, in denen umweltfreundlichere Energietechnik schon fest integriert ist. Sie soll Sanierungen einfacher und schneller machen – „minimalinvasiv“, wie die Forscher sagen.

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Dabei haben sie zunächst einen ganz bestimmten Gebäudetypus im Blick: die vielen deutschen Bürogebäude aus den fünfziger bis siebziger Jahren. Die Wissenschaftler beziffern ihren jährlichen Energieverbrauch auf 3200 GWh, erwarten aber, dass er sich mit ihrer Modulfassade auf 600 GWh senken ließe. Dank ihrer typischen Skelettbauweise – mit Stahlbetonstützen anstelle tragender Wände – könne man die alte Fassade vergleichsweise leicht entfernen und die neuen Modulen an ihrer Stelle von außen aufsetzen, ohne das Wände aufgerissen, Rohre oder Kabel verlegt werden müssten.

Die einzelnen Fassadenmodule werden zudem vorgefertigt. Sie passen damit zum Ansatz des seriellen Bauens, der einen Großteil der Fertigung von der Baustelle in die Fabrik bringen möchte. Das spare Zeit und letztlich Kosten, erhoffen sich Befürworter dieser Methode.

Blick hinter die Fassade: Der Demonstrator der Modulfassade muss sich den Messinstrumenten stellen und zeigen, ob Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Energiebilanz stimmen.
Blick hinter die Fassade: Der Demonstrator der Modulfassade muss sich den Messinstrumenten stellen und zeigen, ob Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Energiebilanz stimmen. Bild: Fraunhofer

Jedes der Module aus dem Fraunhofer-Labor ist geschosshoch, 1,25 Meter breit, 30 Zentimeter tief und in der Lage, einen 24 Quadratmeter großen Raum mit der nötigen Energietechnik zu versorgen. Außen beschafft ein Solarmodul zunächst die Energie und versorgt die integrierte Wärmepumpe mit Strom. Jedes Element verfügt aber auch über einen Stromanschluss. In schattigen Zeiten soll die Haustechnik schließlich nicht lahmgelegt werden. In einem Luftspalt hinter dem Solarmodul haben die Ingenieure einen Ventilatorkonvektor in­stalliert, über den die Wärme an den Raum abgegeben wird. Einzeln ansteuerbare Klappen regeln zudem die Belüftung der Räume. Im Winter lässt sich das Büro damit über die Fassade heizen, im Sommer kehrt die Anlagentechnik den Kreislauf um und kühlt die Räume.

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Der Demonstrator steht. Jetzt muss er zeigen, wie seine Komponenten im Zusammenspiel funktionieren. Und ob die Energiebilanz hält, was sie verspricht.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Niemann, Anna-Lena
Anna-Lena Niemann
Redakteurin in der Wirtschaft.
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