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Auf einen Espresso

Eintrittspreis fürs Neuland

Von Patrick Bernau
 - 12:51

Beliebte Reiseziele erheben Eintrittsgeld, so kennt man es seit Jahren. Ein Tag im Europapark Rust kostet 50 Euro pro Nase, ein Abend in der Mailänder Scala locker 150. Öffentliche Kunstmuseen sind oft kostenlos, zumindest in Großbritannien. Sie scheinen es nötig zu haben. Was sollen wir Touristen jetzt also von Japan denken? Immerhin wurde dort jetzt ein neues Gesetz erlassen: Dort muss zahlen, wer die Inseln verlassen will. 7,60 Euro werden fällig, und zwar sowohl für Touristen als auch für Japaner. Ist das in internationalen Reisezirkeln die Kennung für „Wir wissen, dass wir langweilig sind, aber nur ein bisschen“?

Dabei hat Japan touristisch einiges zu bieten: heiße Quellen, hohe Berge und historische Tempel. Sogar Klimaschützer könnten den weiten Flug mit ihrem Gewissen vereinbaren, immerhin kann man in Japan auch besichtigen, wie die Energiewende auch funktionieren kann: mit viel Wasserstoff und neuer Technik, die das anfallende Kohlendioxid im Boden versenkt. Deutschland bildet sich ja einiges ein auf seine exzellenten Ingenieure und Techniker, gleichzeitig stehen große Gruppen der Deutschen der Technik trotzdem nicht immer besonders freundlich gegenüber – das wäre doch eine Chance, diese Haltung zu überdenken.

Wie finanziert sich Facebook bloß?

In Amerika, da haben sie moderne Technik verstanden. Computer, das Internet und so. Amerika ist halt das Neuland. So denken wir in Deutschland zumindest oft. Dann nehmen wir abends das Smartphone zur Hand, gucken den Livestream der Vernehmung von Facebook-Chef Mark Zuckerberg im Senat – und hören den Republikaner Orrin Hatch nach dem Eintrittspreis zum Neuland fragen: „Herr Zuckerberg, wie halten Sie ein Geschäftsmodell am Leben, wenn Nutzer nicht für Ihre Dienste zahlen?“ Oder wir hören Brian Schatz, der fragt, was passiert, wenn man in Whatsapp eine E-Mail verschickt. Dass Whatsapp keine E-Mails zustellt und dass Facebook sich per Anzeigen finanziert, dass gerade das einer der wichtigsten Gründe für die Datenschutzbedenken ist: So viel hat inzwischen auch die Mehrheit der deutschen Bundestagsabgeordneten mitbekommen, selbst wenn sie in ihren Heimatwahlkreisen im Alten Land nicht überall schnelles Internet haben.

Ob Orrin Hatch besser angebunden ist? Er stammt aus Utah, und in Amerika sind die Leitungen ja auch nicht überall erster Klasse. Hatch selbst tritt übrigens zur nächsten Wahl nicht mehr an. Mancher seiner Parteikollegen tut es ihm gleich. Nicht immer ist klar, ob es den Politikern wirklich nur ums Alter geht oder ob sie zu viel Angst um ihre Wiederwahl haben, weil sie befürchten müssen, dass Donald Trump die Wähler in die Arme der Demokraten treibt. Wenn auf diese Weise ein paar zusätzliche Abgeordnete ins Parlament kommen, die sich im Neuland gut auskennen und zu einer verständigen Regulierung des Internets in der Lage sind, dann hätte Donald Trump, auf sehr indirekte Weise, tatsächlich etwas Gutes bewirkt.

Auch Tesla hat seine Probleme

Es ist nur die alte Ostküste, die solche Probleme mit der Technik hat, heißt es dann. An der modernen Westküste ist man quasi ganz räumlich im Neuland, da ist alles ganz anders! Jawoll, dort schläft Tesla-Gründer Elon Musk in seiner Fabrik, so twittert er jedenfalls, um die Produktion seines „Model 3“ nach vielen Monaten endlich richtig ans Laufen zu kriegen. Und während er da so über fehlende Produktion nachdenkt, scheint ihm eingefallen zu sein: Mensch, da fehlt ja ... noch ein Modell! Schon schließt Tesla Lieferverträge für die Produktion seines SUV im nächsten Jahr ab. Aber seien wir mal ehrlich: Ob es eine Produktion ist, die nicht läuft, oder ob da noch eine dazukommt – dem Umsatz ist das ziemlich egal, oder?

Schon sind wir wieder bei den Autos. Der jetzt ehemalige VW-Chef Matthias Müller jedenfalls musste kein Geld zahlen, um Volkswagen zu verlassen. Stattdessen dürfte er ungefähr 20 Millionen Euro mitbekommen. Da kann man auch noch mal daran denken, wer im VW-Konzern jetzt genau das Sagen hat. Das zeigt sich ja auch an der Karriere des neuen Personalvorstands Gunnar Kilian, der als Generalsekretär des Betriebsrats auf Arbeitnehmerseite gearbeitet hat und auf Kapitalseite als Büroleiter des damaligen VW-Patriarchen Ferdinand Piëch. So eine Karriere macht man wohl tatsächlich nur im VW-Konzern, wo die Macht nicht wirklich beim Management liegt. Sondern bei den Gewerkschaften, der Familie und der Politik. Genau sie waren es, die Müller dieses Geld zugesagt haben.

Quelle: F.A.Z.
Patrick Bernau
Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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