Beschichtung aus Kunststoff

Hart im Nehmen

Von Lukas Weber
Aktualisiert am 14.07.2020
 - 15:04
Lust auf Last. Wenn die Ladefläche nicht geschützt wird, ist der Lack bald ab. zur Bildergalerie
Eine Schicht aus zähem Kunststoff soll die Ladefläche von Pick-up schützen. Sie ist einfach aufzutragen und eignet sich auch für viele andere Zwecke.

Die Besitzer der beliebten Pick-up lassen sich grob in zwei Lager einteilen: solche, die es schön finden, damit durch die Gegend zu fahren, und jene, die solch ein Gefährt als Arbeitsgerät brauchen. Zur zweiten Gruppe gehören Handwerker, Landwirte und Reiterhöfe, allen gemeinsam ist, dass sie beständig Gegenstände auf die Ladefläche werfen – Zeit ist Geld, Rücksicht auf das Fahrzeug wird nicht genommen. Das tut zuweilen schon beim Zuschauen weh.

Lack macht das nicht lange mit. Wenn er abgekratzt oder abgeplatzt ist, bildet sich auf dem nackten Blech Rost, das Auto beginnt zu gammeln. Die Hersteller wissen das und haben Abhilfe im Programm, oft gegen Aufpreis. Das kann eine Wanne aus kräftigem Kunststoff sein, die genau auf die Ladefläche passt. Sie schützt das darunter liegende Blech zuverlässig vor mechanischen oder chemischen Einwirkungen. Diese Lösung hat aber den Nachteil, dass Korrosion lange unbemerkt bleiben kann, falls es unter der Wanne doch Roststellen gibt. Deshalb ziehen wir eine Ladeflächenbeschichtung vor. Sie besteht ebenfalls aus widerstandsfähigem Kunststoff, der aber direkt aufgebracht wird, und ist viel robuster als eine Lackschicht. Die Oberfläche ist außerdem etwas strukturiert und damit nicht so rutschig, dennoch haftet Schmutz nicht gut daran.

Wer sie nicht gleich mitgeordert hat, kann eine Beschichtung nachträglich aufbringen lassen oder es selbst machen. Das Gute daran: Was den harten Einsatz auf der Transporterpritsche übersteht, eignet sich auch für viele andere Zwecke von der Blechgarage über Terrassenböden und Gartenmöbel bis hin zum Schiffsdeck. Manche Leute bedecken das ganze Auto damit und schützen es so gegen Äste und andere Hindernisse im Gelände. Im Handel gibt es eine Reihe von Produkten verschiedener Hersteller in 1K- oder 2K-Ausführung, die Unterschiede zwischen den Marken sind offenbar nicht allzu groß. Stets handelt es sich um den vielseitigen Kunststoff Polyurethan, die Einkomponentenversion härtet aber an der Luft aus, der zweikomponentigen muss Härter zugegeben werden, die Anwendung ist deshalb etwas umständlicher.

Manche Beschichtungen können nur in spezialisierten Betrieben aufgebracht werden, darunter solche, die nach dem Aushärten eine gummiartige Oberfläche behalten – mit einem vierstelligen Betrag ist zu rechnen. Andere sind für den Heimwerker erhältlich, die meisten davon aus dem angelsächsischen Raum, wo die Pick-up eine weite Verbreitung haben. Die bekanntesten dürften die unter den Produktnamen Herculiner (1K) und Upol Raptor (2K) verkauften PU-Beschichtungen sein. Sie können wie ein Unterbodenschutz gespritzt oder mit der Rolle aufgetragen werden, außerdem gibt es Sprühdosen. Für eine nochmals verbesserte Rutschfestigkeit kann ein Granulat aus Gummi oder einem mineralischen Stoff zugemischt werden, das feine Noppen auf der Oberfläche bildet. Üblich für die Ladefläche ist Schwarz, es gibt die PU-Beschichtung aber auch transparent zum Selbsteinfärben in allen erdenklichen Farben.

Weil gerade ein umfangreiches Restaurierungsprojekt ansteht, haben wir uns zwei dieser Produkte besorgt und an unserem kleinen Suzuki LJ 80 ausprobiert: Herculiner aus der Sprühdose, den wir für diverse Kleinteile verwenden, sowie für Innenraumwanne und Ladefläche den Protector des deutschen Herstellers Mipa, der dem Raptor ähnlich ist. Die Dose Herculiner von 440 Milliliter Inhalt ist mit rund 25 Euro nicht ganz billig, dafür ist die Anwendung simpel. Während es dem Laien schwerfällt, Lack gleichmäßig aufzutragen, deckt das PU sofort und sauber, es gleicht sogar kleinere Unebenheiten des Untergrunds aus. Das Ergebnis ist eine samtige Oberfläche, die wir attraktiv finden. Nachteil der Einkomponentenbasis ist die von Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Schichtdicke abhängige Aushärtezeit – dort, wo wir zu dick aufgetragen haben, dauerte es Tage, bis die Oberfläche grifffest war. Außerdem gilt nach Aussage von Experten die Zweikomponentenschicht als etwas beständiger gegen Chemikalien, sie verändert auch nicht die Farbe unter Einfluss des UV-Lichts und ist härter, die 1K-Variante kommt uns allerdings etwas elastischer vor. Auf einen Karton gespritzt, lässt sich dieser falten, ohne dass die Schicht abplatzt.

