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Ski Kendo 88 von Völkl

Dr. Völkl und Mr. Hyde

Von Walter Wille
Aktualisiert am 10.12.2019
 - 15:29
Außenherum höher als in der Mitte: Auf der Oberseite des Völkl Kendo zu erkennen ist der auf den Holzkern gelegte Metallrahmen.
Die Grenzen von Piste und freiem Terrain lässt Völkl mit seiner neuen Allmountain-Freeride-Familie verschwimmen. Der Kendo 88 ist ein Ski, der auch ganz anders kann.

Skifahren kann sein: 15 Grad plus unter blauem Himmel, an der Bergstation von der zurückliegenden Nacht noch hartgefroren Gewalztes, weiter unten zerwühlte Pisten mit sulzigem Schnee, dahinschmelzende weiße Pracht, bräunende Menschen im T-Shirt auf den Terrassen der Hütten, wo das Radler im Humpen im Sonnenlicht leuchtet. Oder: Schneetreiben bei minus drei Grad, die Berge von tiefhängenden Wolken verschluckt und die Konturen der Piste von diffusem Licht. Vorsichtiges Herumstochern ohne Sicht. Oder: Ein perfekter Neuschneetag mit leichter Bewölkung, frische fluffig hergerichtete Auflage zwischen den Markierungen der gesicherten Abfahrten und noch jungfräuliche Tiefschneehänge nebendran. All das hatten wir innerhalb von nur drei Tagen, als wir mit dem Völkl Kendo 88 unterwegs waren.

Das war in Lermoos und Ehrwald auf der Tiroler Seite der Zugspitze, charmante Skigebiete, nicht besonders groß, aber auch nicht zu klein und vor allem vielseitig. Freie Pisten hoch droben auf fast 2000 Meter, gepflegte Abfahrten durch Waldgebiet in tieferen Regionen, überwiegend der Sorte Blau und Rot mit ein bisschen Schwarz zur Abwechslung. Nicht zu vergessen: hier und da die Möglichkeit, in anspruchsvolles Gelände abzubiegen.

Wer das alles mit nur einem Paar Bretter erleben will, dem stellt die Skiindustrie mittlerweile Material mit erstaunlich breitgestreuten Talenten zur Verfügung, mal in die Rubrik Allmountain eingeordnet, mal als Freeride klassifiziert oder eine Mischung von beidem. Die Wingman-Reihe von Elan, die Mindbender-Serie von K2, einige FX-Typen von Kästle zählen zu den Neuheiten der Saison 2019/20, die antreten, um die Grenzen von Piste und freiem Terrain verschwimmen lassen.

Völkl hat sich das mit einer ebenfalls neuen Allmountain-Freeride-Familie vorgenommen, von der wir jenen 700 Euro kostenden Kendo mit der gemäßigten Mittenbreite von 88 Millimetern ausprobiert haben. Ein Konstruktionsmerkmal des Kendo 88 wie auch des breiteren Mantra 102 – als Frauen-Versionen im anderen Design heißen sie Kenja 88 und Secret 102 – ist der „Titanal Frame“: Eine 0,7 Millimeter starke Metallverstärkung wird über den Holzkern gelegt, und zwar wie ein Rahmen entlang der Seitenwangen sowie über die Schaufel und das Skiende hinweg. Die Latten sind also an den Rändern hart und in der Mitte weicher abgestimmt, was ihnen laut Hersteller Stabilität und Dämpfung, Störungsresistenz und Dynamik im Kurvenwechsel verleiht, allrdings auch eine gewisse Mühelosigkeit. Wo die Schrauben der Bindung eingebracht werden, verbauen die Mannen aus Straubing ein zweites Titanalblech, das mit nur 0,3 Millimeter Stärke das Biegeverhalten des Skis nicht zu sehr beeinträchtigt.

Weil Allmountain- oder Freeride-Skier mit zunehmender Breite normalerweise von Trägheit befallen werden, setzt Völkl auf die Neuerung des „3D Radius Sidecut“. Dabei handelt es sich um eine Dreiteilung des Seitenzugs: Kendo und Bruder Mantra vereinen drei verschiedene Radien in einem Ski, die über dessen gesamte Länge hinweg fließend ineinander übergehen. Im Fall des Kendos vorn 30, in der Mitte 17, hinten 24 Meter. Bedeutet: Wie eng oder weit der gecarvte Bogen auf der Piste ausfällt, hängt davon ab, mit welcher Geschwindigkeit und mit welchem Kantenwinkel man fährt. Abgestimmt ist diese Radius-Spezialität auf eine weitere Besonderheit des Hauses, den ausgeprägten „Tip & Tail Rocker“. Die Skier weisen lediglich in der Mitte eine klassische Vorspannung auf, zu den Enden hin sind sie auf beträchtlicher Länge gerockert, also aufgebogen.

Im Ergebnis bestimmt der kurze Radius der Skimitte das Fahrverhalten bei moderatem Tempo; spielerisch wendig geht es in kurzen Schwünge bergab. Lässt man die Zügel locker, mischen sich mit zunehmender Geschwindigkeit, aggressiveren Kantwinkeln und stärkerem Durchbiegen der Bretter mehr und mehr die Front- und die Heckpartien ein. Der Völkl wird ein anderer, geht weite Wege, stabilisiert sich, wird stoisch, macht den Pistenbully und bügelt Haufen platt. Er kann richtig bolzen, doch muss man sich mit ihm auf eine klare Kommandosprache einigen. Von nichts kommt nichts, Einsatz ist gefragt. All die Möglichkeiten zu nutzen, die der Kendo 88 eröffnet, dürfte nur versierteren Skifahrern gelingen. Im Tiefschnee lässt er mit verblüffender Leichtigkeit die große Freiheit spüren.

Egal bei welchem Wetter. Kann sein, dass alle darüber reden. Dieser Völkl nicht.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Wille, Walter
Walter Wille
Redaktion „Technik und Motor“
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