Aus Sand gebaut

Text und Fotos von MARCO DETTWEILER

27. Oktober 2020 · Dekanter sind die große Kunst der Glasmacherei. Für manche Exemplare üben die Glasmacher ein Jahr lang, bis jede Bewegung sitzt. Schaut man den Künstlern zu, kommt man ganz schön ins Schwitzen. Zu Besuch in der Glashütte von Riedel in Kufstein.

Es ist heiß. Unerträglich heiß. Auf der Empore in der Glashütte von Riedel fühlt man sich wie in einer Trockensauna im Anzug. Von hier oben können Besucher das „weiße Ballett“ in der Halle beobachten. So nennt Riedel seine Glasmacher, die in weißen Polo-Shirts oder Hemden sowie kurzen Hosen ihre Vorstellung auf der Bühne geben. Getanzt wird allerdings nicht. Geradezu gemächlich wirkende Bewegungsabläufe erfordert nicht nur die Hitze, die dort unten etwas erträglicher ist, weil offene Fenster für Durchzug sorgen. Mit flüssigem Glas müssen die Männer in weiß ebenso behutsam umgehen wie mit dem fertigen Endprodukt. Um im weißen Ensemble mitspielen zu dürfen, brauchen sie erst einmal eine dreijährige Ausbildung als Glasmacher. Ihr Talent entscheidet darüber, in welchem Team sie antreten, ob sie bei Riedel Gläser oder Dekanter herstellen.


„Die Kunst eines Dekanters ist größer als die des Glases.“
MAXIMILIAN RIEDEL

Der Schöpfer nimmt aus dem Hafenofen ein Glasposten. Der Glasmachermeister erwärmt diesen noch einmal in der Einwärmtrommel. Unter anderem wird der Hohlraum vergrößert, indem in die Glasmasse geblasen wird.

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27.10.2020
Quelle: F.A.S.