Recycling von Kunststoff

Plastik wird zu Erdölersatz

Von Wolfgang Kempkens
19.06.2021
, 08:46
Die stoffliche Wiederverwertung scheitert vielfach daran, dass es sich um eine wilde Mixtur aus Dutzenden Typen handelt,
Viele Kunststoffe eignen sich nicht zum Recyceln, sie werden verbrannt. Mit einem neuen Verfahren ist jetzt die Wiederverwertung möglich.

Mehr als die Hälfte der Kunststoffabfälle, die in Deutschland anfallen, werden verbrannt. Eine stoffliche Wiederverwertung, also die Herstellung neuer Produkte aus dem Müll, scheitert vielfach daran, dass es sich um eine wilde Mixtur aus Dutzenden Typen handelt, die zudem noch mit Additiven versetzt sind, etwa Brandschutzmitteln.

Das norwegische Unternehmen Quantafuel hat nun ein Verfahren entwickelt, mit dem sich diese Kunststoffmixturen recyceln lassen. Sie werden pyrolisiert, also unter Luftabschluss erhitzt. Dabei zerbrechen die langen Polymermoleküle. Es entsteht ein Gas, das Verunreinigungen enthält, darunter Asche und oft auch Chlor. Quantafuel ist es gelungen, dieses Gas von allen Fremdstoffen zu befreien.

Übrig bleiben reine Kohlenwasserstoffe. Zuletzt wird das Gas abgekühlt, sodass es sich weitgehend verflüssigt. Das Endprodukt ist hochreines Pyrolyseöl, das fossile Kohlenwasserstoffe wie Erdöl und Erdgas ersetzt.

Genau das macht der Ludwigshafener Chemieriese BASF. Er bezieht künftig im Jahr 15 Millionen Liter Pyrolyseöl aus der ersten großen Anlage, die Quantafuel im dänischen Skive gebaut hat. Aus diesem Öl produziert BASF Chemikalien und reines Granulat, aus dem hochwertige Kunststoffe hergestellt werden. Das soll erst der Anfang sein. Die Norweger wollen eine Anlage bauen, die mit einer Jahreskapazität von rund 250 000 Tonnen Kunststoffmüll mehr als zehnmal so groß ist wie die in Dänemark. Im Jahr wird sie rund 190 Millionen Liter Öl liefern. Den wertvollen Kunststoffabfall soll Remondis einsammeln, einer der größten Abfallverwerter Europas. Die Pyrolyseölfabrik, deren Standort noch offen ist, soll 2025 in Betrieb gehen.

Quelle: F.A.Z.
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