Leuchtmittel

Der simple Lampenkauf wird zur Herausforderung

Von Ullrich Hnida
10.06.2010
, 08:00
Was darf's sein? Der Lampenmarkt ist unübersichtlich (die Glübirnen im Bild gibt es jedenfalls nicht mehr)
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Auf dem Leuchtmittelmarkt verunsichert ein verwirrendes Angebot die Verbraucher. Verschiedene Techniken wie Leuchtstofflampen und LED konkurrieren miteinander, und auch die Halogenlampen sind noch lange nicht am Ende.
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Jede Epoche hatte ihr Licht. Nach Kienspan, Kerze, Öl- und Gaslampe wurde das 20. Jahrhundert vom elektrischen Glühlicht geprägt. Für das 21. Jahrhundert werden die Karten gerade neu gemischt. Während die Verbraucher sich nur widerwillig von ihrer geliebten „Glühbirne“ verabschieden, entwerfen die Auguren aus den Marketing- und Entwicklungsabteilungen der großen Hersteller die unterschiedlichsten - von der jeweiligen Interessenlage geprägten - Zukunftsperspektiven. Steht die ungeliebte Kompaktleuchtstofflampe (KLS) schon kurz vor dem Aus? Kommt die LED-Revolution? Tapezieren wir bald schon mit leuchtenden Tapeten?

Der Verbraucher steht derweilen - von der EU des Großteils der klassischen Glühlampen beraubt - frustriert vor meterlangen Leuchtmittelregalen. Oft fehlt qualifizierte Beratung. Die anscheinend Glücklicheren haben einen Glühlampenvorrat gebunkert. Wer das nicht wollte, der kann immer noch zu Halogenlampen greifen. Sie funktionieren nach dem gleichen Prinzip, spenden ähnliches Licht und machen alles etwas effizienter als die gute alte „Glühbirne“. Menschen, die sich nicht so schnell umgewöhnen wollen, bietet Osram deshalb Halogenlampen in Glühbirnenform an und nennt das etwas großspurig Halo Energy Saver.

Intensives Lobbying der Lampenhersteller

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40- und 60-Watt-Versionen sind inzwischen am Markt. Weitere werden wohl folgen. Der Nutzen für Umwelt und Geldbeutel bleibt dabei eher bescheiden. Die Lampen brauchen ungefähr 30 Prozent weniger Strom als klassische Glühlampen vergleichbarer Leistung und halten doppelt so lange. Auch der Kaufpreis rangiert nahe dem für normale Glühlampen, so dass die Münchener Lichtmacher für Halogenlampen auch künftig einen Markt erspähen. 2016 sollen die Effizienzkriterien für Halogenlampen von der EU weiter nach oben geschraubt werden, daher arbeitet man nicht nur bei Osram derzeit daran, mit verbesserten Beschichtungen und modifizierten Metallverbindungen die Halogentechnik zu optimieren.

LED brauchen neuartige Lichtkonzepte: Kunstwerk aus Leuchtdioden
LED brauchen neuartige Lichtkonzepte: Kunstwerk aus Leuchtdioden Bild: dpa

Gleichwohl: Eine Technik, die Licht mit einem glühenden Faden erzeugt, ist in ihrer Effizienz begrenzt. Wohl auch deshalb leisten sich Lampenhersteller intensives Lobbying bei den Brüsseler Behörden, um die „Restlaufzeit“ von Halogenlampen weiter gen Zukunft zu dehnen, bis andere Techniken - allen voran die LED - wirklich reif sind für den Massenmarkt. Und das wird wohl noch das eine oder andere Jahr dauern. Zwar ist die Entwicklung der LED-Technik eine Erfolgsgeschichte und wird es sicherlich auch bleiben. So erreichen weiße LED inzwischen Wirkungsgrade von mehr als 100 Lumen je Watt. Zum Vergleich: Eine gute Halogenlampe schafft gerade mal ein Viertel davon.

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In der Praxis haben LED viele Vorteile: Anders als Kompaktleuchtstofflampen lassen sie sich problemlos dimmen, sie sind in ihrer Farbwiedergabe einstellbar, und man kann „intelligente“ Lichtquellen bauen, da sich LED als Halbleiter problemlos mit entsprechender Sensorik und Ansteuerungstechnik kombinieren lassen. Zusätzlich lassen sich farbige LED einstreuen, deren Licht schon innerhalb der Lampe mit Mikrooptiken homogen gemischt wird. Mit solchen LED sollte also in Zukunft noch einiges möglich werden. Optimisten schlugen deshalb schon vor, die Messe Light & Building, die im Frühjahr in Frankfurt stattfand, doch gleich in LED & Building umzufirmieren.

