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Tech-Talk

Virtuelle Realität

EIN KOMMENTAR Von Hans-Heinrich Pardey
 - 08:27

Die Bildschirmwelten in kleinerem und größerem Format mit ihren Darstellungsmöglichkeiten und -moden prägen unsere Umwelt längst so stark, dass kaum noch auffällt, wie häufig sie kein Gewinn, sondern schlicht kontraproduktiv sind. Eine neue Fahrradtasche soll her, wasserdicht im winterlichen Schmierwetter und im nächsten trockenen Sommer staubdicht. So etwas hat, international renommiert, einen deutschen Namen: Ortlieb – führend nicht nur in der Qualität, sondern auch in der Vielfalt des Angebots.

Dass der hundertseitige Katalog 2019 „Mag“ und im Editorial „Magalog“ heißen muss, je nun. So ist das halt, wenn ein Unternehmen die Ambition hat, sich „jeden Tag neu zu erfinden“, wie Gründer und Inhaber Harmut Ortlieb auf Seite 3 verkündet. Aber das leise Stöhnen, mit dem der Fachhändler zu dieser kunterbunten, reich illustrierten Image-Broschüre greift, spricht Bände: In dieser Ansammlung von – wirklich nett fotografierten – Selfies mit Productplacement etwas zu finden, Informationen etwa oder gar Vergleichszahlen, von Zubehör-Bestellnummern ganz zu schweigen, das ist schlicht eine Qual. Vor- und zurückblätternd surft man auf dem Papier, guckt sich die coole Kopenhagener Fahrradkurierin an und überfliegt ein Rezept für „Gallo Pinto“, rein vegetarisch. Bloß wie groß oder vielmehr wie klein die „Velo Pocket Urban“ am Lenker ist, das findet weder der Fachmann noch sein Kunde.

Immerhin ist das Täschchen abgebildet auf den Seiten, wo zwar die Kollektion der Taschen und Rucksäcke, Zubehör aber nur in nicht nachvollziehbarer Auswahl in Reih und Glied paradiert. Wie steht über allem: „Besuch einfach unsere Webseite.“ Dort könnte man auch gleich bestellen, nur an den Händler vor Ort liefern lassen nicht mehr. Der müsste sich dafür qualifizieren – und zwar durch reale Produktpräsenz auf mehreren laufenden Meter.

Quelle: F.A.Z.
Hans-Heinrich Pardey
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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