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LED-Beleuchtung

Neuer Glanz für den Petersdom

Von Johannes Winterhagen
 - 17:06
Deckengewölbe in einem der Seitenschiffe des Petersdoms vorher und nachher

Sie werden nicht bedürfen einer Leuchte oder des Lichts der Sonne. Was die biblische Offenbarung verspricht, gilt für den Petersdom zumindest im Diesseits noch nicht. Der Dom, nach 120 Jahre währender Bauzeit im Jahr 1626 fertiggestellt, ist seiner barocken Pracht zum Trotz ohne künstliche Beleuchtung ein recht düsterer Ort. Grund dafür ist die Größe des Baukörpers: 186 Meter ist die Basilika lang, das Querschiff 140 Meter breit, und die von Michelangelo entworfene Hauptkuppel erstreckt sich auf eine Innenhöhe von 118 Meter. Den gewaltigen Abmessungen stehen relativ wenige Fenster entgegen, so dass der Segen der Elektrizität schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts genutzt wird, um den Raum zu erhellen.

Zuletzt waren vor allem Gasentladungslampen installiert. Osram hat nun in einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Vatikan die komplette Lichttechnik auf LED-Leuchten umgestellt. Alles in allem 100 000 Leuchtdioden sorgen für eine sehr gleichmäßige Ausleuchtung von Decken und Böden, es entsteht fast kein Schattenwurf mehr. „Manches wird nun sichtbar, was uns bislang verborgen war“, resümierte Kardinal Angelo Comastri, Leiter der Dombauhütte, bei der offiziellen Einweihung.

Die im Petersdom verwendeten Leuchten entsprechen im Wesentlichen der Technik, die Osram schon 2014 in der Sixtinischen Kapelle installiert hat. Es handelte sich um eine Spezialentwicklung, die darauf abzielte, die damals frisch restaurierten Fresken so auszuleuchten, dass die Farben möglichst wenig verfälscht werden. Üblicherweise wird die Farbechtheit in der Beleuchtung mit dem „Color Rendering Index“, kurz CRI, bestimmt, dessen Maximalwert 100 nur von direkt einfallendem Sonnenlicht erreicht wird. Allerdings werden standardmäßig nur 14 definierte Farben getestet. Osram entwickelte hingegen für die Sixtinische Kapelle einen Index, der mehr als 100 verschiedene, für die Fresken typische Farben berücksichtigt.

Anschließend wurden die LED so lange getrimmt, bis sie einen CRI von mehr als 95 erreichten. Das kann ansonsten nur die gute alte Glühlampe, die aber für die Beleuchtung großer Gebäude nicht die notwendige Helligkeit erreicht. Für den Petersdom wurden die Leuchten etwas modifiziert. So sank die Lichtfarbe auf 3000 Kelvin für den Innenraum und 2700 Kelvin für die goldverzierten Decken.

Montiert sind die insgesamt 780 aus dem Bergischen Land stammenden Leuchten überwiegend auf dem Sims eines umlaufenden Versorgungsgangs in 30 Meter Höhe. Das Licht strahlt entweder nach unten oder nach oben ab. Die Abstrahlung nach oben ist so gerichtet, dass immer die gegenüberliegende Decke beleuchtet wird. Das verhindert Schattenwürfe und führt zu sehr klar abgegrenzten Konturen. Besonders stark bemerkbar macht sich dieser Effekt bei der zentralen Kuppel, wo die Montage in 50 Meter Höhe erfolgte. Ebenfalls schattenfrei erfolgt so die Beleuchtung des Marmorbodens. Hier allerdings hat das kreuzweise einfallende Licht einen unangenehmen Nebeneffekt: Hebt der Besucher den Kopf, sieht er an einigen Stellen direkt in die starke Lichtquelle und wird geblendet. In den zahlreichen Kapellen der Seitenschiffe, die früher größtenteils unbeleuchtet waren, kommen keine Strahler, sondern LED-Lichtbänder in den Gewölbedecken zum Einsatz. Aneinandergereiht würden sich die Bänder auf eine Länge von mehr als 600 Meter erstrecken.

Die Umstellung auf LED-Technik hat einen weiteren Vorteil: Die Beleuchtung kann von einem zentralen Rechner oder sogar einem Tablet aus gesteuert werden. Besonders relevant ist das, wenn der Papst eine Messe feiert. Der zentrale Altar wird dann mit einer Beleuchtungsstärke von 2000 Lux angestrahlt. Zum Vergleich: Bei einem Europapokalspiel reichen 1500 Lux für astreine Fernsehbilder. Zum Rand des von Gian Lorenzo Bernini gestalteten Baldachins, unter dem der Papstaltar steht, nimmt die Stärke dann rasch und ziemlich gleichmäßig auf 500 Lux ab. „Es galt, einen Spoteffekt wie im Theater unbedingt zu vermeiden“, erläutert Martin Reuter, der für Osram schon zahlreiche Lichtprojekte in Kirchen betreut hat. In der mehrere Monate dauernden Entwicklungsphase ließ er solche Szenarien zunächst am Computer simulieren und dann immer wieder mit einzelnen Leuchten an Ort und Stelle testen. Die eigentliche Installation dauerte dann sieben Monate, während der Betrieb mit 35 000 Besuchern am Tag weiterlief.

Dass Leuchtdioden weniger Strom verbrauchen als die zuvor verwendeten Gasentladungslampen, passt gut zu einem Papst, der mit der Enzyklika „Laudato Si“ 2016 zur Bewahrung der Schöpfung aufrief. Um 80 bis 90 Prozent energieeffizienter seien die neuen Leuchten, wurde aus Anlass der Einweihung mitgeteilt. Zugleich erstrahlen die Kuppeln bis zu zehnmal heller. Multiplizieren darf man die Werte nicht, denn tatsächlich heben sich die gewonnene Beleuchtungsstärke und die höhere Effizienz in etwa auf. Die gesamte Leistungsaufnahme aller Leuchten beträgt allerdings auch bei vollem Lichtstrom nur 108 Kilowatt. Was für den Antrieb eines Mittelklassewagens gut ist, sollte einem zentralen Bauwerks der Menschheit billig sein.

Auch wenn die traditionelle Lichttechnik im Geschäft von Osram eine immer geringere Rolle spielt, könnte die Partnerschaft zwischen dem Münchener Unternehmen und dem Vatikan eine Fortsetzung finden: Denn während die Außenbeleuchtung auf dem Petersplatz bereits auf LED-Technik umgestellt ist, wird der Dom selbst noch klassisch mit Hochdruck-Gasentladungsleuchten angestrahlt. Deren gelbe Lichtfarbe ist zwar markant, aber weiße Leuchtdioden erzeugen eine deutlich höhere Präsenz im Raum. Wie so etwas aussehen kann, zeigt der seit Dezember ebenfalls im neuen Glanz erstrahlende Mailänder Dom, der in Zusammenarbeit mit dem Leuchtenhersteller Erco modernisiert wurde. Für die Lichtanbieter sind kirchliche Kunden vermutlich nicht ertragssteigernd – über Investitionssummen schweigen alle Beteiligten beharrlich. Macht also der Segen des Herrn allein reich, wie es in den alttestamentarischen Sprüchen heißt?

Quelle: F.A.Z.
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