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Melitta gegen Moccamaster

Wie gut sind Filterkaffeemaschinen?

Von Marco Dettweiler
 - 13:45
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Maschinen als Küchengesellen liegen im Trend. Sie sollen Menschen helfen, die entweder nicht kochen können oder nicht die Zeit dazu haben. Ihre Nachteile liegen auf der Hand. Weil sie wie eine Blackbox arbeiten, ist es schwierig, in den Prozess einzugreifen, wenn das Ergebnis nicht das erwünschte ist. Der Mensch behält indes jederzeit die Kontrolle. So ist es auch bei der Kaffeezubereitung. Deshalb stehen in guten Cafés Baristi vor Filtereinsätzen, um mit kreisenden Bewegungen im immer gleichen Rhythmus das Mehl zu befeuchten, bis die gewünschte Menge erreicht ist. Der extrahierte Kaffee wird so exakt mit einer Waage gemessen wie das Gewicht der Bohnen, die für jede einzelne Tasse frisch gemahlen werden. Auch die Temperatur sollte stimmen und einen bestimmen Bereich nicht verlassen.

Dafür sind einige Utensilien wie Waage, Wasserkessel, Filter und Thermometer notwendig, die meist alle von Hario stammen. Das japanische Unternehmen hat eine Monopolstellung, was an der sehr guten Qualität der Produkte und dem dahinterstehenden ganzheitlichen Konzept liegt. Hario hat den Filterkaffee vor einigen Jahren mit Erfolg wieder modern gemacht.

Nun stellt sich für Kaffeefreunde mit wenig Zeit und Geduld dennoch die Frage, ob mit dieser Handbrühmethode vielleicht doch eine Maschine mithalten kann. Viele Baristi würden kategorisch verneinen: Das geht nicht, wie soll allein die Handbewegung maschinell simuliert werden? Baristi mit einer weniger dogmatischen Haltung würden antworten: Wenn überhaupt mit der Moccamaster.

Diese Filterkaffeemaschine gilt in der Szene als Referenz. Das schlägt sich auch im Preis nieder. Die KBG 741 kostet offiziell 220 Euro, im Internet hält sich tapfer der Preis von zirka 185 Euro. Das holländische Unternehmen rechtfertigt ihn mit der „Handfertigung“ im eigenen Land, „hochwertigen“ Materialien, „elegantem Design“ und einer „extrem langen Lebensdauer“. Letzteres können wir aufgrund der Testdauer nicht verifizieren, alle übrigen Merkmale stimmen. Schon das Farbspektrum, aus dem Kunden auswählen können, ist beachtlich. Die Maschine ist zugleich ein Designobjekt, das aufgrund seines Retrolooks besonders aussieht und sich deutlich von einer gewöhnlichen Kaffeemaschine unterscheidet.

Doch hochwertige Gehäuse und eine anstandslose Verarbeitung können manch andere Produkte auch vorweisen. Für Kenner sind zwei Funktionen wichtig. Die Moccamaster erhitzt das Wasser auf eine Temperatur von 92 bis 96 Grad, was nach den Konventionen der Kaffeeexperten richtig ist. Zudem versucht sie ein Problem zu umgehen, das die meisten anderen Filtermaschinen seit Jahrzehnten haben. Bei einem Standardprodukt läuft das heiße Wasser aus einem einzigen Loch, um sich nach wenigen Zentimeter freien Falls mit dem Mehl zu vermengen. Das gelingt nicht vollständig, weil das Mehl allmählich an die Seite gedrängt wird und sich ein Trichter bildet. Nur ein Teil des Kaffees gibt seine Aromastoffe so ab, wie er soll.

Verhindern kann diese Trichterbildung eine sogenannte Dusche. Aus neun Löchern soll bei der KBG 741 das heiße Wasser fließen, um das Mehl gleichmäßig zu benetzen. Das lässt sich durch einen Blick in den Filter mit dem feuchten Mehl leicht verifizieren. Der Anblick überrascht – und enttäuscht etwas. Erwartungsgemäß hätte die Oberfläche ungefähr eben sein müssen. Doch auch die Moccamaster hinterlässt am Ende der Extraktion einen kleinen Trichter mit dicken Wänden. Das Mehl hat dort allerdings eine sehr lockere Konsistenz. Weitere Versuche sollen klären, wie es zu dem Trichter kommt. Der Weg des Wassers vom Durchlauf in den Papierfilter lässt sich genau beobachten. Dieses fließt so behutsam, dass es über die ersten Löcher hinweg läuft, um sich an den letzten zu sammeln und fast wie in einer Blase nach unten zu bewegen. Durch das sanfte Hinuntergleiten wird das Mehl nicht gepresst, eine lockere Masse entsteht. Die unvollständige Wasserverteilung kann die Trichterbildung jedoch nicht verhindern.

