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Nassrasierer im Test

Bart deco

Von Walter Wille
 - 17:16
Gelb leuchtende LEDs zeigen den moderaten 43-Grad-Modus an.zur Bildergalerie

„Die Kürzung der Barthaare erfolgt üblicherweise mittels Rasur“, erklärt das allwissende Online-Lexikon. Die Aussage ist nach unserer Einschätzung korrekt. Allerdings muss hinzugefügt werden, dass für viele Männer das Rasieren eine lästige Pflicht darstellt. Die Beseitigung der Stoppeln erfolgt weithin ohne Enthusiasmus. Dieser traurigen Tatsache hat nun endlich jemand ausreichend Beachtung geschenkt: Gillette.

In diesen Tagen beginnt der Verkauf des Heated Razor, ausschließlich online, zu einem Preis, über den noch zu reden sein wird, den wir aber zunächst einmal unerwähnt lassen wollen. Denn es scheint für den Mann eine Ära anzubrechen, in der ihm jene Wärme entgegengebracht wird, die er benötigt. Eine Zukunft, in der er sich schon abends aufs Rasieren am nächsten Morgen freuen kann. Weil im Bad der Heated Razor auf ihn wartet.

Vereinfacht gesagt, handelt es sich um einen weiteren Nassrasierer, genau genommen aber um das erste elektromechanische Instrument zur Haarentfernung mit integriertem Hitze-Element zur Erzeugung eines sensorischen Erlebnisses. Der Heated Razor hat einen zierlichen Edelstahl-Streifen am Klingenkopf, 26 Millimeter breit und drei Millimeter hoch, der während der Rasur über die Haut gleitet und dabei Wärme abstrahlt, mit dem beabsichtigten Effekt der Entspannung. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird der Mann das als angenehm empfinden und genießen, als Folge dessen womöglich die Rasiergeschwindigkeit reduzieren, um das Wärmegefühl auszukosten, was laut Gillette wiederum einen positiven Einfluss auf die Gründlichkeit der Rasur hat.

Nach einigen Tagen morgendlicher Mäharbeiten im Dienste des Ausprobierens müssen wir, obwohl bisher aufs Kaltrasieren eingeschworen, einräumen, dass der Heated Razor funktioniert. Es ist sogar ein Vergnügen, ihn zu benutzen. Denn er bewirkt eine Veränderung im Mann. Wer sich früher achtlos die Haare aus dem Gesicht gekratzt hat, wird dazu animiert, den Vorgang zu zelebrieren, mit dem Resultat einer kleinen Stimmungsaufhellung beim Start in den Tag. Fährt man sich abends mit der Hand übers Kinn, fühlt man immer noch, dass man sich morgens sorgfältig rasiert hat.

Dabei rasiert das Fünf-Klingen-Gerät im Prinzip genauso gut, wenn nicht per Knopfdruck die Heizung aktiviert wird. Die lässt sich in zwei Stufen einstellen. Gelb leuchtende LEDs zeigen den moderaten 43-Grad-Modus an, Orange steht für 50 Grad, was so heiß ist, dass man den Rasierer nicht mehr als eine Sekunde auf der Stelle hält. Vom Anschalten bis zur vollen Temperatur vergehen keine drei Sekunden. Steht das Gerät zum Laden auf seinem schmucken Sockel, der ein Eishockey-Puck von Apple sein könnte, signalisiert er das durch ein feinsinniges Pulsieren weißen Lichts sowohl an der Ladestation als auch am Griff.

25 Prozent rasieren sich während des Duschens

Dem Verlangen der Männer nach Wärme sind die Gillette-Strategen statistisch auf den Grund gegangen. Ihren Konsumentenforschungen zufolge halten 54 Prozent aller Eingeseiften ihren Nassrasierer unter heißes Wasser, bevor sie sich ans Werk machen. 25 Prozent rasieren sich während des Duschens, 37 Prozent unmittelbar danach. 15 Prozent legen sich, wie beim Barbier, erst mal einen warmen Lappen ins Gesicht. Deshalb die Erfindung des Heated Razor mit Wärmestreifen.

Was nach simpler Technik klingt, ist laut Gillette ein aufwendiges Produkt, Resultat dreijähriger Forschung und Entwicklung. Die Idee dazu soll schon vor zehn Jahren entstanden, jedoch bald wieder ad acta gelegt worden sein, weil seinerzeit nicht in gewünschter Form zu verwirklichen. Es haperte, so heißt es, an der Verfügbarkeit tauglicher Akkus und Elektronik-Komponenten von geringer Baugröße. Beides wird im Griff untergebracht, der am unteren Ende des Schafts zudem die Technik fürs induktive Laden – wie bei der elektrischen Zahnbürste – beherbergt. Ferner sind dort Magnete montiert, mit deren Hilfe der Rasierer schräg auf seiner Basisstation zu stehen vermag, ohne Stütze, wie von Geisterhand gehalten, als außerordentlich schicke technische Skulptur fürs Bad. Die Stärke der Magnete und das beträchtliche Gewicht des Sockels sind so austariert, dass nichts rutscht oder wackelt, wenn der Rasierer in die Hand genommen oder abgestellt wird.

Entwickelt wurde der Heated Razor in Kronberg nahe Frankfurt, wo Procter & Gamble, der Mutterkonzern von Gillette, ein „Kompetenzzentrum“ für elektromechanische Geräte – auch für die Marken Braun und Oral-B – betreibt. Verantwortlich für den Luxus-Rasierer, der ein erstes Produkt einer neuen Linie namens Gillette Labs sein soll, zeichnen Entwicklungsleiter Gregor Meissner und Designchef Oliver Grabes. Sie lassen hochwertig anmutende Materialien verbauen, setzen auf piekfeine Verarbeitung, versprechen Wasserdichtigkeit und die Fähigkeit, Anderthalb-Meter-Stürze auf Waschbecken oder harte Fliesen zu überstehen.

Zu den diversen Herausforderungen zählte nach den Worten Meissners der Aufbau des Wärmestreifens, bei dem es sich nicht bloß um ein Edelstahl-Plättchen handelt, sondern um ein Konstrukt mit eingearbeiteter Graphitfolie zur gleichmäßigen Wärmeverteilung plus Temperatur-Sensoren zum Schutz gegen Überhitzung. Als Bindeglied zwischen dem Wärmestreifen, der am schwenk- und kippbaren Rasierkopf sitzt, sowie der Regelelektronik und dem Lithium-Ionen-Energiespeicher im Griff dient eine hauchzarte, flexible Leiterbahn. Auf Reisen hält der Akku ein paar Tage ohne Ladestation durch, wobei das Rasieren, wie erwähnt, auch ohne Saft möglich ist.

Ohne alberne App

Womit der Moment der Wahrheit gekommen wäre: Der Heated Razor kostet die Kleinigkeit von 199 Euro. Für eine Vierer-Packung Wechselklingen verlangt Gillette 25 Euro. Ein vernünftiger Grund, so viel Geld für einen Nassrasierer auszugeben, fällt uns nicht ein. Aber viele unvernünftige. Wer sich im Preisgefüge der Warenwelt generell weit oben bewegt, wer stets das iPhone der neuesten Generation nutzt, einen Bentley in der Garage und auch sonst eine Vorliebe fürs Besondere hat, der braucht ihn unbedingt. Und: Endlich mal ein neues Gerät ohne alberne App dazu.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Wille, Walter
Walter Wille
Redaktion „Technik und Motor“
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