In Amerika

Amazon schielt aufs Mobilfunkgeschäft

Von Jonas Jansen
31.05.2019
, 17:20
Die amerikanischen Mobilfunker Sprint und T-Mobile US wollen fusionieren. Um das genehmigt zu bekommen, müssen sie Geschäftsbereiche verkaufen. Davon könnte der Onlinehändler Amazon profitieren.
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Der amerikanische Online-Händler Amazon erwägt einem Medienbericht zufolge, den Mobilfunkanbieter Boost Mobile zu kaufen. Damit würde das Unternehmen in das Geschäft mit dem Prepaid-Mobilfunk einsteigen, besonders interessiert soll Amazon auch daran sein, das Mobilfunknetz von T-Mobile US, der amerikanischen Tochtergesellschaft der Deutschen Telekom, für mindestens sechs Jahre zu benutzen. Das berichtet zumindest die Nachrichtenagentur Reuters mit Verweis auf zwei nicht näher genannte Personen.

Dass der Mobilfunkanbieter überhaupt zum Verkauf steht, hängt mit der schon seit mehr als einem Jahr geplanten Fusion zwischen T-Mobile US und dem Konkurrenten Sprint zusammen. Der Zusammenschluss, bei dem es um 26,5 Milliarden Dollar geht, steht nämlich unter einigen Vorbehalten. So hatte Ajit Pai, der Vorsitzende der amerikanischen Telekommunikationsbehörde FCC zwar vor wenigen Tagen angekündigt, eine Genehmigung des Zusammenschlusses empfehlen zu wollen. Allerdings knüpfte er das an die Bedingung, dass die Unternehmen für Angebote für den neuen Mobilfunkstandard 5G keine Preisaufschläge einkalkulieren.

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Amerika will vier Telekommunikationskonzerne

Zudem mussten Sprint und T-Mobile versprechen, dass sie innerhalb von drei Jahren nach der Fusion mit ihrem 5G-Netzwerk 97 Prozent der amerikanischen Bevölkerung erreichen. Außerdem gehört zu den Auflagen, dass Boost Mobile verkauft wird. Mit dem Verkauf könnten Sprint und T-Mobile wettbewerbsrechtliche Bedenken des Justizministeriums zerstreuen. Die amerikanischen Regulierer wünschen sich schon länger, dass auch nach einem Zusammenschluss weiterhin vier große Telekommunikationskonzerne in den Vereinigten Staaten verbleiben. Durch den Verkauf von Geschäftsteilen könnte also neben Verizon, AT&T und dem fusionierten Konzern ein weiterer Wettbewerber stärker Fuß fassen.

Dass dieser Wettbewerber Amazon heißen könnte, kommt einigermaßen überraschend. Allerdings hat sich der Onlinehändler in der Vergangenheit immer wieder in Geschäftsbereiche ausgedehnt, die ursprünglich nicht zum Kerngeschäft gehörten, aber die Infrastruktur des eigenen Unternehmens gut ergänzten. So hat Amazon aus der eigenen gestiegenen Nachfrage nach Cloud Computing, also der Verlagerung von Rechenkraft ins Internet, einen Geschäftsbereich aufgebaut. Amazon Web Services ist vor den Konkurrenzprodukten von Microsoft und Google der größte Anbieter auf dem Cloud-Markt. Mit Whole Foods hat sich Amazon zudem eine Supermarktkette einverleibt, deren Erfahrung sicherlich auch in der Entwicklung der eigenen kassenlosen Amazon-Go-Läden einfließt. Und um sich weniger abhängig von Lieferdiensten zu machen, baute das Unternehmen von Jeff Bezos einfach einen eigenen auf.

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Amazon interessiert sich für Funkfrequenzen

Boost Mobile ist auch deshalb attraktiv, weil der Käufer durch die langfristigen Verträge einen Zugang zum Netz von T-Mobile und Sprint bekäme. Auch an Mobilfunkfrequenzen, die möglicherweise veräußert werden, soll Amazon dem Bericht zufolge Interesse haben. T-Mobile hatte zuletzt im Jahr 2017 für 8 Milliarden Dollar Frequenzen ersteigert, die vor allem für die Versorgung mit mobilem Internet hohe Reichweiten bieten. Anders als in Deutschland kaufen die Bieter die Nutzungsrechte für solche Frequenzbänder nicht nur für bestimmte Zeiträume. An solchen Frequenzen haben allerdings auch die Kabelbetreiber Charter Communications und Comcast schon Interesse angemeldet. Beide Unternehmen benutzen momentan das Netzwerk von Verizon, um ihren Abonnenten auch Mobilfunkdienste anzubieten.

Der Aktienkurs von Sprint stieg am Freitag um fast 4 Prozent, die Kurse von T-Mobile US und Amazon lagen 1,8 und 2 Prozent im Minus. Einen Kommentar zu den Gerüchten gibt es von Amazon noch nicht. Experimente mit Telefonanrufen macht Amazon derzeit vor allem über seinen Lautsprecher Echo, mit dem Nutzer miteinander sprechen können. Anfang des Jahres wurden zudem Pläne von Amazon publik, in den kommenden Jahren Tausende Satelliten ins All zu schicken, um Breitbandinternet anzubieten. Auch Facebook und Google experimentieren mit Satelliten.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Jansen Jonas
Jonas Jansen
Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.
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