Mit Verspätung und 5G

Das sind Apples neue iPhones

Von Michael Spehr
Aktualisiert am 13.10.2020
 - 21:03
Apples stellvertretende Chefin im Produktmarketing, Kaiann Drance, stellt das neue iPhone 12 vor.zur Bildergalerie
Bei seinen neuen iPhone-Modellen setzt Apple künftig nun auch auf den 5G-Mobilfunkstandard. Neben dem iPhone 12 und dem iPhone 12 Pro bietet Apple nun zudem ein Mini-Modell seines neuesten Smartphones an – und enthüllt weitere Neuheiten.

Apple hat am Dienstag vier iPhone-Modelle vorgestellt, die nun erstmals den neuen Mobilfunkstandard 5G unterstützen. Die iPhone-12-Familie wurde coronabedingt nicht nur später präsentiert, sondern kommt auch deutlich später in den Handel. Zwei Modellvarianten, das iPhone 12 und das 12 Pro, sind vom 23. Oktober an erhältlich, die beiden anderen erst im November. Ungeachtet der Abweichungen vom üblichen Turnus kann Apple also das Weihnachtsgeschäft noch bedienen.

Die neuen Geräte unterstützen allesamt 5G und bringen gegenüber den Vorgängermodellen ein modifiziertes Design mit, das sich an der Formensprache der aktuellen iPad-Pro-Tablets orientiert, also auf markante Ecken setzt. Gab es bislang drei iPhone-Varianten, sind es nun vier. Das jüngste Kind heißt Mini und ist ein eher kleines Gerät mit einer Displaydiagonale von 5,4 Zoll. Die Standardversion hat wie ihr Vorgänger 6,1 Zoll, und die beiden Pro-Modelle bringen es auf 6,1 und 6,7 Zoll. Das Spitzengerät iPhone 12 Pro Max wird also geringfügig größer als das bisherige Top-Modell. Die Geräte sind leichter und dünner, sagt Apple.

Stets stellt Apple den schnelleren Prozessor bei seinen Neuerscheinungen heraus. In diesem Jahr wurde der A14 bereits vorab präsentiert, er kommt nämlich auch im iPad Air der vierten Generation zum Einsatz. Der A14 basiert auf sechs ARM-Kernen, wird in 5-Nanometertechnik gefertigt und hat 11,8 Milliarden Transistoren. Die neue „Neural Engine“ des Systems kann nun Billionen statt nur einige hundert Milliarden Rechenaufgaben pro Sekunde vornehmen. Von diesem Tempogewinn profitieren alle Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz. Es gibt kein schnelleres Smartphone, sagt Apple mit einem gewissen Stolz.

Alle mit Oled-Display

Die vier neuen iPhones bringen allesamt ein Oled-Display mit, bislang hatten die günstigeren Varianten eine LCD-Anzeige. Die Pixel-Auflösung, Helligkeit und der Kontrast wurden erhöht. Die Pro-Modelle schmückt ein Rahmen aus Edelstahl statt einer Einfassung aus Aluminium. Die Anzeige schützt ein neues gehärtetes Glas, das Apple „Ceramic Shield“ nennt. Es sei stärker als jedes andere Smartphone-Glas. Die biometrische Gesichtserkennungssensor Face ID soll schneller arbeiten, in Zeiten der Maske wünscht sich indes mancher den Fingerabdruckscanner zurück.

Die Kamera des iPhone 12 Mini und des iPhone 12 hat ein Doppelobjektiv. Die Pro-Modelle verwenden eine Dreifachfachoptik und haben zusätzlich einen Lidar-Sensor. Er befindet sich rückseitig unter dem rechten Kameraauge. Die Abkürzung steht für „Light Detection and Ranging”, dabei wird die Umgebung mit einem Laserstrahl abgetastet. Autonom fahrende Autos verwenden dergleichen, um sich ein Bild der Umgebung zu machen. Im iPhone und im iPad Pro bewährt sich das Lidar rund um alle Augmented-Reality-Anwendungen, und der Autofokus wird schneller, vor allem bei wenig Licht. Der Sensor misst über eine Entfernung bis fünf Meter.

Davon abgesehen sollen die neuen Kameras bessere Fotos auch bei wenig Licht schießen, insbesondere das iPhone 12 Pro Max. Erstmals gibt es eine optische Bildstabilisierung wie bei hochwertigen Digitalkameras, bei der 5000 Mal in der Sekunde der Sensor der Handbewegung gegensteuert. Neu ist Apple Pro Raw als Datenformat für die beiden Pro-Modelle, das es erlaubt, weitergehende Anpassungen vorzunehmen. HDR-Videoaufnahmen mit 10 Bit und Dolby Vision HDR sind weitere Pluspunkte der jetzt vorgestellten Geräte. Solche Aufnahmen können sogar auf dem Smartphone geschnitten und bearbeitet werden.

Was 5G Mobilfunk bringt

Die große Neuerung, die Apple schon mit der Einladung „Hi, Speed“ andeutete, ist die Unterstützung für die fünfte Generation des Mobilfunks. „Die Warterei hat ein Ende“, hieß es während der virtuellen Veranstaltung in Amerika, und man sprach von Datenraten von vier Gigabit pro Sekunde.

Aber der Ausbau der Netze hat in Deutschland gerade erst begonnen, andere Länder sind bereits weiter, und andere Smartphone-Hersteller haben 5G-Modelle bereits länger im Angebot. Apple läuft stets etwas hinterher, aber das ist angesichts einer sich gerade erst entwickelnden Infrastruktur nicht tragisch.

5G bringt mehr Datentempo, Downloads in Gigabit-Geschwindigkeit und kürzere Antwortzeiten. 5G ist auch die neue Supertechnik im Millimeterwellenbereich, die Fußballstadien, Messehallen oder Flughäfen versorgt und 5G ist erstmals die Idee, dass Anwendungen direkt in der Basisstation laufen, dass diese also Berechnungen ausführt und Ergebnisse zurücksendet an Endgeräte, um die Vorteile kurzer Antwortzeiten bestmöglich auszuspielen. 5G ist also mehr als nur ein neuer Funkstandard, sondern eine grundlegend erweiterte Netzarchitektur.

Der Einsatz von 5G auf einem Smartphone ist folglich nur ein Teilaspekt der neuen Mobilfunknetze. Gewiss, es sind Downloadraten von mehr als ein Gigabit pro Sekunde erreichbar, ein Tempo, von dem deutsche DSL-Kunden bislang nur träumen können. Aber der Nutzwert hält sich derzeit noch in Grenzen, das 5G-iPhone ist also eine Wette auf die Zukunft. Auch wer hofft, dass nun mit einem 5G-Gerät die allerorten in Deutschland zu beklagenden Funklöcher verschwinden, irrt leider. Denn die Netzbetreiber rüsten an erster Stelle vorhandene Mobilfunkzellen mit 5G nach.

Die Frage der Frequenzen

Wichtig bei jedem neuen 5G-Smartphone ist die Frage, welche Frequenzbänder unterstützt werden. 5G in Deutschland verwendet derzeit die Bänder 1, 3, 7 und 78 mit den Frequenzen 2100, 1800, 2600 und 3600 Megahertz. Noch nicht zugewiesen sind hierzulande Bänder aus dem MM-Wave-Spektrum, also Millimeterwellen, die bei 30 Gigahertz beginnen und hohe Datenraten bei sehr niedriger Reichweite bieten.

Das neue iPhone unterstützt mehr 5G-Bänder als jedes andere Smartphone, hieß es während der Veranstaltung. Mit einem besonderen „Smart Data Mode“ wird automatisch auf LTE zurückgeschaltet, wenn nicht so viel Bandbreite benötigt wird. Die amerikanischen iPhone-Modelle werden MM-Wave unterstützen, unter idealen Umständen liege die maximale Downloadrate bei vier Gigabit in der Sekunde.

Speicher und Preise

Wie gehabt bleibt das iPhone teuer. Die Preise beginnen bei 780 Euro für das iPhone 12 Mini mit 64 Gigabyte Speicher und klettern auf 1560 Euro für das iPhone 12 Pro Max mit 512 Gigabyte Speicher. Erstmals gibt es ein iPhone in Blau.

Neue Homepod-Lautsprecher und Zubehör

Apples smarter Lautsprecher für das vernetzte Heim bekommt Zuwachs. Der vor drei Jahren vorgestellte und bis heute unverändert angebotene Homepod wird ergänzt um einen kleineren und günstigeren Bruder, den Homepod Mini, der statt 320 Euro nur 96 Euro kosten soll. Der Lautsprecher für Siri und die Musikwiedergabe mit Apple Music fügt sich in die Homekit-Welt ein und arbeitet nur begrenzt mit anderen Musik-Streaming-Diensten zusammen.

Statt der zylindrischen Form des großen Bruders hat der Mini die Form einer Kugel, die oben abgeschnitten wurde. Zwei Tweeter und ein Subwoofer sollen für 360-Grad-Sound sorgen. Wie beim großen Homepod wird auch beim Mini der Klang 180 Mal pro Sekunde an die Umgebung angepasst. Es bleibt bei der Ummantelung mit Stoff, wahlweise in den Farben Weiß oder Schwarz. Der Homepod Mini hat einen Ultra-Wideband-Chip, um iPhones im Haus besser orten zu können – und man kann mit dem iPhone in der Nähe die Musik vom Smartphone zum Lautsprecher übergeben. Siri auf dem Homepod Mini erlaubt sodann die Zusammenarbeit mit Apple Carplay. Ferner kann man künftig Nachrichten von einem Homepod zu anderen im Haus schicken, Apple nennt das Intercom und bindet mit dieser Funktion auch iPhone, Apple Watch, und Tablets an. Der Mini ist ab Mitte November erhältlich.

Ferner startet Apple einen neuen Versuch mit einer hauseigenen Ladestation. Der Magsafe Charger und der Magsafe Duo Charger sind drahtlose Ladegeräte von Apple mit einer Leistung bis zu 15 Watt. Sie werden magnetisch an der Rückseite der Smartphone-Hülle arretiert. Im vergangenen Jahr hatte Apple eine bereits angekündigte induktive Ladematte mit dem Namen Airpower noch vor dem Marktstart wieder aufgegeben. Auch Belkin und andere Hersteller werden das neue Magsafe verwenden. Herkömmliche Ladegeräte und Kopfhörer werden den neuen iPhones nicht mehr beigelegt, aus Gründen des Umweltschutzes.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Spehr, Michael (misp.)
Michael Spehr
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
FacebookTwitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot