Lieferzeit fürs Segelflugzeug

Vier Jahre bis zum ersten Aufwind

Von Holger Appel
24.01.2022
, 17:31
Schleichflug: Die AS 33 ist der Bestseller im Programm des deutschen Herstellers Schleicher, die Lieferzeit eine Geduldsprobe.
Sie denken, die Wartezeit auf die Türen, das Fahrrad oder den VW California sei lang? Bestellen Sie mal ein Segelflugzeug.
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Es ist eine Art Wettlauf der Schnecken. Fünf Monate auf Innentüren warten, ist halt so. Ein Jahr braucht die frische Schaltgruppe fürs Fahrrad, bauen wir eben eine andere ein. Den Sommerurlaub mit dem neuen VW California verschieben wir auf 2023, so bleibt auch länger Zeit für Vorfreude. Die lässt sich indes ins schier Unermessliche steigern, wird ein neues Segelflugzeug ge­ordert. Wir vermuten hier einen Rekord, sind aber für Zusendungen an die Redaktionsadresse offen, falls jemand noch weit­reichendere Erfahrungen gemacht hat. Voraussichtlich vier Jahre dauert es, bis ein heute bestelltes Segelflugzeug in Empfang genommen werden kann.

Die zumeist als Manufaktur arbeitenden Hersteller spüren in doppeltem Wort­sinne Aufwind, mit dem niemand gerechnet hat. Wer sein Geld auf dem Bankkonto vor Strafzinsen dahinschmelzen sieht, investiert in Immobilien, Oldtimer oder solch ein Flugzeug. „Ei­ne wertstabile Geldanlage mit Spaß“, nennt es die in der Rhön ansässige Firma Schleicher, die mit ihren Hochleistungsflugzeugen zur technischen Weltspitze ge­hört. Aus den Vereinen heraus meldeten sich immer mehr Kunden, die sich ein eigenes Flugzeug leisten wollten. Die Hallen an den oft in hobbymäßiger Ei­genregie betriebenen Segelflugplätzen sind in der Regel voll, doch so ein Segelflugzeug lässt sich mit wenigen Handgriffen zerlegen und in einem Anhänger verstauen. Vor dem Spiel mit dem Aufwind steht aber die Probe der Geduld.

Rund 60 Flugzeuge baut Schleicher im Jahr. Mehr geht nicht, auch wenn die Nachfrage da ist.
Rund 60 Flugzeuge baut Schleicher im Jahr. Mehr geht nicht, auch wenn die Nachfrage da ist. Bild: Schleicher

Rund 60 Flugzeuge baut Schleicher im Jahr, mehr geht nicht, es mangelt auch an Fachkräften. Die Nachfrage übersteigt das Angebot. Zumal sich die Wünsche der Kundschaft gerade in einer Gattung bündeln: Eigenstarter mit 18 Meter Spannweite. Sie versprechen ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, zeigen formidable Flugeigenschaften und können ohne Mannschaft abheben. Ein kleiner Mo­tor entfaltet seine segelsreiche Wirkung entweder als Heimkehrhilfe oder gar als wirklicher Starter. Aggregat und Propeller klappen bei Bedarf aus dem Rumpf und verschwinden nach getaner Auftriebsarbeit dortselbst wieder. Heute sind das zumeist Wankelmotoren mit Leistungen um 50 PS. Zunehmend werden aber kleinere und wartungsfreundlichere, indes noch teure Elektroantriebe verbaut, ihre rund 70 Kilogramm schweren Akkus sitzen in den Tragflächen.

230.000 bis 260.000 Euro werden für ein Neuflugzeug aufgerufen, sieben oder acht Jahre alte Gebrauchte erzielen heute den Anschaffungspreis von damals. Ein kleiner Trost für Ungeduldige: Ein bisschen funktioniert der Wettbewerb auch in diesen außergewöhnlichen Zeiten. In Südafrika etwa fertigt Jonker Sailplanes. Und verspricht eine Art Expresslieferung schon nach zwei Jahren.

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Quelle: F.A.S.
Autorenporträt / Appel, Frank-Holger (hap.)
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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