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Tech-Talk

Wachtmeister

Von Holger Appel
 - 09:30

Dem ewig klammen Staat fällt noch immer eine gute Idee ein, wie er an des Bürgers Portemonnaie kommt. Das lässt sich besonders elegant schröpfen, liegt eine Missetat zugrunde. Den Rasern ist die Obrigkeit schon mit einem flächendeckenden Netz an Blitzern auf der Spur, allein aus Gründen der Sicherheit, versteht sich. Nur um die kann es jetzt auch gehen, wenn die Stadt Wiesbaden in Ermangelung eigener Ordnungshüter auf das Engagement einsatzfreudiger Bürger setzt.

Mönchengladbach macht schon etwas Ähnliches und verkündet stolz, 80 Verkehrsverstöße im Monat kämen so im Ordnungsamt an. Das nennt man vorbildlich. In der Moderne angekommen, nutzt der gemeine Denunziant für dergleichen eine App. Der von in zweiter Reihe mit Warnblinker stehenden Lieferwagen genervte Wachtmeister ohne Uniform fotografiert den Delinquenten per Smartphone-App, das Ordnungsamt vollzieht daraufhin. Der Halt in zweiter Reihe wahrlich eine Seuche, Radwege werden rücksichtslos zugeparkt, auch quer auf dem Bürgersteig stellt mancher gern sein Vehikel ab. Nur mal schnell in die Post, rasch was aus der Apotheke holen, kurz die Blumen einpacken, so lauten die gängigen wie untauglichen Argumente. Aber der Staat, in dem jeder jeden überwacht, ist doch vor nicht allzu langer Zeit unter dem Jubel der ihre Freiheit gewonnen habenden Bürger zusammengebrochen.

Jetzt will sich Deutschland auf diesen Weg begeben? Dann hätten wir ein paar Vorschläge, etwa Denunziantenmengenrabatt. Wer zehn Verkehrssünder vollzugsgerecht anschwärzt, gewinnt einmal freies Parken im Halteverbot. Oder bekommt zehn Prozent Rabatt auf die nächste Geschwindigkeitsübertretung. Schöne Nachbarschaftsduelle wird es geben. Und was erst Photoshop für Möglichkeiten bietet, herrlich, Fake Porn ist ein Witz dagegen.

Quelle: F.A.Z.
Holger Appel
Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.
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