Trotz Corona

Mehr Wein erwartet als im Vorjahr

Von Martin Hock
Aktualisiert am 15.09.2020
 - 13:26
Weinreben auf dem Heuchelberg bei Schwaigern (Württemberg).
Die Weinernte wird in diesem Jahr durchschnittlich ausfallen. Die Chancen für gute Qualität scheinen groß – Herausforderungen gibt es an anderer Stelle.

Die Winzer in Deutschland erwarten in diesem Jahr eine Zunahme der Ernte um 6,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Allerdings lagen die Erntemengen 2019 mit 8,32 Millionen Hektoliter unter dem fünfjährigen Mittel von 8,9 Millionen Hektolitern. 2020 wird daher wohl mengenmäßig mit 8,86 Millionen Hektolitern ein insgesamt durchschnittliches Weinjahr werden.

Mit 55 Prozent wird dabei mehr als die Hälfte auf die zwei großen Weinanbaugebiete Rheinhessen (2,47 Millionen Hektoliter) und Pfalz (2,40 Millionen Hektoliter) entfallen. Ein weiteres Viertel des deutschen Weines 2020 wird aus Baden (1,28 Millionen Hektoliter) und Württemberg (855.200 Hektoliter) kommen, die restlichen 21 Prozent aus den übrigen neun Anbaugebieten.

Die Weinlese ist seit Monatsanfang in vollem Gange. Schon in der ersten Augusthälfte war in der Pfalz die Lese für den Federweißen (Rauscher) eröffnet worden, drei Tage früher noch als im vergangenen Jahr. Die Lese für den gärenden Jungwein sowie Sektgrundweine beginnt immer früher. Trauben für Sektgrundweine dürfen nicht zu reif (edelreif) sein, weil sonst der Zuckergehalt zu hoch wird und die Sekte nicht mehr die nötige Brillanz bekommen.

Riesling dominiert

Die Hauptweinlese hat dagegen erst dieser Tage begonnen, in Rheinhessen etwa vor einer Woche. Auch dies ist etwas früher als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Für spätreifende Rebsorten wie den Riesling wird der Beginn in einigen Anbaugebieten in diesen Tagen erwartet.

Den Winzern komme die aktuelle Witterung mit warmen Herbsttagen und kühlen Nächten sehr entgegen, da diese die Aromaausbildung in den Trauben fördert, heißt es vom Deutschen Weininstitut im rheinhessischen Bodenheim. Die rasante Reifeentwicklung aus dem August habe sich dadurch etwas verlangsamt. Der Gesundheitszustand der Trauben sei gut, man hoffe daher auf fruchtbetonte Weißweine und farbintensive Rotweine.

Zwei Drittel des in Deutschland zu lesenden Weins sind Weißmost. Die beliebteste Rebsorte ist weiter Riesling, auf den etwa ein Drittel des Weißweins entfällt. Die Erntemenge dürfte in diesem Jahr gegenüber 2019 um 22 Prozent steigen.

Auf dem Rückzug befindet sich dagegen die zweitwichtigste weiße Rebsorte Müller-Thurgau. Unter den roten Rebsorten dominieren Spätburgunder (etwa 30 Prozent) und Dornfelder (27 Prozent), wobei erstere auf dem Vormarsch und letzterer auf dem Rückzug ist.

Herausforderung Corona

Trotz einer insgesamt zufriedenstellenden Traubenbehangs sei wegen der zuletzt lokal ungleichen Verteilung der Niederschläge die Ertragssituation äußerst unterschiedlich, berichtet das Weininstitut. In Franken, Saale-Unstrut und Sachsen hätten zudem Spätfröste die Erträge um bis zu 30 Prozent reduziert.

Die Corona-Pandemie hat auch auf dem Weinmarkt für einige Einschnitte gesorgt. Im Lebensmitteleinzelhandel stieg der Absatz im ersten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 9,5 und im zweiten sogar um 12,5 Prozent. Heimische Weine profitierten mit einem Plus von rund 14 Prozent besonders stark.

Indes verloren im ersten Quartal Weingüter die Hälfte ihres Absatzes in der Gastronomie und knapp ein Viertel im Fachhandel verloren. Auch der Export schrumpfte um ein Drittel. Gerade im ersten Jahresviertel habe ein deutlicher Anstieg des Onlineabsatzes nur 13 Prozent der Absatzverluste kompensieren könne.

Auch die Direktvermarkter unter den Winzern sehen sich Herausforderungen gegenüber. Einige Genussmessen wurden schon abgesagt, andere könnten es noch werden. Die stattfindenden Veranstaltungen könnten deutlich weniger Zuspruch finden.

Private Weinpräsentationen sind ebenfalls schwierig, lokale Volksfeste wurden in diesem Jahr auch reihenweise abgesagt. Auch eigene Vinotheken und Gastwirtschaften hatten längere Zeit schließen müssen und konnten nur unter Auflagen oder zum Teil gar nicht wieder eröffnet werden.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Hock, Martin
Martin Hock
Redakteur in der Wirtschaft.
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