Schlusslicht

Zu unbeweglich

Von Lukas Weber
18.07.2021
, 08:49
Sollen die Menschen halt die Bahn nehmen.
Europa ist eine verschworene Gemeinschaft. Sie hat dem Auto den Kampf angesagt. Werden wir alle immobil?
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Das ist doch mal eine gute Nachricht, der Bundeswirtschaftsminister liest offenbar Zeitung. Dort stand gelegentlich, was er jetzt zugibt: Elektroautos brauchen Strom. Und zwar am besten Ökostrom, auf dass die Lüge von den Null-Emissionen künftig zur Wahrheit werde. Wo der in Massen herkommen soll, weiß Peter Altmaier ebenso wenig wie grüne Politiker aller Couleur, die für Europa irrwitzige Ziele setzen und dabei mit Strom rechnen, den sie nicht haben. Wenn das Wetter für Solarenergie zu mies ist, bleiben die Autos halt stehen, die Straßen sind eh überschwemmt.

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In der Ruhe liegt die Kraft, das ist die neue Verkehrspolitik. In Limburg wird das Parken mal eben fünfzig Prozent teurer, der heimische Bürgermeister erzählt, dass willkürlich auf der Straße verteilte Hindernisse der Verkehrsberuhigung dienen, Frankfurt macht aus zwei Fahrspuren eine, und allerorten wird das Tempo herabgesetzt, damit sich die drastisch erhöhten Bußgelder für Bagatellüberschreitungen kassieren lassen. Fast möchte man meinen, es gäbe Leute, die Autofahrer nicht leiden können.

Sollen die Menschen halt die Bahn nehmen. Vor Corona kamen täglich fast 400.000 Pendler nach Frankfurt, zwei Drittel davon mit dem eigenen Wagen – stopfen wir die einfach in die Züge, für Elektroautos gibt es in der Metropole ohnehin kaum Lademöglichkeiten. Der nächste Bahnhof ist von zu Hause sechs Kilometer und knapp vierhundert fahrradunfreundliche Höhenmeter weg, die Parkplätze dort fielen einem fragwürdigen Hotelbau zum Opfer. Ein Einzelfall?

Die Fußball-Europameisterschaft ist, von den Deutschen fast unbehelligt, endlich vorbei. Im Finale wurde ein Stürmer namens Immobile vorzeitig aus dem Spiel genommen, er hatte sich wohl zu wenig bewegt. Das könnte uns allen auch blühen: Zu immobil, Spiel vorbei.

Quelle: F.A.S.
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Lukas Weber
Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
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