FAZ plus ArtikelMillionenprojekt an der Küste

Norwegen bekommt den größten Schiffstunnel der Welt

Von Anna-Lena Niemann
23.09.2021
, 10:15
Schöne Aussichten im Süden: So stellt sich die norwegische Küstenverwaltung den Eingang zu ihrem gut getarnten Großprojekt aufseiten des Moldefjords vor.
Der Weg für ein einzigartiges Infrastrukturprojekt ist frei. Der Stad Schiffstunnel soll selbst den Dampfern der Hurtigruten eine sichere Passage bieten. Weg von der tosenden See. Mitten durch den Berg.

Stadlandet ist berüchtigt. Die Halbinsel verzeiht den Seefahrern, die sie umschiffen wollen, weder zerstreute Momente noch Leichtsinn. In keiner anderen Region Norwegens stürmt es so oft und lange wie hier. Die Strömungen im Europäischen Nordmeer haben es in sich und treffen auf eine Topographie des Meeresbodens, für die Gleiches gilt. Aber der Streifen schwarz gezackter Küste, fast auf halber Strecke zwischen Bergen und Trondheim, zwingt jeden mitten hinein. Selbst im gnädigen Sommer sind Kapitäne und Passagiere nicht gefeit vor plötzlich wechselndem Wetter und ge­fährlichen Kreuzseen. Im schlimmsten Fall kommen die bis zu 30 Meter hohen Wellen dann auch noch aus verschiedenen Richtungen zur selben Zeit.

Die Wikinger, so ist zumindest im norwegischen Tourismusportal zu lesen, hätten vor der Umfahrung des Kaps so viel Respekt gehabt, dass sie es vorzogen, ihre Boote aus dem Wasser zu heben und übers Bergmassiv zu tragen. Wie viel Folk­lore in dieser Anekdote steckt, sei dahingestellt. Unbestritten ist hingegen, dass seit Ende des Zweiten Weltkriegs an dieser Stelle viele Menschen in Seenot gerieten, 33 von ihnen ertranken. Und die­se Zahl ist eines der stärksten Argumente, das die norwegischen Behörden für ihr millionenschweres Infrastrukturprojekt haben – den Stad-Schiffstunnel.

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Autorenporträt / Niemann, Anna-Lena
Anna-Lena Niemann
Redakteurin in der Wirtschaft.
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