Arbeiten in Techkonzernen

Warum die Homeoffice-Debatte das Silicon Valley spaltet

Von Roland Lindner, New York
10.06.2021
, 16:48
Mark Zuckerberg arbeitet gern von zuhause aus. Während Facebook seinen Mitarbeitern Flexibilität verspricht, erwartet Apple Anwesenheit an drei bestimmten Tagen – und sorgt damit für Unmut in seiner Belegschaft.

Die großen amerikanischen Technologiekonzerne bereiten die Rückkehr ihrer Belegschaften in Büros vor, haben aber recht unterschiedliche Vorstellungen davon, wieviel Freiheiten sie den Mitarbeitern gewähren wollen. Facebook hat jetzt in einer internen Mitteilung angekündigt, den meisten Beschäftigten die Wahl zu lassen, ob sie künftig im Büro arbeiten oder im Homeoffice bleiben.

Apple hat seine Mitarbeiter dagegen kürzlich wissen lassen, von September an werde ihre Anwesenheit im Büro an drei bestimmten Tagen in der Woche erwartet, und zwar montags, dienstags und donnerstags. Das hat in der Belegschaft für einige Unruhe gesorgt. Eine Gruppe von Mitarbeitern schrieb einen Brief an das Management um den Vorstandsvorsitzenden Tim Cook mit der Forderung, auch künftig die Option zu haben, wie bislang im Homeoffice zu arbeiten.

„Mehr Raum für langfristiges Nachdenken“

Facebook will die meisten seiner amerikanischen Büros im September zunächst mit einer Kapazität von 50 Prozent wiedereröffnen und im Oktober vollständig. Wer weiter voll von zuhause aus arbeiten will, muss sich das von seinen Vorgesetzten genehmigen lassen. Wer ins Büro kommen will, von dem wird eine Anwesenheit zu mindestens 50 Prozent der Zeit erwartet.

Vorstandschef Mark Zuckerberg hat schon vor rund einem Jahr gesagt, das Unternehmen wolle vielen seiner Beschäftigten erlauben, auch nach der Corona-Krise von zuhause aus zu arbeiten. Er schätzte damals, innerhalb von zehn Jahren könne das für die Hälfte des Personals gelten.

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Zuckerberg sagte jetzt, er wolle im kommenden Jahr selbst bis zu 50 Prozent seiner Zeit außerhalb des Büros arbeiten. In einer Nachricht an die Belegschaft, aus der das Wall Street Journal zitierte, schrieb er: „Ich habe festgestellt, dass mir das Arbeiten aus der Ferne mehr Raum für langfristiges Nachdenken gegeben hat und mir geholfen hat, mehr Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Das hat mich glücklicher und produktiver bei der Arbeit gemacht.“

Anders als Apple will Facebook den Mitarbeitern, die ins Büro kommen wollen, nicht unternehmensweit feste Tage vorgeben, sondern dies von einzelnen Teams entscheiden lassen. In manchen Aufgabengebieten, also zum Beispiel für Mitarbeiter in Rechenzentren, wird es die Homeoffice-Option nicht geben.

Bei Apple zählt traditionell die Präsenz im Büro viel

Dass Apple-Mitarbeiter weiter zwei Tage im Homeoffice bleiben dürfen, ist verglichen mit den Zeiten vor der Pandemie ein Zugeständnis, denn der Konzern hat traditionell großen Wert auf Anwesenheit im Büro gelegt. Trotzdem finden manche Beschäftigten die neuen Regeln offenbar zu streng. In dem Brief an das Management, über den die Online-Publikation The Verge berichtete, schrieben die Mitarbeiter, sie fühlten sich „ignoriert“.

Sie hätten das Gefühl, im vergangenen Jahr außerhalb des Büros „die beste Arbeit unseres Lebens“ geliefert zu haben und seien „lebender Beweis“, dass es keine strenge einheitliche Politik geben müsse. Es sei „herablassend“, wenn nun mitgeteilt werde, wie groß das Bedürfnis in der Belegschaft nach einer Rückkehr ins Büro angeblich sei, obwohl das für viele von ihnen nicht gelte.

Auch die Regeln anderer Unternehmen variieren in ihrer Flexibilität. Twitter hat schon vor einiger Zeit gesagt, mit wenigen Ausnahmen sollten alle Mitarbeiter die Wahl haben, auf Dauer im Homeoffice zu bleiben. Google rechnet damit, dass ein Fünftel der Belegschaft permanent im Homeoffice sein wird, ansonsten soll es ein Hybrid-Modell geben, bei dem Mitarbeiter an drei Tagen in der Woche ins Büro kommen. Uber sagt, es gebe die „klare Erwartung“, dass künftig alle Mitarbeiter drei Tage in der Woche ins Büro kommen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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