Doch den Vorteilen steht eine Reihe systemischer Schwächen gegenüber. LED sind - anders als die „Glühbirne“ - keine Rundum-, sondern Punktstrahler. Eine solche Lampe funktioniert immer dann bestens, wenn sie nach vorn Licht und nach hinten Wärme abstrahlen kann, was sie immer noch reichlich tut. Dem muss man Rechnung tragen, und daher brauchen LED ein anderes Leuchtendesign und neuartige Lichtkonzepte. Im Entree einer Bank oder in Designershops mag man solche - vergleichsweise teuren - Konzepte umsetzen. In den eigenen vier Wänden werden sie vorerst schon wegen der Kosten die Ausnahme bleiben. Das Wachstum der nächsten Jahre wird deshalb getrieben durch sogenannte Retrofits.

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Wirtschaftlich lohnt sich LED-Licht noch nicht

Retrofits sind LED-Leuchten, die man in die bekannten Glühlampenfassungen schrauben oder stecken kann. In einer solchen Fassung herrschen mit Sicherheit keine optimalen Verhältnisse für die LED-Chips. Man zwingt die LED in die Mitte des Raums und die zugehörige Elektronik in die herkömmliche Lampenfassung, was (die an sich hohe) Lebensdauer von einigen 10.000 Stunden einschränkt. Und das betrifft nicht nur die Lebenszeit der LED, wegen der Wärmelast reduziert sich die der Elektronik. Auch Abstrahlverhalten und Ästhetik unter einen Hut zu bringen gelingt nicht immer. So ähnelt manch neue Lampe eher einem Maiskolben oder einem Kaktus als einer modernen Lichtquelle.

Wirtschaftlich lohnt sich LED-Licht ebenfalls noch nicht. Zwar liegen LED und Kompaktleuchtstofflampen in ihrer Effizienz gleichauf. Denn eine LED-Lampe mit 8 Watt strahlt etwa 350 Lumen ab (etwas weniger als eine 40-Watt-Glühlampe) und kostet immerhin 35 Euro. An manchen schlecht erreichbaren Stellen, wo ein Lampentausch sehr aufwendig wäre, kann solch eine Investition trotzdem sinnvoll sein. Und auch beim Ersatz von Reflektorlampen kann man den LED-Vorteil nutzen, dass sie von Natur aus gerichtet abstrahlen. Osram sagt einen Preisrückgang von 10 Prozent im Jahr für die LED voraus; demnach wird es also noch ein wenig dauern bis zum ökonomischen Patt.

OLED - eine technisch aufwendige, aber fast „nichtmaterielle“ Lichtquelle

Wie viel strahlender scheint da die Vision einer Plastikfolie, die Licht aussendet und ihre Farbe ändern kann - diese Idee verbinden Forscher mit organischen Leuchtdioden (OLED). Mit OLED vollzieht sich ein weiterer Philosophiewechsel in der Lichttechnik, weg von der einzelnen Quelle hin zu strahlenden Flächen, die ausgeschaltet wie ein Spiegel wirken oder gar transparent sind, in jedem Fall extrem flach und leicht. Wenn es gelingt, den organischen Leuchtstoff samt Elektroden und Versiegelung auf eine flexible Unterlage zu bringen, dann sind der Formenvielfalt und der Phantasie der Designer (fast) keine Grenzen gesetzt.

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General Electric und Minolta wollen schon 2011 gemeinsam die ersten flexiblen OLED, hergestellt im Rollenoffset-Verfahren, auf den Markt bringen. Eine Pilotproduktion läuft seit 2009, eine Fertigungslinie soll bis zum Herbst dieses Jahres entstehen. Hierzulande äußert man sich ein wenig defensiver. Aber Künstler und Designer finden schon Geschmack an der technisch aufwendigen, aber fast „nichtmateriellen“ Lichtquelle. Von Osram gibt es seit kurzem ein erstes Produkt: eine extrem flache Lichtkachel. Das runde OLED-Teil hat einen Durchmesser von acht Zentimeter, ist zwei Millimeter dünn und wiegt nur 24 Gramm.

Kompaktleuchtstofflampen - besser als ihr Ruf

Allerdings erreichen diese ersten Module nur eine Lichtausbeute von 25 Lumen je Watt - mithin die bescheidene Effizienz einer Halogenlampe. Der Preis für ein solches Modul liegt bei stattlichen 250 Euro. Im Labor machten die OLED in den vergangenen Jahren freilich ähnliche Entwicklungssprünge wie die LED, was mittelfristig die Kosten drücken sollte. Ob man die OLED überhaupt zu vergleichbaren Rekordausbeuten treiben muss, ist derweil umstritten. Hohe Lumenströme, wie man sie bei einer Punktlichtquelle wie der LED braucht, sind bei blendfreien Flächenstrahlern wie den OLED vielleicht gar nicht erstrebenswert.