Aroma Fresh von Melitta: Der kurze Weg der Bohne

Wegen der fehlenden Dusche zählte die Aroma Fresh von Melitta, die 170 Euro kostet (ein Online-Händler bietet sie für 120 Euro an), anfangs nicht zu unserem Favoritenkreis, macht aber durch ihr attraktives All-in-one-System auf sich aufmerksam. Mit der Maschine ist der Weg von der Bohne zum Heißgetränk sehr effizient. Eine Mühle sitzt oberhalb des Filterhalters, so dass die gemahlenen Bohnen direkt im Papierfilter landen, um danach mit heißem Wasser befeuchtet zu werden. Die Aromen können sich nicht verflüchtigen. Genau betrachtet, sind sie noch weniger der Luft ausgesetzt als bei einer Kombination aus Maschine und separater Mühle. Auch bei der Aroma Fresh überrascht der Blick in den Papierfilter. Wegen der fehlenden Dusche hätten wir eigentlich einen Trichter erwartet. Doch die Oberfläche des feuchten Mehls ist schön flach, ähnlich wie das Ergebnis, wenn mit der Hand gebrüht wird. Erst auf Nachfrage bei Melitta konnte das Rätsel gelöst werden. Die Aroma Fresh arbeitet doch mit einer kleinen Dusche, was die Marketingabteilung wohl jetzt erst mitbekommen hat. Drei Auslauflöcher verteilen das Wasser, sie sitzen in einem Abstand von jeweils 30 Millimeter. Ganz so sanft wie bei der Moccamaster landen die Tropfen nicht auf dem Mehl, der Kaffeesud hat eine festere Konsistenz.

Wie alle Vollautomaten bringt auch die Aroma Fresh Einschränkungen mit sich. Die Mühle hat nur drei Einstellungen: fein, normal und grob. Die mittlere Einstellung ist unser Favorit und entspricht in etwa dem Mahlgrad, den wir an der Mühle einstellen, welche die Bohnen für die Moccamaster mahlt. Die Richtlinie, die sich für Filterkaffee bewährt hat, nämlich sechs Gramm Bohnen für 100 Milliliter Wasser, hält die Maschine fast ein. Auf zwei Tassen, was etwa 280 Milliliter entspricht, kommen 16 Gramm Mehl, auf vier Tassen, zirka 570 Milliliter, kommen 32 Gramm. Da die Maschine keine Waage hat, sondern die Mehlmenge über die Mahlzeit bestimmt, landet mit der Einstellung „fein“ weniger und mit „grob“ mehr Mehl im Filter. Reste davon findet man übrigens hin und wieder auf dem Deckel der Glaskanne oder auf der Warmhalteplatte. Die Maschine hat zwar einen abnehmbaren Bohnenbehälter. Aber das Wechseln der Bohnen funktioniert nicht optimal, weil einige im Schacht bleiben und sich mit den Nachfolgern vermengen. Eine separate Mühle, die man für die Moccamaster braucht, hat den Vorteil, dass man sie exakt mit der Menge an Bohnen füllt, die man vorher gewogen hat. Außerdem müssen sich Kaffeetrinker bei der Aroma Fresh an die Tassenangaben in Zweierschritten halten, weil nur diese am Display eingestellt werden können.

Die Melitta-Maschine konnte nach mehreren Testwochen mit unseren Vorurteilen gegenüber solchen Vollautomaten aufräumen. Wir zelebrieren zwar immer noch jeden Morgen mit Leidenschaft und den Gerätschaften von Hario wie Kessel, Filter und Waage sowie der Mühle Sette 270W von Baratza den handgebrühten Kaffee. Doch die Möglichkeit, sich von dem Betriebsgeräusch und Duft der Aroma Fresh wecken zu lassen, ist verlockend. Timer gibt es auch bei anderen Maschinen. Doch nur in diesem Fall lässt er sich sinnvoll einsetzen. Wo sonst das Mehl am Abend zuvor in den Filter gefüllt werden muss und über Nacht einige Aromen verliert, mahlt Melittas Maschine die Bohnen frisch und brüht sofort den Kaffee. Lediglich das Wasser darf man nicht vergessen, wenn man die gewünschte Zeit einstellt. Vor allen Dingen im Büro ist die Aroma Fresh ein sehr praktische Lösung.

Solche Funktionen hat die Moccamaster nicht aufzuweisen. Dafür nähert sie sich mit ihrer Technik etwas mehr dem Handbrühverfahren. Viele Parameter können beachtet werden: Mahlgrad und Mehlmenge sind mit einer separaten Mühle frei wählbar. Der Papierfilter lässt sich vorher mit heißem Wasser ausschwenken. Die Dusche mit neun Löchern verteilt – jedenfalls so der technische Ansatz – das Wasser gleichmäßig und vorsichtig über dem Filter. Bis auf die letzte Funktion können dies viele andere Kaffeemaschinen auch. Was die KBG 741 von Moccamaster auszeichnet, sind Material und Verarbeitung des Gehäuses sowie dessen konzeptioneller Aufbau. Wasserbehälter und -durchlauf, Filterhalter und Kanne sind leicht zugänglich, lassen sich schnell abnehmen und dementsprechend gut reinigen. Es könnte – sofern die Elektronik zuverlässig arbeitet – eine Kaffeemaschine fürs Leben sein.

Aus welcher Maschine schmeckt der Kaffee nun am besten? Der Autor, eine Kollegin und zwei Kollegen traten zum Blindtest an. Recht einstimmiges Urteil: Beide Kaffees schmecken gut und sehr ähnlich. Manche erkannten bei der Moccamaster mehr Milde und bei der Melitta etwas mehr Säure. Möglicherweise lag das aber an dem leicht unterschiedlichen Mahlgrad. Wer den Geschmack perfektionieren will, indem er jeden einzelnen Parameter verändert, wird irgendwann wieder beim Handfiltern landen. Menschen müssen nicht immer alles den Maschinen überlassen.

Quelle: F.A.S.
Marco Dettweiler
Redakteur in der Wirtschaft.
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