Energie sparen

Echtzeitdaten für Warmduscher

Von Georg Küffner
24.04.2017
, 16:29
Deckendusche, die viel Luft ins Wasser bringt
Jedes Brausebad zählt: Langes Duschen ist energieintensiv und deshalb teuer. Abhilfe schafft pfiffige Software: Die Daten werden direkt am Duschkopf erfasst.
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Der morgendliche Sprung unter die Dusche ist für das Gros der Bundesbürger Routine. Das Wasser spült Müdigkeitsreste und den Nachtschweiß weg und weckt neue Lebensgeister. So weit, so gut, könnte man meinen. Ein dreiköpfiges Wissenschaftlerteam der Universitäten Bamberg, Bonn und der ETH Zürich macht sich jedoch ernsthaft Sorgen, dass der gemeine Duscher vor, während, beziehungsweise nach dem Duschen sich viel zu wenig Gedanken macht, in welchem Ausmaß er mit seinem morgendlichen warmen Brausebad der Umwelt schadet. „Die Menschen haben nur eine vage Vorstellung davon, wie energieintensiv Duschen ist“, sagt Professor Lorenz Götte vom Institut für Angewandte Mikroökonomik der Uni Bonn, der zuvor in Lausanne geforscht und gelehrt hat.

Die Forscher plädieren daher für eine Echtzeiterfassung des Energie – und Wasserverbrauchs – und haben dafür ein Messgerät entwickelt, das, vor dem Duschkopf montiert, das Ablesen des aktuellen Wasserverbrauchs, der Wassertemperatur und des Energieverbrauchs ermöglicht. Der damit zu erzielende Effekt sei verblüffend, heißt es. Längere Messreihen mit einigen hundert Testduschern habe Einsparungen beim Energieverbrauch „um die 22 Prozent“ ergeben.

Zählt die Tropfen: Messgerät von Amphiro
Zählt die Tropfen: Messgerät von Amphiro Bild: Hersteller

Die etwa zigarettenschachtelgroßen Geräte arbeiten ohne Batterie. Den für die Datenerfassung und -verarbeitung benötigten Strom liefert ein kleiner Generator, der vom strömenden Wasser angetrieben wird und gleichzeitig als Sensor zum Ermitteln der Wassermenge dient. Zwei unterschiedliche Geräte sind verfügbar. Bereits länger auf dem Markt ist das Modell Amphiro A1 Basic. Bei dem 70 Euro teuren Gerät müssen die Verbrauchswerte direkt am Gerät auf einem Display abgelesen werden. Komfortabler arbeitet das zehn Euro teurere Modell Amphiro B1 Connect. Dieses Gerät kann über Bluetooth mit einem Smartphone verbunden und die Verbrauchswerte einschließlich der Wassertemperatur in die Amphiro Cloud überspielt werden. Das „Teilen“ der Duschwerte mit Dritten ist damit leicht möglich. Ganz nach dem Motto: Sag mir deine Duschtemperatur, und du erfährst, wie lange ich unter der Dusche stand.

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Man kann recht ordentliche Einspareffekte erzielen

Wer sich Bad und Dusche mit anderen Menschen teilt, der sollte bedenken, dass erst nach einer dreiminütigen Pause die Geräte auf null zurückspringen und einen neuen Messzyklus starten können. Ein verschmerzbarer Nachteil. Misslicher ist, dass es sich bei dem angezeigten Energieverbrauch (in Kilowattstunden) lediglich um einen Indikator handelt, wie der Hersteller schreibt, da weder die Wirkungsgrade beim Erwärmen des Wassers noch Transportverluste erfasst werden (können).

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Je nach Alter der Heizung beziehungsweise der Heizungsart (Strom, fossil oder solar) kann der tatsächliche Energieverbrauch auch deutlich höher liegen als der gezeigte. Um bis zu 100 Prozent, wie auf der Homepage der Amphiro AG mit Sitz in Zürich zu lesen ist. Hier, unter www.amphiro.com, finden sich auch die Bestellmodalitäten.

Natürlich kann man auch ohne ein solches am Duschschlauch angebrachtes Messgerät, das mit einem Gewicht von rund 350 Gramm das Hantieren mit der Handbrause nicht gerade einfacher macht, recht ordentliche Einspareffekte erzielen. Etwa durch den Einbau eines wassersparenden Brausekopfs, die, mit gut zu erkennenden Ökosiegeln geschmückt, immer mehr Liebhaber finden. Das auch deshalb, da trotz einer Halbierung des Wasserdurchflusses (von bei alten Duschköpfen etwa zwölf bis 16 Liter in der Minute auf acht Liter und weniger) das vom Duscher so geschätzte Schwallerlebnis nicht leidet.

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Was kostet nun ein Duschbad?

Möglich machen das Perlstrahler, Perlatoren, Mischdüsen und Luftsprudler, die alle mehr oder weniger nach dem gleichen Prinzip arbeiten: Indem sie den Wasserfluss in einzelne feine Wasserstrahlen aufteilen, erzeugen sie Fülle. Doch wichtiger ist das Zudosieren von Luft. Dadurch wird der Stahl perlig, wobei man das auf der Strömungsforschung von Bernoulli und Venturi basierende Prinzip der Wasserstrahlpumpe nutzt: Mit der kinetischen Energie des strömenden Wassers wird Luft angesaugt und in das Wasser „gedrückt“.

Was einfach klingt, aber schwierig ist, wenn nur wenig Wasser und zudem mit nur geringem Druck fließt. Etwa dann, wenn, wie etwa im Süden Spaniens, das Wasser mit schlappen 0,1 bis 0,5 Bar aus einem auf dem Dach montierten Behälter kommt. Bei uns liegt der Wasserdruck meist um die drei Bar.

Dieses Gerät kann über Bluetooth mit einem Smartphone verbunden werden
Dieses Gerät kann über Bluetooth mit einem Smartphone verbunden werden Bild: Hersteller

Und was kostet nun ein Duschbad? Das ist nicht leicht zu beantworten, hängt das doch nicht nur vom Wasserhunger des Brausekopfs ab. Auch die gewünschte Wassertemperatur und die Zeit, die man unter der Dusche steht, sind wichtige Einflussfaktoren. Doch rund 50 Cent ist ein Wert, von dem Durchschnittsduscher (fünf Minuten und ein Wasserverbrauch von 50 Litern) ausgehen können.

Ein Wert, der motivieren kann, über eine elektronische Echtzeitverbrauchserfassung nachzudenken – oder auszuprobieren, ob das morgendliche Duschen nicht schneller und mit laueren Temperaturen möglich ist. Wer zehn Minuten mit 40 Grad warmem Wasser duscht, verbraucht fünfmal mehr Energie als ein Drei-Minuten-Sparfuchs bei 35 Grad. Immer wieder empfohlen wird auch: nassmachen, einseifen, abspülen. Macht zwar keinen Spaß, hilft aber sparen.

Quelle: F.A.Z.
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