Herbstgutachten

EZB soll die Zinsen anheben

20.10.2005
, 17:25
Die Wirtschaftsforschungsinstitute sehen die Inflationsaussichten für den Euro-Raum und für Deutschland vergleichsweise entspannt. Mehrheitlich empfehlen sie der EZB dennoch vorbeugende Zinserhöhungen.
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Die Wirtschaftsforschungsinstitute sehen die Inflationsaussichten für den Euro-Raum und für Deutschland vergleichsweise entspannt. Mehrheitlich empfehlen sie der Europäischen Zentralbank (EZB) dennoch, den expansiven geldpolitischen Kurs zu straffen, und den Leitzins für den Euro-Raum im kommenden Jahr in zwei Schritten von 2 auf 2,5 Prozent anzuheben. Damit schöbe die Geldpolitik die Wirtschaft immer noch an, heißt es.

Als Folge des höheren Ölpreises haben die Institute ihre Inflationsprognosen deutlich erhöht. Für Deutschland erwarten sie 2006 nun eine Inflationsrate von 2 Prozent; im Frühjahrsgutachten hatten sie noch auf 1,5 Prozent getippt. Für den Euro-Raum wird eine Inflationsrate von 2,1 Prozent prognostiziert, nach 1,6 Prozent im Frühjahr. Zugleich soll das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum sich von 1,3 Prozent in diesem auf 1,8 Prozent im kommenden Jahr beschleunigen. Damit erreichte das Wachstum annähernd die inflationsneutrale Potentialrate, die von der EZB bei rund 2 Prozent gesehen wird. Die Inflationsrate läge damit 2005 und 2006 leicht über dem von der EZB mittelfristig angestrebten Stabilitätsmaß von unter, aber nahe 2 Prozent.

Sorge über das Geldmengenwachstum

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Die Beschleunigung des Preisauftriebs gründet nach Auffassung der Institute bislang allein in den höheren Energiepreisen. Solange zu erwarten sei, daß dies so bleibe, dürften die Notenbanken weltweit darauf verzichten, ihre Zinsen als Reaktion auf den Ölpreisanstieg anzuheben, heißt es. Die prognostizierte Zielverfehlung bei der Inflation im Euro-Raum sei nicht gravierend genug, um sofortigen Handlungsbedarf für die EZB anzuzeigen. Der Inflationstrend bleibe moderat.

Die Forderung nach einer Zinserhöhung begründet die Mehrzahl der Institute damit, daß die Geldpolitik schon lange sehr expansiv sei. Das Wachstum der Geldmenge habe sich deutlich beschleunigt und der Liquiditätsüberhang sich erheblich vergrößert. Damit vergrößere sich die Gefahr, daß mittelfristig die Inflation anziehe, heißt es. Die EZB müsse vorbeugend handeln, um der Gefahr steigender Inflationserwartungen entgegenzuwirken. "Die EZB kann nicht so lange warten, bis die Inflationsrate zugenommen hat", heißt es.

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DIW mit Minderheitenvotum

In einem Minderheitenvotum sieht das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin (DIW) keinen Anlaß für eine Zinserhöhung. Im Gegensatz zu den anderen fünf Instituten sieht das DIW in der gestiegenen Geldmenge eine Begleiterscheinung des sich vertiefenden Finanzbinnenmarktes in Europa. Damit ginge ein dauerhaft höherer Liquiditätsbedarf der Finanzmärkte einher.

Der geschäftsführende Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF), Rodrigo Rato, empfiehlt der Europäischen Zentralbank (EZB), den Leitzins frühestens Mitte des kommenden Jahres zu erhöhen. Andernfalls sei die Konjunkturerholung im Euro-Raum gefährdet, sagte Rato in Brüssel. Zwar müsse die EZB die wegen der hohen Ölpreise gestiegene Inflationsrate genau beobachten; Zweitrundeneffekte seien aber derzeit nicht zu befürchten. Der Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie, Gustav Horn, forderte in Brüssel dagegen eine sofortige Zinssenkung um einen halben Prozentpunkt, um die Binnennachfrage zu stärken. (wmu.)

Quelle: pwe. / F.A.Z., 21.10.2005, Nr. 245 / Seite 14
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