Deutlich weniger zukunftsträchtige Vorstellungen kommen beim Betrachten der ungeliebten Kompaktleuchtstofflampen auf. Die nämlich bleiben, trotz aufkommender Konkurrenz von LED und OLED, auf absehbare Zeit die ökonomisch interessanteste Energiesparalternative. In ihrer Effizienz liegen sie mit LED-Retrofits gleichauf, kosten aber nur einen Bruchteil. Doch ihr schlechtes Image klebt an ihnen wie Pech. Dabei sind sie besser als ihr Ruf. Mit Vorschaltgerät gibt es sie inzwischen seit 25 Jahren. In dieser Zeit wurde die Effizienz ebenso verbessert wie Farbwiedergabe, Lebensdauer und vor allem Einschaltzeiten. Schaut man sich das Portfolio des Lampenherstellers Megaman an, hat man eine dreistellige Zahl an Lichtfarben und Bauformen vor sich.

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Auf dem unübersichtlichen Markt fehlen vernünftige Informationen

Doch die Verbraucher haben mit den Füßen abgestimmt: bisher gegen die KLS. Manchmal scheint es, als würde die Technik bestraft für das bürokratische „Overengineering“, das uns die EU-Kommission mit dem Glühlampenverbot bescherte. Gleichwohl: Bei Leuchtmitteln wird es kein Ei des Kolumbus geben. Abhängig vom Zweck kommen Halogen- und Kompaktleuchtstofflampe, LED- und künftig die OLED-Technik zum Einsatz und werden über Jahre nebeneinander existieren. Die technische Vielfalt wird ebenso zunehmen wie die der Anbieter, bei denen neben seriösen Mitspielern auch viele Unbekannte mit Billigprodukten auf den Markt drängen, die einst den Ruf der KLS mit beschädigten. Der LED-Technik könnte ein ähnliches Schicksal drohen.

Leider mangelt es in diesem unübersichtlichen Markt an vernünftiger Information. Die Verbraucher müssen sich daher gewissenhafter als gewohnt auf einen Lampenkauf vorbereiten. Wo wird das Leuchtmittel eingesetzt? Will ich einen Spot oder einen Rundumstrahler bestücken? Steht die Leuchte im Freien, im Hobbykeller oder im Wohnzimmer? Soll die Lampe dimmbar sein? Muss sie 15.000 Stunden halten oder reichen 5000? Bei der Bewertung der Helligkeit sind statt Watt nun Lumen die Kenngröße, und bei der Farbtemperatur die Angabe in Grad Kelvin auf der Verpackung, aber leider nicht einheitlich. Doch mit solcher Vorbereitung und Vergleichstabellen, wie man sie im Internet findet, sollte man einen Über- und dann hoffentlich Durchblick im Leuchtmitteldickicht bekommen.

Leuchtmitteltypen

Glühlampen sind Temperaturstrahler. Zu leuchten beginnen sie, wenn man einen Wolframdraht durch elektrischen Strom auf knapp 3000 Grad Celsius erhitzt und zum Glühen bringt. Dabei entsteht überwiegend Wärme und als „Abfall“ ein wenig Licht.

Halogenglühlampen funktionieren nach dem gleichen Prinzip, aber in allem ein wenig effizienter. Dafür sorgen verschiedene technische Tricks wie Halogenverbindungen im Füllgas, die verdampfte Wolframatome wieder einfangen und zur Wendel zurückführen.

Kompaktleuchtstofflampen sind „aufgewickelte“ Leuchtstoffröhren. Eine im Innern erzeugte Gasentladung lässt ultraviolette Strahlung entstehen, die von Leuchtstoffen an der Röhrenwand in sichtbares Licht umgewandelt wird.

Leuchtdioden (LED) bestehen aus Halbleiterverbindungen. LED setzen elektrischen Strom direkt in (farbiges) Licht um. Für weißes LED-Licht nimmt man auch hier einen „Leuchtstoff“ zu Hilfe, der farbiges Licht in weißes verwandeln kann.

In organischen Leuchtdioden (OLED) bringt man Strom leitende, dünne Kunststoffschichten zum Leuchten. Dazu wird auf ein transparentes Substrat eine transparente Elektrode, die Licht emittierende Schicht und eine zweite metallische Elektrode aufgedampft - fertig ist die leuchtende Sandwichstruktur.

Quelle: F.A.Z.
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