FAZ plus ArtikelNonstop-Regatta Vendée Globe

Fliegen oder verlieren

Von Erdmann Braschos
Aktualisiert am 09.11.2020
 - 09:52
Im Tiefflug durch den Wellenkamm: Das von seitlich herausstehenden Foils beflügelte Boot des Franzosen Armel Tripon wurde Anfang des Jahres fertig.zur Bildergalerie
Am Sonntag legte in Les Sables d’Olonnes eine Flotte Einhandsegler zum Rennen Vendée Globe rund um die Welt ab. Einblick in eine abgehobene Technik.

Der Hochsee-Marathon über 40.000 Kilometer wird mit Hochgeschwindigkeits-Segelautomaten ausgetragen, die einen Bruchteil vergleichbar großer Yachten wiegen und mit 300 bis 600 Quadratmeter Tuch reichlich besegelt sind. Auskunft über das krasse Verhältnis von Gewicht und Segelfläche gibt die Segeltragzahl. Übliche Segelboote sind mit 4,5 bis 5, moderne Regattaboote für mehrköpfige Besatzung mit 5 bis 6, die Vendée-Globe-Renner mit einer Segeltragzahl von mehr als 9 unterwegs.

Die erste Regatta dieser Art, das Golden Globe Race, wurde 1969 von Robin Knox-Johnston in 312 Tagen absolviert. Damals war es eine Sensation, dass sich die Welt überhaupt ohne fremde Hilfe nonstop umsegeln lässt. Knox-Johnsons „Suhaili“ war ein behäbiges Gefährt mit den Proportionen eines Rettungsboots. Zehn Tonnen wurden von 62 Quadratmeter Segeltuch bewegt. Knox-Johnston dümpelte mit einer Segeltragezahl unter 3,7 um die Welt.

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Solo um die Welt

Die Vendée Globe, Nonstop-Regatta für Einhandsegler, führt das gefährliche Südpolarmeer entlang durch die Roaring Forties einmal um die Welt. Der Starttermin orientiert sich an den Verhältnissen im Südpazifik. Die Teilnehmer müssen etwa 24 000 Seemeilen segeln, ohne fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen oder Land zu betreten. Dabei sind das Kap der Guten Hoffnung, Kap Leeuwin und Kap Hoorn jeweils an Backbord sowie die Antarktis an Steuerbord zu lassen. Das Rennen wird alle vier Jahre ausgetragen. Vom Franzosen Philippe Jeantot nach dem Vorbild des englischen Golden-Globe-Rennens initiiert, wurde die erste Regatta 1990 nach 109 Tagen gewonnen. Seit 1992 wird sie alle vier Jahre ausgetragen. Havarien mit verschollenen Seglern und dramatischen Rettungsaktionen führten zu zunehmend strengeren Sicherheitsvorschriften, etwa Tests mit dem Nachweis, dass sich komplett umgekippte Boote selbst aufrichten, oder Unsinkbarkeit dank mehrerer Schotten. Die Vendée Globe, benannt nach dem westfranzösischen Departement, wird von französischen Seglern dominiert. Hochseesegeln ist in Frankreich beinahe so beliebt wie die Tour de France. Nach Siegerzeiten von 93 Tagen 2001, 87 Tagen 2005 und 84 Tagen 2009 wurde 2013 die 80-Tage-Marke geknackt. Mit 22,36 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit liegt die Latte hoch. Dieses Tempo war bis dahin allein mit Mehrrumpfbooten und solchen, die mit Crew gesegelt werden, möglich.

Quelle: F.A.S.
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