Mischen leicht gemacht

Das richtige Mischungsverhältnis von Härter und Protector (1:3) zu finden, ist keine besondere Herausforderung. Zu jeder Dose mit 750 Milliliter Inhalt gibt es eine kleine Dose Härter (250 Milliliter), die einfach komplett zugegeben wird. Mipa bietet zwei verschiedene Härter an, die sich in der Aushärtezeit unterscheiden, nach dem Anmischen bleiben etwa 45 oder 90 Minuten, das Ergebnis ist am Ende dasselbe. Bevor es losgehen kann, heißt es kräftig schütteln, mindestens zwei Minuten lang. Das geht in die Arme, besonders, wenn anschließend noch Farbe zugemischt wird und abermaliges Schütteln gefordert ist. Mipa und ähnliche Produkte gibt es im Set – vier Dosen mit einer einfachen Unterboden-Spritzpistole zu Preisen ab etwa 115 Euro. Die Angaben der Hersteller über die Ergiebigkeit sind regelmäßig optimistisch, so soll ein Liter für drei Quadratmeter reichen bei einer Schichtdicke von 200 Mikrometer, wir haben etwa das Doppelte aufgebracht. Der Hersteller gibt 100 bis 380 Mikrometer an, das ist etwa das Vierfache eines Decklacks. Noch erheblich mehr ist unseres Erachtens in mehreren Sprühgängen möglich, aber wohl nicht notwendig.

Das Schöne am Spritzen ist, dass man in die Ecken kommt und dicker auftragen kann als mit der Rolle, außerdem geht es viel schneller. Und es erlaubt unterschiedliche Oberflächenstrukturen, allerdings wird ein Kompressor benötigt. Im ersten Durchgang haben wir mit 4 bar Druck eine feine Oberfläche erzielt, sie entsprach etwa jener aus der Sprühdose. Die zur Rutschsicherheit erwünschte Orangenhaut wird dann im zweiten Durchgang mit halbiertem Druck und mehr Sprühabstand erreicht. Das schafft auch der Laie, wir empfehlen allerdings dringend, zuerst an einem Übungsobjekt den Effekt zu testen.

Ebenso wichtig ist, alles sauber abzukleben, denn wo sich die Beschichtung einmal niedergelassen hat, bekommt man sie so schnell nicht wieder ab. Das gilt auch für die Finger und andere vorwitzige Körperteile. Das Polyurethan ist laut Hersteller UV- und witterungsbeständig, schlag- und kratzfest, unempfindlich gegen Wasser, Kraftstoffe und Öle, außerdem hält es kurzzeitig bis zu 180 Grad Celsius aus. Ein Versuch, mit dem Schlüssel darauf herumzukratzen, zeigt, dass jener bei mäßigem Druck einfach über die Oberfläche rutscht, ohne Spuren zu hinterlassen. Wildes Gerubbel hinterlässt leichte Riefen, geht aber nicht durch. Mit Gewalt kriegt man alles klein, deshalb ist es gut zu wissen, dass sich die Beschichtung reparieren lässt – einfach anschleifen und neu spritzen, durch den Struktureffekt fällt die Stelle nicht auf. Schäden an der 2K-Beschichtung lassen sich problemlos mit dem 1K-Konkurrenzprodukt ausbessern, es muss also nicht gleich ein Liter angemischt werden. Laut Mipa ist eine 2K-Spraydose in Vorbereitung, den Raptor in der Dose gibt es schon.

Sauber, trocken und angeschliffen - sonst hält es nicht

Wunder gibt es dagegen nicht, deshalb kann man auch bei solch einer Beschichtung einiges falsch machen. Das betrifft vor allem die Vorbereitung des Untergrunds. Wird das PU auf Rost gespritzt, breitet der sich darunter munter weiter aus – ein Schicksal, das es mit anderen Oberflächenversiegelungen und Lacken teilt. Wo sich Korrosion nicht völlig entfernen lässt, ist der Kunststoff also keine gute Idee, als Unterbodenschutz eines Fahrzeugs etwa ist er nach unserer Ansicht nicht erste Wahl. Ölig, fettig oder nass darf die zu behandelnde Fläche auch nicht sein, Lacke müssen angeschliffen werden, wir haben dazu eine mittlere Körnung (180) verwendet. Direkt vor der Anwendung wird alles mit Silikonentferner entfettet. Manche Hölzer sind sehr ölhaltig oder harzreich, auf ihnen hält das Mittel nicht, und dass es lange auf Chrom haften bleiben wird, glauben wir auch nicht.

Für diverse Untergründe gibt es Primer, Filler, Grundierungen und Haftvermittler. Auf Aluminium soll das PU zu unserer Überraschung auch ohne all das haften bleiben. Wir haben es ausprobiert und werden sehen. Wie überhaupt das erfreuliche Ergebnis der Versuche über eines nicht hinwegtäuschen darf: Wie gut die Schicht sich bewährt, wird erst die andauernde Belastung zeigen.

Quelle: F.A.S.
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Lukas Weber
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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