Ski Mindblender im Test

Wenn K2 das Gleiche tun

Von Walter Wille
Aktualisiert am 28.11.2019
 - 16:02
Der rote Mindblender 90 C mit Karbonnetz überm Holzkern
Identische Form, anderer Aufbau: Ein interessantes Experiment des amerikanischen Skiherstellers K2. Welches Modell wird man wählen?

Viele Autofahrer interessiert es heute nicht mehr sonderlich, wie es unter der Motorhaube ihres Wagens aussieht. Noch weit weniger Skifahrer dürften neugierig darauf sein, was im Innern der Alpinbretter steckt, die sie kaufen oder für die Zeit eines Urlaubs leihen. Hauptsache, es funktioniert und man kommt zurecht. Dabei gibt es, um bei den Skiern zu bleiben, unter der Oberfläche enorme Unterschiede. Außer der gewählten Länge, Breite und Taillierung eines Skis haben die Wahl und die Zusammensetzung der Materialien höchsten Einfluss auf Charakter und Einsatzspektrum und am Ende auch auf Spaß oder Missvergnügen.

K2 beschert uns zur Wintersaison 2019/20 den seltenen Glücksfall, den inneren Werten einmal genau nachspüren zu können. Innerhalb der neuen Freeride-Kollektion Mindbender – das sind Powder-Latten von gemäßigter bis extremer Breite – steht das Modell Mindbender 90 in zwei Versionen zur Wahl, die sich auf ideale Weise vergleichen lassen. Äußerlich unterscheiden sich der Mindbender 90 Ti und der Mindbender 90 C durch ihre Farbe, nicht aber durch ihre Form. Die ist identisch, so dass der Ti und der C sogar in der gleichen Presse hergestellt werden können.

Gemein haben sie zudem, dass sie sich mit einer Mittenbreite von 90 Millimeter sowie den leicht gerockerten, also aufgebogenen Skienden an Skifahrer richten, die den Tiefschnee lieben, bei jeder Gelegenheit das Gelände neben dem Gewalzten aufsuchen, aber auch auf der Piste nicht zu den Bremsern zählen, sei es driftend oder im Carving-Stil. Beide Bretter sind also auf Vielseitigkeit getrimmt – in der Wahl der Mittel und im Aufbau jedoch grundverschieden.

Der Holzkern des schwarzen Ti wird aus Ahorn und Esche zusammengesetzt, das eine dichter, härter und somit ein Beruhigungsmittel gegen Schläge von unten, das andere leichtgewichtig. Für den roten C verwenden die Konstrukteure ausschließlich einen gewichtssparenden Esche-Kern. In der Mittelsektion des Ti, seitlich der Bindung, verbaut K2 verstärkte ABS-Seitenwangen, was der Direktheit und präzisen Steuerung dienen soll. Die Außenkanten des roten Skis in diesem Bereich dagegen stehen nicht senkrecht, sondern in einem Winkel von 30 Grad und sind weniger massiv ausgeführt, was die Agilität und Reaktionsfreude fördern soll.

Ein Ypsilon aus Metall oder ein Netz aus Karbon

Ein weiterer markanter Unterschied zeigt sich bei genauem Betrachten und Befühlen der Ski-Oberfläche. Dort befindet sich im Fall des Ti eine Lage Titanal, also Metall, dessen Form an ein Y oder eine Stimmgabel erinnert. Vorn, zwischen Bindung und Schaufel, verstärkt das Metall die Außenseiten des Bretts. Im Bindungsbereich bedeckt es die Ski auf gesamter Breite, im Heck läuft es als Steg in der Skimitte aus. Diese Titanal-Geometrie soll Torsionssteifigkeit und Flex gleichermaßen gewährleisten, vorn greifen, hinten die Kante freigeben.

Ganz anders die Variante C wie Carbon: Anstelle des Metalls wird die Oberseite von einem Netz aus Karbonfasern mit variablen Winkeln bedeckt. Im Vorderteil des Skis kreuzen sich die Karbonfäden ungefähr rechtwinklig, zum Heck hin dagegen in spitzerem Winkel. Dort sieht das Netz aus wie in die Länge gezogen. Mit diesem Kniff verfolgen die Konstrukteure das Ziel, bei gleichbleibenden Flexeigenschaften die Torsionssteifigkeit vorn und hinten zu variieren.

Leichtigkeit in Rot, Stabilität in Schwarz

Spürt man das alles? Und wie! Wir haben die beiden Mindbender in der identischen Länge von 177 Zentimeter ausprobiert, und der rote Carbon-Typ kommt einem glatt ein paar Zentimeter kürzer vor als der schwarze Titan, gibt sich spielerischer, versprüht mehr Leichtigkeit. Je loser der Untergrund, desto mehr blüht er auf mit seiner weicheren Abstimmung. Geht es in den Tiefschnee, neigt man intuitiv zum Roten, er ist der etwas bessere Schwimmer, obwohl sich auch der Schwarze vor solchen Aufgaben keineswegs drückt. Beträchtlich fällt der Gewichtsunterschied aus. Einschließlich Bindung brachte unser schwarzer 90 Ti im Paar 6,2 Kilo auf die Waage, der rote 90 C nur 5,75. Weniger Schwungmasse an den Füßen spart auf Dauer Kraft in den Beinen.

So weit, so rot. Kehrseite der Medaille: Bei hohem Tempo wird der C früher unruhig als der stabilere Ti. Der ballert die morgendlich frisch gewalzte Piste souverän hinunter, liegt satt, gutmütig und schafft Vertrauen. Dabei spielt er seine stärkere Dämpfung aus, gibt sich harmonisch und berechenbar, beendet den Bogen auf gesittete Art und Weise ohne wilden Kick am Kurvenausgang.

Deutliche Unterschiede einerseits, andererseits jedoch nicht so gravierend, dass man nicht mit einem roten Ski am einen und einem schwarzen am anderen Fuß den Hang hinunterdüsen könnte, was wir spaßeshalber getan haben. Links strammer, rechts weicher oder umgekehrt – fühlt sich ulkig an, ist aber keine schwierige Aufgabe, denn die beiden ungleichen Brüder lassen sich angesichts identischer Abmessungen problemlos auf eine Linie bringen, was Kurs und Geschwindigkeit betrifft.

Wir empfanden den Vergleich als außerordentlich aufschlussreich – und waren hinterher dennoch ratlos. Welchen würde man wählen? Mit dem roten Carbon-Ski tut man sich im Gelände etwas leichter, ohne auf hartem Untergrund allzu viel zu opfern. Auf der Piste lässt er sich kaum abschütteln, wenngleich der metallverstärkte Schwarze dort das Tempo vorgibt und nebenbei im Powder oder im Frühjahrssulz ebenfalls recht lässig agiert.

Vielleicht entscheidet am Ende die Vorliebe für eine der beiden Farben. Oder die Tatsache, dass der Mindbender 90 C laut Liste (ab 630 Euro, je nach Bindung) 120 Euro günstiger ist als der Mindbender 90 Ti.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Wille, Walter
Walter Wille
Redaktion „Technik und Motor“
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