Kombigerät von Husqvarna

Einer für alle

Von Lukas Weber
06.08.2020
, 16:24
Ein Kombigerät ersetzt viele Spezialisten für die Gartenarbeit, mit Akkubetrieb arbeitet es leise. Das neue 325iLK von Husqvarna glänzt zudem mit durchdachten Details.

Mit einem Akkusystem ist es wie mit der Ehe: Bevor man sich länger bindet, ist es klug, erst einmal zu prüfen, ob sich für die gedachten Zwecke nichts Besseres findet. Von Polygamie raten wir bei Gartengeräten ab, man füllt sonst das Haus mit Sachen, die nicht zusammenpassen. Wer schon ein System hat, wird dabei bleiben und hoffen, dass die Palette dem künftigem Bedarf entsprechend wächst. Vor der Erstanschaffung ist es dagegen richtig, sich am Gesamtprogramm zu orientieren. Die Unterschiede in den einzelnen Geräten der bekannten Hersteller sind überschaubar, und meist füllt sich der Gartenschuppen mit der Zeit von allein, alles hat dann die gleiche Farbe und wird von den gleichen Akkus versorgt.

Doch es geht noch überschaubarer. Immer mehr Marken gehen dazu über, multifunktionale Handgeräte anzubieten, die derselbe Verbrennungs- oder Elektromotor antreibt. Auf die Welle werden Verlängerungen und Vorsätze aufgesteckt, es sind für beide Motorvarianten dieselben. Das ist des Gärtners Freund, denn die Lösung spart Platz, und der teure Motor muss nur einmal angeschafft werden, allerdings richtet sich seine Größe am anspruchsvollsten Vorsatzgerät aus, für andere ist er überdimensioniert.

Die Palette wird bei allen Marken ständig erweitert, Werbesprüche über ein Dutzend Vorsätze oder mehr muss man aber nicht ganz ernst nehmen, weil verschieden große Heckenscheren oder alles, was an der Motorsense rotieren kann, einzeln gezählt werden. Die Programme der großen Hersteller ähneln sich, es gibt aber auch seltene Spezialitäten wie einen Olivenschüttler.

Den hat Husqvarna nicht im Angebot, aber das akkubetriebene Multifunktionsgerät 325iLK, das seit kurzem im Handel ist, hat andere Vorzüge. Der etwa backsteingroße Akku mit 36 Volt und bis zu 9,4 Ah Kapazität wird nicht von oben, sondern quer in den Schacht geschoben, das System kann also nicht bei starkem Regen volllaufen oder Schmutz ansammeln. Andere Hersteller bieten diese Möglichkeit erst gar nicht, sondern lagern den Akku in eine Gürteltasche oder gleich einen Rucksack aus, in der Annahme, dass der Profi ohnehin den ganzen Tag damit arbeitet. Das kann der 325iLK selbstredend über einen Adapter auch, wir halten aber fest, dass sich mit dem stärksten Akku BLI 300 und voller Leistungsabgabe gut eine Stunde schaffen lässt.

Dann beginnt die letzte LED der Akku-Anzeige zu blinken, kurz darauf stellt sich das Gerät ab, ohne dass die Leistung zuvor nachgelassen hätte. Das ist die reine Laufzeit, in der Praxis arbeitet das Multifunktionsgerät wesentlich länger, weil es je nach Tätigkeit immer wieder mehr oder weniger lange Unterbrechungen gibt und die volle Leistung nur für wenige Aufgaben benötigt wird. Regeln lässt sich das feinfühlig mit dem Zeigefinger über den Gashebel am Griff, außerdem gibt es eine Voreinstellung in drei Stufen. Sie wird mit dem Daumen am Display eingetippt, ein versehentliches Verstellen ist unmöglich. Unbeabsichtigtes Loslaufen geht auch nicht, erst muss der Startknopf gedrückt werden.

Rastet mit einem deutlichen Klicken ein

Der Antrieb des 325iLK wirkt kraftvoll wie ein Benziner, aber er ist viel leiser. Dadurch rücken die Arbeitsgeräusche der Aufsätze in den Vordergrund – tauglich für den Sonntagvormittag sind auch Gartengeräte mit Elektromotor nicht. Im Betrieb fällt sofort der vibrationsarme Lauf auf, bis in die weichen Griffe dringt fast nichts durch. Das Aggregat ist leicht, mit Griff und nichts am festen Schaft sind es etwa 2,3 Kilo, mit dem Akku BLI 300 kommen knapp 2 hinzu, alles zusammen lässt sich gut ausbalancieren. Den Anwender erfreuen durchdachte Details, so rastet die Verlängerung mit einem deutlichen Klicken ein und will mit einem Hebelchen wieder freigegeben werden, das verhindert, dass sie nicht tief genug eingeschoben ist. Aber warum werden mal Inbus- und mal Torx-Schrauben verwendet?

Husqvarna führt das Kombigerät aus unerfindlichen Gründen unter den Trimmern. Tatsächlich geht das Arbeiten mit Faden oder Messern so locker von der Hand wie mit den Spezialisten. Abstriche sind zu machen, wenn Kompaktheit gefragt ist, denn Motor und fester Schaft sind schon knapp einen Meter lang. Wird zum Beispiel der Laubbläser aufgesetzt, ist das Ensemble so unhandlich, dass man damit nicht mehr in die Ecken kommt.

Die von uns erprobte Heckenschere ist auch ein rechtes Trum, dank des kraftvollen Motors knackt sie mit einem Zahnabstand von 2,5 Zentimeter selbst daumendicke Äste. Großes Lob verdient der Hochentaster, der radikal zu Werke geht, auch für seinen transparenten Öltank, dem man den Füllstand tatsächlich ansieht. Leider ist der Winkel nicht verstellbar. Mit mehreren Verlängerungen lässt sich die Reichweite steigern, soweit es die Kraft des Benutzers zulässt. Für alles, was zum Boden reichen soll, ist Länge auch kein Nachteil, von den derzeit 13 Geräten im Programm haben wir den tadellos arbeitenden Vertikutierer eine Weile ausprobiert. Wie bei der Konkurrenz gibt es außerdem eine Kehrbürste und eine Gummiwalze. Äußerst praktisch ist der Unkrautentferner, eine oszillierende Scheibe wie jene von Stihl, die wir im Januar getestet haben. Husqvarna hat sie vom Tochterunternehmen Zenoah übernommen, dort ist sie schon einige Jahre im Programm.

Professionelles Gerät ist nicht billig. Mit Trimmervorsatz kostet der 325iLK 438 Euro, einschließlich Akku und Ladegerät wird es schon knapp vierstellig, weitere Vorsätze liegen zwischen 175 (Kantenschneider) und 486 Euro (Kehrwalze). Verglichen mit der Summe einzelner Geräte ist der Kombi freilich geradezu wohlfeil.

Quelle: F.A.Z.
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Lukas Weber
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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