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Outdoor-Kleidung

Pädagogische Fasern und der Barcode zum Schaf

Von Stephanie Geiger
 - 18:15

Wer lange draußen in der Natur unterwegs ist, passt seine Bedürfnisse an. Selbst auf die tägliche heiße Dusche verzichten Trekking-Enthusiasten, wenn sie beispielsweise über Wochen in Nepal unterwegs sind. Keine Abstriche machen Wanderer und Bergsteiger aber bei Komfort und Sicherheit: Trocken und warm wollen sie es haben. Sie brauchen deshalb Kleidung, die sie zuverlässig vor Kälte und Nässe schützt. Notfallausrüstung muss unbedingt halten, was der Hersteller verspricht.

Doch vielen reicht das nicht mehr. Die Ansprüche steigen. Immer öfter verlangen die Verbraucher aber noch mehr: Jacken, Shirts und Hosen sollen frei von umwelt- und gesundheitsschädlichen Substanzen wie per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) sein, die zwar Wasser und Schmutz von Outdoor-Kleidung abperlen lassen und auch bei der Herstellung von innen liegenden wasserdichten Membranen verwendet werden, aber in der Umwelt kaum abgebaut werden. Zudem wollen immer mehr Verbraucher, dass bei der Herstellung faire Arbeitsbedingungen genauso eingehalten werden wie ökologische Mindeststandards und das Tierwohl.

Hersteller reagieren durchaus auf die veränderten Ansprüche der Käufer. „Nachhaltigkeit ist derzeit Mode“, sagt Stefan Rainer, der Geschäftsführer der Marke Salewa. Bei Salewa heißt das beispielsweise: heimische Materialien. Statt feine Wolle aus Neuseeland zu importieren, verarbeitet Salewa die rauhere Wolle von Schafen aus Nord- und Südtirol zu einer Dämmschicht. Salewa schreibt auf seine Jacken „Tirol Wool“, um deutlich sichtbar zu machen, woher die Wolle kommt.

Mit dem Barcode zum Schaf

Wie überhaupt Transparenz ein wichtiges Instrument geworden ist. Vorreiter in dieser Hinsicht: Icebreaker. Der neuseeländische Hersteller von Merino-Unterwäsche hatte schon vor vielen Jahren die Idee mit dem Barcode zum Schaf. Mehrere Jahre lang ließ Icebreaker die Kunden nachverfolgen, aus welcher Charge die Wolle des jeweiligen Unterhemds oder Shirts stammte. So genau wollten das die Verbraucher aber gar nicht wissen, weshalb die Maßnahme wegen mangelnder Nachfrage längst eingestellt wurde. Statt mit einem Barcode schafft Icebreaker heute Transparenz mit einem umfangreichen Bericht. Von den Wolllieferanten über die Verarbeitung bis zur Verpackung des fertigen Produkts legt das Unternehmen darin sämtliche Aspekte der Wertschöpfungskette offen.

Besonders ausgeprägt ist ein pädagogische Ansatz auch bei Patagonia. Das vor 40 Jahren gegründete Unternehmen mit Sitz im kalifornischen Ventura ist längst selbst zum Umweltaktivisten geworden. Nicht nur mit dem Service, kaputte Kleidung der Kunden kostenlos zu reparieren, ist Patagonia radikal in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz unterwegs. Kein Gegner ist Patagonia zu groß für diesen unternehmerischen Aktivismus. Als der amerikanische Präsident Donald Trump erklärte, dem Bears Ears National Monument 85 Prozent der Fläche abzuzwacken und Grand Staircase-Escalante die Hälfte, um den Abbau von Bodenschätzen dort zu ermöglichen, startete Patagonia eine lautstarke Kampagne – mit positiven Folgen für den Umsatz.

In der Woche nachdem Patagonia Klage gegen das Vorhaben von Trump einreichte, haben sich Schätzungen zufolge die Online-Verkäufe des Milliarden-Unternehmens versechsfacht. Dabei ist auch Patagonia nicht fehlerfrei. Für Schlagzeilen sorgte, dass, wie Videos belegten, bei einem Wolllieferanten Schafe bei lebendigem Leib gehäutet wurden. 2016 verkündete Patagonia dann einen „Neustart in Sachen Wolle“. Seitdem soll alles besser sein.

Es gibt unzählige solcher Siegel für Produktsicherheit

Bei Patagonia bildet seitdem der „Responsible Wool Standard“ die Grundlage für die Wollherstellung und -verarbeitung. Solche Labels sollen zusätzlich zur Transparenz der Unternehmen die Einhaltung der hehren Ziele unabhängig bestätigen. Es gibt unzählige solcher Siegel für Produktsicherheit, für nachhaltige Produktion, für soziale Verantwortung, für Tierschutz – und all das in jeweils unterschiedlichen Abstufungen. Doch die Fülle von Zertifikaten, Labels und Transparenz-Initiativen verwirrt den Kunden mehr, als dass sie ihn zu den richtigen Produkten führt.

Beispiel Daune: Die Labels „Responsible Down Standard“ und „Global Traceable Down Standard“ wollen zeigen, dass die jeweilige Daunenjacke mit den Federn von Enten und Gänsen gefüllt ist, die nicht lebend gerupft wurden. Doch welches Label deckt nun die Ansprüche des Verbrauchers tatsächlich ab? Es bedarf schon einer gehörigen Portion Interesse, um herauszufinden, dass der „Global Traceable Down Standard“ als der strengere gilt. Zumal auch Zertifikate keine Garantie sind. Denn was nach der Zertifizierung in einem Betrieb passiert, weiß niemand so genau.

Kein Wunder, dass es selbst Experten schwerfällt, im Label-Dschungel den Durchblick zu wahren. Vielleicht ist ja das Angebot des Outdoor-Händlers Globetrotter ein Weg, um das Dickicht zu lichten. Globetrotter hat kürzlich ein eigenes Label gegründet, das beim Kauf Klarheit schaffen soll. Es heißt „Die grünere Wahl“. Globetrotter kennzeichnet damit „die nachhaltigere Variante von vergleichbaren Alternativen“.

Zu den Auswahlkriterien für die Kennzeichnung gehören nicht nur die Bioqualität bei Produkten, die pflanzliche oder Materialien tierischen Ursprungs enthalten, sondern auch die Recyclingfähigkeit oder ob das Produkt in Europa hergestellt wurde, also kurze Transportwege hat. So lässt sich auch erklären, dass unter den 450 Produkten, die gekennzeichnet sind, nicht nur Kleidung gehört, sondern auch Notfallausrüstung wie ein Klettersteigset, das den Bergsportler vor Abstürzen bewahren soll. Globetrotter steckt erst in den Anfängen mit der Kaufhilfe. Schritt für Schritt soll laut CSR-Manager Fabian Nendza das gesamte Sortiment überprüft werden.

Quelle: F.A.Z.
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