Wahl in Amerika

Geld schießt keine Tore

EIN KOMMENTAR Von Winand von Petersdorff, Washington
Aktualisiert am 04.11.2020
 - 19:33
Um viele Millionen Dollar ärmer geworden: Der ehemalige Präsidentschaftskandidat und Milliardär Michael Bloomberg
Selbst Milliardäre können sich in Amerika nicht alles kaufen. Hochtalentierte Wahlkämpfer können mit weniger Geld mehr erreichen. Darin liegt eine durchaus tröstliche Erkenntnis.

Ein Wahlverlierer steht fest. Er heißt Michael Bloomberg. Keiner hat je mehr Geld verpulvert als der Milliardär aus New York, um die Politik in die gewünschte Richtung zu manipulieren. Seiner teuren, kläglich gescheiterten Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei folgte eine Fehlinvestition von 100 Millionen Dollar, um Florida ins demokratische Lager zu ziehen. Das Geld ist weg, Florida blieb republikanisch.

Bloomberg liefert den besten Beleg, dass Geld nicht zwangsläufig Wahlen gewinnt. Es hat auf jeden Fall stark abnehmenden Grenznutzen. Schon vor vier Jahren hatte Donald Trump viel weniger ausgegeben als Widersacherin Hillary Clinton. Diesmal akquirierte das Wahlkampfteam Joe Bidens bis zum Wahltag Spenden und erkämpfte wieder einen finanziellen Vorteil gegenüber Trump. Auch wenn das Endergebnis nicht klar ist, haben die Demokraten wichtige Ziele verfehlt. Die blaue Welle blieb aus.

Im Senat zeichnet sich die alte Mehrheit der Republikaner ab. Das versetzt Gesetzesprojekten eines möglichen Präsidenten Biden einen Dämpfer. Wahlstrategen der Demokraten hatten gewaltige Summen nach South Carolina, Kentucky und Maine gelenkt. Der demokratische Herausforderer von Senator Lindsey Graham in South Carolina hat 57 Millionen Dollar vergeudet, Graham gewann mit hohem Vorsprung.

TV-Werbung ist längst nicht alles

Besonders stark hatte sich das Lincoln Project im Senatswahlkampf engagiert. Die Organisation eingefleischter Trump-Gegner sammelte zweistellige Millionenbeträge ein, mit denen sie giftige Werbespots gegen Trump und vermeintlich verwundbare republikanische Senatoren schalteten. Zumindest die attackierten Senatoren überlebten ohne größere Blessuren.

Stecken die Demokratische Partei und ihre Helfer in alten Vorstellungen fest? Ihre Wahrnehmung der Welt wird womöglich zu stark von klassischen Medien geprägt und der Vorstellung, dass TV-Werbung die gleiche Wirkung hat wie vor 30 Jahren. Heute erreichen gewitzte Strategen und hochtalentierte Wahlkämpfer wie Trump mehr Leute mit geringerem Geldeinsatz über Twitter, Facebook und Instagram. Darin liegt eine durchaus tröstliche Erkenntnis. Milliardäre können sich in Amerika nicht alles kaufen.

Quelle: F.A.Z.
Winand von Petersdorff-Campen - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitun
Winand von Petersdorff-Campen
Wirtschaftskorrespondent in Washington.
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