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Ausverkauf in Jerusalem

Von Jochen Stahnke, Bethlehem / Jerusalem
08.01.2018
, 12:38
„Schlimmer als die Mafia“: Viele palästinensische Christen empören sich über die Kirche unter Patriarch Theophilos III.
Einer der größten Landbesitzer in Israel ist das Jerusalemer griechisch-orthodoxe Patriarchat. Die Kirche verkauft jedoch immer mehr Besitz – oft unter dubiosen Umständen. Eine Recherche aus dem Januar 2018.

Der Konvoi des Patriarchen biegt um die Ecke. Es regnet in Strömen, der Sandsteinboden der Altstadt von Bethlehem ist rutschig wie nasse Seife, und auch die Bevölkerung bereitet Theophilos III. keinen warmen Empfang zum orthodoxen Weihnachtsfest am Sonntag. Eier treffen die getönten Scheiben des VW-Busses, volle Coladosen, Schuhe, Steine. Scheiben zerbersten. „Verräter“ wird der Patriarch gerufen, Palästinensische Sicherheitskräfte schirmen den Konvoi vor den wütenden Demonstranten ab. Die bald bemerken, dass in dem VW-Bus einfache Priester sitzen und der Patriarch erst in der schwarzen Limousine folgt. Wieder fliegen Eier, doch die Polizei drängt die Hunderten Demonstranten ab. Rasch ist der Aufruhr vorbei. Es legt sich wieder verregnete Weihnachtsstimmung um den riesigen Tannenbaum auf dem Manger-Platz vor der Geburtskirche.

„Seine Seligkeit“ Theophilos III. steht der größten christlichen Gemeinde in Israel und den palästinensischen Gebieten sowie in Jordanien vor, der griechisch-orthodoxen. Die größtenteils palästinensischen Gläubigen genießen hier größere Freiheiten als anderswo in der Region. Aber vom Patriarchen haben sich die meisten der geschätzt 150.000 Gemeindemitglieder längst abgewandt. Das liegt nicht nur daran, dass die Führungsspitze um Theophilos fast ausschließlich aus Griechen besteht. Sondern dass das griechisch-orthodoxe Patriarchat, welches der größte Landbesitzer in Israel nach dem Staat ist, seine Ländereien zunehmend verkauft.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Stahnke, Jochen
Jochen Stahnke
Politischer Korrespondent für Israel, die Palästinensergebiete und Jordanien mit Sitz in Tel Aviv.
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