FAZ plus ArtikelBRAO-Reform

Anwälte brauchen mehr Freiraum

Von Thomas Gasteyer
23.03.2021
, 18:43
Rechtsanwälte müssen mit anderen Berufen zusammenarbeiten dürfen, um die Wünsche der Mandanten erfüllen zu können. Die Reform der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) bietet Chancen, die genutzt werden sollten.

Die Erwartungen an Rechtsdienstleistung steigen: Nur ein Rechtsrat reicht nicht mehr. Anwälte wollen daher auch das Knowhow anderer Disziplinen in die Kanzleien holen. Das Ziel: Bessere Leistungen zu günstigeren Preis aus einer Hand. Doch der Kreis von Berufen, aus dem Mitgesellschafter eines Rechtsanwalts kommen dürfen, ist eng. Die LegalTech-Inkassodienstleister haben aber zuletzt gezeigt, wie das Knowhow von Volljuristen und IT-Fachleuten mit Branchenwissen vereint werden kann. Dies zeigt die jüngst vom Bundesgerichtshof zugelassene Prüfung und Geltendmachung von Verbraucheransprüchen, etwa bei der Mietpreisbremse, durch Inkassounternehmen, die dazu IT-Programme nutzen.

Reform bietet Chance für interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die anstehende Reform der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) bietet die Chance, mehr Möglichkeiten für die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu schaffen. Eine Erweiterung wird dort diskutiert. Der Regierungsentwurf sieht eine Öffnung für alle freien Berufe vor, soweit mit den genannten Grundwerten der Anwaltschaft vereinbar. Der Deutsche Anwaltverein (DAV) hat sich bereits früh für weiter gehende Möglichkeiten eingesetzt, damit die Mandantschaft guten Rechtsrat aus einer Hand erhält und die Anwaltschaft wettbewerbsfähig bleibt. Außerdem verstößt ein zu enges Verbot gegen das Grundgesetz. Anders als der Bundesgesetzgeber will der Bundesrat die interdisziplinäre Zusammenarbeit dennoch nicht über die verkammerten und einen engen Katalog weiterer Berufe hinaus öffnen. Er befürchtet ebenso wie die Kammern unzureichende Kontrollmöglichkeiten.

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