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Helm von Shark im Test

Kinn kann

Von Walter Wille
 - 10:19
Der Evo-One 2 von Shark ist Jet- und Integralhelm in einem.zur Bildergalerie

Mit dem Klapphelm tut sich mancher schwer. Ja, sehr praktisch zweifellos. Aber nein, wie sieht das denn aus? Das Auf- und Absetzen vereinfacht ein Motorradhelm mit hochklappendem Kinnteil enorm. In der Pause rasch aufs Handy gucken oder auf die Straßenkarte, eine qualmen, ohne den Kopfschutz abzusetzen – das sind klare Vorteile dieser Bauart. Neuere Typen sind weniger klobig als ihre Vorgänger und sportlicher geformt, aber einem Klapphelm sieht man immer an, dass es sich um einen solchen handelt. Spätestens dann, wenn das Vorderteil in hochgeklapptem Zustand oben auf dem Scheitel sitzt. Das ist ästhetisch nicht jedermanns Sache. Nachteil bei jenen Klapphelmen, die dank Doppelhomologation für einen Gebrauch in geschlossenem wie geöffnetem Zustand zugelassen sind: Obenauf erzeugt das geöffnete Kinnteil erhöhten Windwiderstand und einen unangenehm hohen Schwerpunkt.

Der französische Anbieter Shark hat schon vor Jahren eine Lösung gefunden durch ein Kinnteil, das um 180 Grad aufschwingt und sich unauffällig und schwerpunktgünstig an die Hinterseite des Helms schmiegt. Erstmals beschrieben haben wir das anhand des damals neuen Modells Evoline in der Ausgabe vom 16. Dezember 2008. Das Unternehmen aus Marseille blieb dem Prinzip treu und entwickelte es weiter. Die jüngste Ausführung, Evo-One 2 genannt, fällt nicht nur durch eine längst nicht mehr so klobige, dynamisch-kompakte Bauweise auf, sondern auch dadurch, dass sie von einer Schwäche älterer Versionen befreit wurde: Eine ausgeklügelte Mechanik öffnet oder schließt das Visier automatisch, wenn der Kinnschutz geöffnet oder geschlossen wird.

Früher war das per Hand zu bewerkstelligen, und wenn man es vergaß, kamen sich Visier und Klappe ins Gehege. Eine markante Verbesserung. Für die Verwandlung vom Jet- zum Vollvisierhelm und umgekehrt braucht es nur einen raschen Handgriff. Bloß das Schließen bis zum Einrasten verlangte an unserem Testexemplar in Größe M stets etwas Nachdruck. Es brachte 1614 Gramm auf die Redaktionswaage, 36 Gramm weniger als vom Werk angegeben.

Der Evo-One 2 erfüllt nach Angaben von Shark die Zulassungsbestimmungen als Integral- wie als Jethelm, darf demnach während der Fahrt sowohl geschlossen als auch offen benutzt werden, wobei für die Schutzwirkung natürlich Ersteres zu bevorzugen ist. Die Klappe zu öffnen kann allerdings eine Wohltat sein im Stadtverkehr oder im Stau, zudem erweitert sich dadurch das ansonsten durch den Kinnbügel eingeschränkte Sichtfeld.

Nachteil des Offenfahrens: Zumindest bei flotterem Tempo weht es beträchtlich um die Augen, weil bauartbedingt das Visier nur bis zur Nasen- und nicht bis zur Kinnspitze reicht. In geschlossenem Zustand ist sofort Schluss mit dem Zug, besonders dann, wenn man ein pfiffiges Detail des Evo-One 2 nutzt, den integrierten Windabweiser. Dabei handelt es sich um eine an der Innenseite des Kinnbügels angebrachte Lasche. Die zieht man mit dem Zeigefinger herunter, so dass sie sich unters Kinn legt und somit den Spalt winddicht schließt.

Sonnenblende, Ratschenverschluss am Kinnriemen, zum Waschen herausnehmbares Futter zählen zur Ausstattung. Die Belüftungsöffnung am Kinn ließ bei Bedarf ausreichend Frischluft herein, die Lufteinlässe am Oberkopf, deren Schieber nur schwer zu ertasten sind, dürften etwas spendabler sein. Unangenehme synthetische Gerüche verströmte der frisch ausgepackte Evo-One 2 nicht, seine Passform empfanden wir als angenehm, die Windgeräusche als relativ gering und die Aerodynamik als sehr gelungen.

Möglicherweise leistet der aufgesetzte Spoiler einen Beitrag dazu, auf alle Fälle macht er was her. So wie die zahlreichen, zum Teil originellen Farb- und Dekor-Varianten, die Shark zur Auswahl stellt. Je nachdem, für welche man sich entscheidet, sind laut Liste 400 bis 450 Euro zu zahlen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Wille, Walter
Walter Wille
Redaktion „Technik und Motor“
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