Steigende Löhne in der Pflege

Mehr als nur Applaus

EIN KOMMENTAR Von Britta Beeger
21.07.2021
, 09:44
Ganz im Widerspruch zur öffentlichen Wahrnehmung steigen die Gehälter in der Pflege seit Jahren an. Anstatt einer durchdachten Reform agiert die Politik momentan jedoch nur mit Schnellschüssen.

In der öffentlichen Wahrnehmung hat sich das Bild festgesetzt, dass die in der Pandemie stark belasteten Pflegekräfte zwar viel Applaus erhielten, sich sonst für sie aber nichts geändert habe. Zumindest mit Blick auf die Gehälter ist das nicht richtig, wie neue Zahlen der Bundesagentur für Arbeit belegen: Insbesondere in der Altenpflege steigen die Gehälter seit Jahren überdurchschnittlich stark, und das bisher weitgehend ohne eine politische Regulierung.

Am Ende des Pandemiejahrs 2020 lag der mittlere Bruttolohn eines Arbeitnehmers bei 3427 Euro. Das waren 0,75 Prozent mehr als im Vorjahr. In der Altenpflege liegt das mittlere Gehalt um rund 500 Euro niedriger, stieg aber im Jahresverlauf um 4,8 Prozent.

Die aktuelle Bundesregierung hat dennoch beschlossen, die Pflegelöhne per Gesetz zu erhöhen: Einrichtungen bekommen künftig nur noch dann Geld aus der Pflegeversicherung, wenn sie ihren Beschäftigten Tariflohn zahlen.

Unverantwortlicherweise haben Union und SPD aber nicht geklärt, wer dafür zahlen soll, sodass die Kosten wohl vor allem an den pflegebedürftigen Heimbewohnern hängen bleiben werden. Mit solch unausgegorenen Lösungen muss Schluss sein. Die Pflege braucht eine echte Reform mit einer schlüssigen Refinanzierung. Dann würden angesichts des großen Fachkräftebedarfs die Löhne noch stärker steigen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Beeger, Britta
Britta Beeger
Redakteurin in der Wirtschaft.
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