Miele-Lounge in Allianz-Arena

Ist schon ein Tor gefallen?

Von Marco Dettweiler
06.09.2021
, 20:37
Haute Cuisine für ­Amateure: Die Menüs von MChef werden im Dialoggarer einfach nur aufgewärmt.
Miele hat eine Lounge in der Allianz-Arena des FC Bayern München eröffnet. Dort wird viel gekocht – aber manchmal nur aufgewärmt.
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Hartgesottene Fans stehen im Stadion. Andere beobachten das Spiel hoch oben aus einer Lounge. Solche Gäste sitzen hinter eine Glasfront bei einem Glas Wein oder Champagner am Tisch, um zwischendrin in der Pause etwas zu essen – keine Bratwurst, sondern ein ganzes Menü. Wenn ihnen das Spiel zu langweilig ist, können sie sich während der Halbzeiten mit kulinarischen Spielzügen beschäftigen. Im besten Fall legen die Gäste einer Lounge pünktlich zum Anpfiff die Serviette zur Seite, um sich vor die Glasfront auf einen Sitzplatz zu begeben und das Spiel wie alle anderen Zuschauer auf dem Rang zu verfolgen.

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Die Gäste einer Lounge müssen also nicht unbedingt großes Interesse an Fußball haben. Unternehmen laden dorthin in erster Linie ihre Kunden ein, manche davon sind auch Fans. Zu den Unternehmen, die in der Allianz-Arena dauerhaft eine Lounge gemietet haben, gesellt sich nun auch Miele. 106 solcher Räume reihen sich im Oval des oberen Ranges des Stadions. Für Miele ist diese Lounge in der Arena ein bisher noch nicht da gewesenes Vorzeigeprojekt. Dass sich das Unternehmen aus Gütersloh das Stadion des FC Bayern München ausgesucht hat, hat wenig mit einer heimlichen Leidenschaft der Vorstandsmitglieder für den Verein zu tun. Es geht vielmehr darum, durch die Partnerschaft die Bekanntheit des Clubs zu nutzen. Hierzulande, aber auch in China. Dort wartet ein attraktiver Markt auf Miele, den das Unternehmen bisher nicht nutzen konnte.

Miele hat sich seine Lounge von dem Designer Dave Cassels aus Hongkong einrichten lassen. Sie ist geschmackvoll und edel gestaltet – so wie vermutlich die meisten Lounges in den Stadien. Tische, Stühle, Geschirr, Besteck und Gläser schaffen eine Umgebung, wie man sie von teuren Restaurants kennt. Doch interessant und besonders ist der Besuch der Lounge für Freunde des Kulinarischen und des Kochens, die in der Küche nicht nur gerne konsumieren, sondern auch produzieren. So würde man am liebsten gerade Kevin von Holt zur Seite springen und mitmachen, der mit einem Assistenten für die Eröffnungsveranstaltung ein Menü zubereitet. Der Koch aus Hamburg nutzt die Lounge für seine Kochschule „Cooking Arena“, wenn der Ball in der Allianz-Arena ruht.

Ein Viertel des Raumes besteht aus einer Kochinsel. Dieses Viereck hat einen schmalen Eingang, durch den man wie in eine Arena schreitet. Vorne, rechts und links warten mächtige Arbeitsplatten aus Quarzit darauf, dass auf ihnen Essen zelebriert wird. Der Koch ist in der Mitte stehend immer nur einen Schritt von ihnen entfernt. Hier kann er sich austoben: schnippeln und schneiden, Pfannen abstellen und Teller anrichten. Vor ihm ist das Herz der Kommandozentrale. Eine Kochfeld mit Vollflächeninduktion, das bis zu vier Töpfe oder Pfannen erkennt und sich merkt, wenn sie verschoben werden, um das Bedienelement anzupassen. Rechts auf der Edelstahlplatte des Teppan Yaki wird Kurzgebratenes zubereitet. Links vom Kochfeld sitzt die Wokmulde. Wenn dennoch der Platz für Töpfe und Pfannen ausgeht, steht auf der rechten Seite der Kochinsel ein neunzig Zentimeter breites Induktionskochfeld zur Verfügung.

