Ärztehonorare

Zehn Prozent

EIN KOMMENTAR Von Andreas Mihm
23.02.2010
, 14:29
Um rund zehn Prozent haben die Kassenärzte im vergangenen Jahr ihre Honorare erhöht. Das ist nicht wenig in einem Krisenjahr. Gleichwohl: Der Schluck aus der Pulle sei den Ärzten gegönnt.
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Um fast zehn Prozent haben die Kassenärzte im ersten Halbjahr 2009 ihre Honorare erhöht. Es spricht einiges dafür, dass das Gesamtjahr für sie nicht schlechter ausgefallen ist. Das ist nicht wenig in einem Jahr, in dem die Volkswirtschaft unter der Last der Krise in die Knie ging, in dem Hunderttausende Beitragszahler arbeitslos wurden oder auf Kurzarbeit gingen und Wohlstandseinbußen wegstecken mussten.

Gleichwohl: Der Schluck aus der Pulle sei den Ärzten gegönnt. Über Jahre gab es für sie - unter den Reglementierungen der Gesundheitspolitik leidend - nur unterdurchschnittliche Anpassungen. Mit der Honorarreform wurde das beendet.

Im Osten wird zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer annähernd so viel verdient wie im Westen, das ärztliche Honorar ist nicht mehr an die Entwicklung der Lohnsumme gekettet, als ob diese ein Indikator für den Krankenstand sei. Aber die Reform hat auch Unwuchten verursacht. Sie hat Verlierer produziert wie in Baden-Württemberg. Deshalb muss nachgebessert werden. Den großen Klagegesang sollten die Ärztevertreter aber bitte nicht anstimmen - auch wenn in der Selbstverwaltung jetzt das Wahlkampffieber grassiert.

Quelle: F.A.Z.
Andreas Mihm - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Andreas Mihm
Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.
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