Innovative Photovoltaik

Solarenergie von vorn und hinten

Von Wolfgang Kempkens
13.08.2021
, 10:00
Arbeit an der grünen Zukunft: Rund 200.000 bifaciale Solarezellen baut das Unternehmen Meyer Burger nun täglich in der neuen Fabrik in Thalheim.
In Sachsen-Anhalt baut ein Schweizer Unternehmen moderne Solarzellen. Sie können nicht nur Sonnenlicht von oben zu Strom wandeln. Auch was Boden oder Dach reflektieren, lassen sie jetzt nicht mehr ungenutzt.
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Drei Jahre nach dem Ende der Solarzellenproduktion in Deutschland geht es wieder los. Im sachsen-anhaltinischen Thalheim, einst Sitz der weltgrößten Solarfabrik, fährt das in Thun ansässige Schweizer Unternehmen Meyer Burger seine vollautomatische Fabrik hoch. Sie ist für eine Leistung von 400 Megawatt im Jahr ausgelegt, bis 2026 soll sie auf fünf Gigawatt kommen. Die Eröffnung der Fabrik stand unter dem Motto „5 GW for 1,5“, was bedeuten soll, dass die Fünf-Gigawatt-Produktionsstätte zur Begrenzung des Temperaturanstiegs auf 1,5 Grad Celsius beitragen soll. Täglich werden in Thalheim 200.000 Zellen produziert, die in einer ebenfalls neuen Fabrik im sächsischen Freiberg zu Modulen zusammengebaut werden.

Hergestellt werden sogenannte bifaciale Zellen, die auch mit ihrer Kehrseite Licht in Strom verwandeln, etwa das, was von Boden oder Dach reflektiert wird. Das sorgt für einen Wirkungsgrad, der nach Aussage des Herstellers zu den weltbesten gehört. Die Module kommen auf fast 22 Prozent, die Zellen allein sind noch effektiver. Doch durch Verdrahtung und andere Maßnahmen, die bei der Komplettierung zu Modulen notwendig sinkt, reduziert sich der Wirkungsgrad. Es gibt zwar weitere Hersteller von bifacialen Zellen, fast ausschließlich in Fernost. Meyer Burger nimmt aber für sich in Anspruch, die effektivsten Zellen und Module herzustellen.

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Die Zellen sind rundum von Glas umhüllt, das optimalen Schutz vor mechanischer Zerstörung und Korrosion bietet. Das verlängere die Lebensdauer, sagt Gunter Erfurt, der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, das bisher einer der weltweit wichtig­sten Hersteller für Solarzellen-Produktionsanlagen war. Jetzt nutzt er sie selbst. Weil sie auch Streulicht und reflektiertes Licht in Strom umwandeln, müssen die Module nicht unbedingt in einem für den Sonneneinfall optimalen Winkel aufgestellt werden. Daher eignen sie sich vor allem für die Dächer von Bungalows und Carports, ebenso für die Agriphotovoltaik, bei der auf der gleichen Fläche Strom erzeugt und Landwirtschaft betrieben wird. Die Module aus Freiberg erzeugen auch dann genügend Strom, wenn sie senkrecht stehen, sodass für den Anbau von Gemüse kaum Platz verloren geht. Der Preis der Module wird im Einzelfall ermittelt, er hängt unter anderem von der Abnahmemenge ab.

Erfurt will mit seinen Solarmodulen nicht nur das Klima entlasten, sondern auch in der Herstellung immer umweltverträglicher werden. Schon heute setzt er ausschließlich auf einheimisch produziertes Silizium, um Transportwege und damit Emissionen einzusparen. Langfristig plant er eine lupenreine Kreislaufwirtschaft. Von der Herstellung der Zellen und Module bis zum Recycling soll es abfallfrei zugehen.

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Quelle: F.A.Z.
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