FAZ plus ArtikelAbhängig von russischem Öl

Auf Asiens Solidarität kann der Westen nicht zählen

EIN KOMMENTAR Von Christoph Hein, Singapur
05.07.2022
, 08:46
Schlangestehen zum Tanken: In asiatischen Ländern wie Sri Lanka sind die Berührungsängste mit Russland angesichts der hohen Treibstoffpreise gering.
Hohe Arbeitslosigkeit und In­flation: Asien kauft in Russland ein, auch wenn das den Regierungen in Europa und Amerika nicht passt. Denn die Probleme sind enorm – und nicht nur hausgemacht.
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Kommt es zum Äußersten, ist mir das Hemd näher als der Rock“, soll Otto von Bismarck gesagt haben. Sein Satz könnte heute Motto der allermeisten Regierungen Asiens sein: In der wachsenden Krise ringen viele von ihnen um den Erhalt ihrer Macht. Der Westen kann daher nicht auf ihre Solidarität in der Ukrainefrage zählen, sondern muss mitansehen, dass sie sich pragmatisch verhalten. Angesichts hoher Arbeitslosigkeit und steigender In­flationsraten heißt das, dass immer mehr von ihnen auf russische Rohstoffe, Waffen und Investitionen zählen.

Die Teuerung wird getrieben von mehreren Faktoren: von der Misswirtschaft in vielen Ländern Asiens, insbesondere Südasiens. Sri Lankas ge­wählter Regierungsclan der Rajapaksas ist das schlimmste Beispiel für die verfehlte Führung eines Landes, das dann Herausforderungen wie Co­rona, der Heimkehr der Gastarbeiter und dem Ausbleiben von Tou­risten nicht mehr standhalten konnte. An­dere, wie Pakistan, haben sich zu lange auf Pekings Kredite ver­lassen.

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Quelle: F.A.Z.
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Christoph Hein
Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
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