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Spätestens beim Blick nach hinten auf die Wand an der Rückseite der Kochinsel würde der Koch der Muppetshow vor Überforderung die Löffel durch die Lounge pfeffern. Denn dort frieren und kühlen nicht nur die Lebensmittel vor sich hin. Fünf Wärmeschubladen halten die Hitze für Teller und Speisen oder garen Fleisch bei Niedrigtemperatur. Zwei Backöfen und zwei Dampfgarer kann der Koch ebenfalls anwerfen. Wer das Sous-Vide-Verfahren bevorzugt, kann eine Vakuum-Schublade nutzen.

Lernen in der Lounge

Miele hat ziemlich viel Technik in der Lounge aufgefahren. Natürlich möchte das Unternehmen aus Gütersloh zeigen, was es hat. Doch die Installation der Gerätefront mit der üppig ausgestatteten Kochinsel hat ebenso einen praktischen Grund. In der Regel lädt das Unternehmen Händler ein. Einerseits um mit ihnen einen netten Nachmittag oder Abend zu verbringen. Andererseits um sie auf dem Laufenden zu halten, was neue Produkte betrifft. Und offenbar gibt es bei den Händlern immer wieder Nachholbedarf.

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Das gilt vor allen Dingen für den Dialoggarer. Diesen besonderen Backofen hat Miele vor drei Jahren auf dem Markt gebracht. Er gart Lebensmittel nicht nur mit konventioneller Hitze, die wie üblich durch Heizspiralen im Innern entsteht. Der Dialoggarer nutzt ebenso elektromagnetische Wellen in einem Frequenzspektrum um 915 Megahertz. Dadurch kann er vor allen Dingen schneller garen. Dass dieser innovative Backofen in Deutschland nach wie vor ein Nischenprodukt ist, liegt an seinem Preis. Er kostet 8000 Euro.

Mit MChef geht's schnell

In der Lounge darf der Dialoggarer also als Prestigeobjekt nicht fehlen. Vier Exemplare sind neben den Backöfen platziert. Bei Heimspielen wird er sogar zum Hauptakteur, wenn er mit Produkten von MChef zusammenspielen darf. Der Gourmet-Service des Tochterunternehmens von Miele bereitet zu und liefert. Auf Bestellung werden tiefgekühlte Menüs fertig angerichtet auf Porzellangeschirr in Styroporkisten per Kurier in Hotels, Privathäuser, zu Unternehmen oder eben in die Allianz-Arena geschickt. Es lässt sich ein Zeitfenster von zwei Stunden bestimmen. Am Tag der Lieferung heißt es nur noch: Teller aus den Kartons nehmen, Folie entfernen und mit dem entsprechenden Programm im Dialoggarer erwärmen.

Was nach Fast Food klingt, ist Essen auf hohem Niveau. Wir haben den Service vor zwei Jahren getestet. Wenn der Ball in der Allianz-Arena rollt, nutzt Miele mit den Dialoggarern diese Möglichkeit, um die Gäste mit speziellen Lounge-Menüs „zu bekochen“. Durchschnittlich braucht ein Gang etwa zwanzig Minuten, bis er fertig ist. Der Koch, der nicht gekocht hat, kann pünktlich das Menü für bis zu zwei Dutzend Gäste in der Lounge servieren.

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Zu besonderen Anlässen wie VIP-Stadiontour, Weinproben und Privatkonzerten sowie in der Kochschule „Cooking Arena“ greift dann aber Spitzenkoch Kevin von Holt zu Messer, Pfanne und Topf, um Menüs zu kreieren wie etwa „Rotgarnele auf Mia-san-mia-Mosaik mit getrüffeltem Radi und geflämmter Wassermelone“.

Was sich Miele die Werbetour am Spielfeldrand kosten lässt, ist Betriebsgeheimnis. Über Geld kocht man nicht.

Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Dettweiler, Marco
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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