Krise in der Türkei

Neue Strafzölle auf türkischen Stahl

Aktualisiert am 13.08.2018
 - 05:59
Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan
Seit dem Morgen gelten in Amerika für türkischen Stahl verdoppelte Zölle. Die Lira wertet weiter ab. Der türkische Präsident Erdogan will Unternehmer in die Pflicht nehmen.

Im Streit zwischen den Regierungen in Washington und Ankara sind am Montagmorgen drastisch erhöhte amerikanische Strafzölle auf Stahl aus der Türkei in Kraft getreten. Seit 6.01 Uhr mitteleuropäischer Zeit wird Stahl aus der Türkei mit Abgaben in Höhe von 50 Prozent statt bislang 25 Prozent belegt, wie das Weiße Haus mitteilte. Amerikas Präsident Donald Trump hatte die Verdoppelung der Zölle auf Stahl am Freitag angeordnet. Auf Twitter hatte er zugleich angekündigt, auch die Strafzölle auf Aluminium aus der Türkei auf 20 Prozent zu verdoppeln. Für die neuen Abgaben auf Aluminium wurde noch kein Datum genannt.

Trump hatte in dem Tweet ausdrücklich auf die schlechten Beziehungen zu dem Nato-Partner und auf den Absturz der türkischen Lira verwiesen, den er mit seiner Ankündigung weiter beschleunigte. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wirft den Amerikanern vor, einen „Wirtschaftskrieg“ gegen sein Land zu führen.

Lira im freien Fall

Die türkische Lira steht zum Beginn der Woche weiter stark unter Druck. Im asiatischen Handel sank der Wert der türkischen Währung am Montag im Vergleich zum Euro und zum Dollar zeitweise abermals zweistellig. Erstmals mussten mehr als sieben türkische Lira für einen Dollar oder mehr als acht Lira für einen Euro gezahlt werden. Damit setzte sich der Kursverfall vom Freitag fort, als die Lira 15 Prozent zum Dollar verloren hatte. Seit Jahresbeginn beträgt der Verlust der Lira inzwischen fast 50 Prozent.

Erdogan forderte die einheimischen Unternehmen dazu auf, sich von der erschwerten Wirtschaftslage nicht beeinflussen zu lassen. Er sei nicht nur die Pflicht der Regierung, die Nation am Leben zu erhalten, „es ist auch die Pflicht der Industriellen und der Händler“, sagte Erdogan am Sonntagabend. Er warnte die Firmen davor, Bankrott anzumelden: „Wenn ihr das macht, begeht ihr einen Fehler!“ Erdogan verlangte außerdem, dass die türkischen Industriellen keine Fremdwährungen ankaufen sollten. Dies könnte die türkischen Banken noch mehr unter Druck setzen.

Die türkische Regierung will mit einem Aktionsplan für die Wirtschaft die Märkte beruhigen und den Kursverfall der Lira stoppen. "Von Montagmorgen an werden unsere Institutionen die notwendigen Schritte unternehmen und dies den Märkten mitteilen", sagte Finanzminister Berat Albayrak in einem Interview der Zeitung "Hürriyet". Der Aktionsplan für Banken und Realwirtschaft sowie die einzelnen Maßnahmen seien vorbereitet und fertig. Sie richteten sich auch an kleine und mittlere Unternehmen, die von Währungsschwankungen am stärksten betroffen seien. Zu Details des Plans sagte Albayrak nichts.

Quelle: peer./dpa/Reuters
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