FAZ plus ArtikelStreitgespräch

Brauchen wir ein Grundeinkommen?

Von Patrick Bernau
26.10.2020
, 10:48
Sascha Lobo und Michael Bohmeyer wollen die Arbeitswelt verändern – aber über das bedingungslose Grundeinkommen sind sie sich nicht einig. Hier streiten sie.

Michael Bohmeyer, Ihre Initiative organisiert Versuche für ein bedingungsloses Grundeinkommen. Sagen Sie mal ehrlich: Geld fürs Nichtstun – ist das wirklich eine gute Idee?

Bohmeyer: Ja. Wir müssen Geld und Arbeit endlich voneinander trennen. Menschen brauchen einerseits Geld, um in der arbeitsteiligen Gesellschaft überleben zu können – und sie wollen andererseits arbeiten. Wir wollen ihnen das Existenzminimum garantieren, über Sozialleistungen machen wir das ja heute schon. Am Grundeinkommen wäre neu, dass die Leute die Freiheit haben, das zu tun, was sie am besten können.

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Am Montag wird es ernst

Mehr als 170.000 Unterstützer hat eine Petition gesammelt, die zumindest für die Zeit der Corona-Krise ein bedingungsloses Grundeinkommen in Höhe von 1000 Euro monatlich fordert. Am Montag nun wird das Anliegen im Petitionsausschuss des Bundestags beraten. Für die Initiatorin, Susanne Wiest, ist es nicht die erste Anhörung zu diesem Thema: Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren besuchte sie schon einmal eine Anhörung im Bundestag. Damals war ihr Erfolg sehr überschaubar. Auch dieses Mal ist nicht direkt damit zu rechnen, dass ein Grundeinkommen eingeführt wird. Allerdings hat sich die politische Stimmung inzwischen verändert. Die neue Petition hat mehr als dreimal so viele Unterstützer wie die alte.

Auch in den Parteien ändert sich die Stimmung: Die Linkspartei spricht sich sowieso für ein Grundeinkommen aus, bei den Grünen ist die Doppelspitze inzwischen gespalten: Während Annalena Baerbock zuletzt im F.A.S.-Interview ein Grundeinkommen abgelehnt hat, lässt Robert Habeck seit Jahren Sympathien für das Vorhaben erkennen. Die Unionsfraktion jedenfalls ist nach wie vor klar dagegen. „Anstatt über ein bedingungsloses Grundeinkommen zu diskutieren, sollten wir uns darauf konzentrieren, wie wir die digitale Transformation unserer Arbeitswelt gestalten“, sagt der zuständige Berichterstatter im Petitionsausschuss, Marc Biadacz.

Quelle: F.A.S.
Patrick Bernau  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Patrick Bernau
Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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