Konjunktur

Koreas Wirtschaft schrumpft am Jahresende

Von Patrick Welter, Tokio
25.01.2018
, 06:59
Haben ihr Verkaufsziel 2017 um gut 1 Million Fahrzeuge verfehlt: Autohersteller Hyundai Motor und Tochtergesellschaft Kia Motors
Südkoreas Autobauer verkaufen weniger im Export und die Konjunktur bricht ein. Analysten sehen in der Schrumpfung der Wirtschaftsleistung aber nur einen Ausrutscher.

Die Wirtschaft Südkoreas ist am Jahresende 2017 überraschend geschrumpft. Eine schwache Ausfuhr und geringere Investitionen der Unternehmen ließen das Bruttoinlandsprodukt im letzten Quartal des Jahres um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal sinken. Das zeigen erste Berechnungen der Bank von Korea. Für Südkorea ist das das schlechteste Quartalsergebnis seit der globalen Wirtschaftskrise im Jahr 2008.

Im Inland drückte eine außergewöhnlich lange Chuseok-Feiertagsperiode im Oktober die Produktion, während ein Einbruch der Ausfuhr von Fahrzeugen die Außenwirtschaft belastete. Die sehr positive Entwicklung beim Export von Halbleitern konnte das gesamtwirtschaftlich nicht ausgleichen. Die großen Autohersteller Hyundai Motor und Tochtergesellschaft Kia Motors hatten schon Anfang Januar mitgeteilt, dass sie ihr Verkaufsziel im vergangenen Jahr um gut 1 Million Fahrzeuge verfehlt hatten. Das liegt unter anderem daran, dass der Absatz in China aus politischen Gründen einbrach.

Dem Minus am Jahresende steht gegenüber, dass Südkoreas Wirtschaft im dritten Quartal des vergangenen Jahres so schnell gewachsen war wie seit sieben Jahren nicht mehr. Die moderate Schrumpfung im vierten Quartal weist deshalb nach Meinung von Finanzmarktanalysten nicht auf ein Ende der Wachstumsbeschleunigung in Korea hin. Die Notenbank betonte, dass das Minus zumindest zum Teil als technische Reaktion auf das zuvor starke Wachstum zu verstehen sei. Sie verwies auch auf die langen Chuseok-Ferien. Im gesamten zweiten Halbjahr 2017 habe das Wachstumstempo sich beschleunigt, sagte die Notenbank.

Wirtschaftliche Erholung für 2018 prognostiziert

Im Gesamtjahr 2017 legte das reale Bruttoinlandsprodukt um 3,1 Prozent zu, nach einem Wachstum von 2,8 Prozent im Vorjahr. Mit der sich erholenden Weltwirtschaft investierten die Unternehmen des exportabhängigen Landes ausgesprochen viel in neue Anlagen. Zugleich dauerte die Hochkonjunktur in der Bauwirtschaft nahezu ungebrochen an. Der private Konsum entwickelte sich weiter moderat, zeigte zum Jahresende aber eine Beschleunigung.

Für dieses Jahr wird für Korea überwiegend eine andauernde, wirtschaftliche Erholung prognostiziert. Die Bank von Korea erwartet zum Beispiel ein nahezu unverändertes Wachstum von 3 Prozent. Sie stützt ihren Ausblick wie auch viele Analysten auf die Erwartung, dass die Weltwirtschaft weiterhin für eine robuste Exportnachfrage sorgt und dass der private Konsum sich schrittweise verbessert.

Quelle: FAZ.net
Autorenporträt / Welter, Patrick
Patrick Welter
Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.
FacebookTwitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot