Autonomes Fahren

Arbeitet Apple doch an einem eigenen Auto?

Von Roland Lindner
22.12.2020
, 17:12
Angeblich will der iPhone-Hersteller schon 2024 ein Elektrofahrzeug herausbringen. Sein geheimnisumwittertes Autoprojekt hat allerdings eine sehr wechselhafte Geschichte.

Die seit Jahren kursierenden Spekulationen um ein mögliches Auto von Apple haben neue Nahrung erhalten: Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, der iPhone-Hersteller peile an, im Jahr 2024 ein eigenes Elektrofahrzeug auf den Markt zu bringen. Es solle mit einer Batterietechnologie ausgestattet sein, die eine höhere Reichweite ermögliche, deutlich weniger koste und einen „Durchbruch“ darstelle. Apple arbeite auch weiter an einer Technologie für autonomes Fahren, heißt es in dem Bericht weiter.

Die angeblichen Ambitionen von Apple im Automarkt sorgen seit Jahren für Gesprächsstoff und sind geheimnisumwittert, ein konkretes marktreifes Produkt gibt es allerdings bis heute nicht. Vor fünf Jahren berichteten Medien zum ersten Mal über ein Autoprojekt von Apple mit dem Codenamen „Titan“. Das schreckte die ganze Branche auf. Schließlich ist der Konzern in der Lage, gewaltige finanzielle Ressourcen zu mobilisieren, wenn er in einen Markt einsteigen will.

Apple selbst hat sich zu seinen Plänen bislang strikt bedeckt gehalten. Allerdings bestätigte der Konzern, an autonomen Fahrtechnologien zu arbeiten. Hinzu kommt: Seit einiger Zeit testet das Unternehmen auch selbstfahrende Autos auf kalifornischen Straßen.

Was dabei aber die Strategie ist, dazu gab es in den vergangenen Jahren sehr unterschiedliche Indizien. Erst hieß es, Apple habe vor, ein eigenes Fahrzeug zu bauen, eine Art automobile Version seines langjährigen Verkaufsschlagers iPhone. Zwischenzeitlich kursierten auch Gerüchte, der Konzern sei an der Übernahme des Sportwagenherstellers McLaren interessiert. Dann berichteten Medien vor vier Jahren, der interne Plan für ein eigenes Auto sei vorerst auf Eis gelegt worden und Apple wolle sich zunächst darauf konzentrieren, ein System für autonomes Fahren zu entwickeln.

Prominente Verstärkung

Gleichzeitig wurde aber gemeldet, Apple habe in seiner Autogruppe mehrere hundert Stellen abgebaut, später wurde eine weitere Entlassungsrunde bekannt. Zeitweise hieß es sogar, das Vorhaben beschränke sich weitgehend darauf, ein innerbetriebliches Transportmittel zu entwickeln, das Mitarbeiter beim Pendeln zwischen verschiedenen Apple-Standorten hin- und herchauffiert.

Andererseits hat das Unternehmen aber auch prominente Verstärkung für sein geheimnisumwittertes Projekt verpflichtet. So wurde etwa 2018 Doug Field rekrutiert. Der Neuzugang hatte bis dahin fünf Jahre beim Elektroauto-Hersteller Tesla gearbeitet. Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete zudem vor Wochen, das Projekt sei Senior Vice President John Giannandrea unterstellt worden, der im Konzern für Aktivitäten rund um die Künstliche Intelligenz verantwortlich ist und direkt an Vorstandschef Tim Cook berichtet. Doug Field führe weiter das Tagesgeschäft der Autogruppe.

Dem jetzt veröffentlichten Reuters-Bericht zufolge ist es weiter möglich, dass Apple letztlich seine Anstrengungen darauf beschränkt, ein autonomes Fahrsystem zu entwickeln, das dann in Autos von traditionellen Herstellern untergebracht wird. Ziel sei es nun aber, ein eigenes Auto herauszubringen. Unklar sei noch, wer es fertigen würde, doch es sei zu erwarten, dass Apple dabei auf einen Auftragshersteller zurückgreifen werde.

Auch der Apple-TV kam nie auf den Markt

In der Vergangenheit gab es schon einmal Gerüchte über eine entsprechende Partnerschaft mit dem Magna-Konzern, Gespräche darüber verliefen nach Reuters-Angaben aber im Sande. In seinen Batterien will Apple dem Bericht zufolge ein sogenanntes „Monozellen“-Design verwenden, das mehr Platz für aktives Batteriematerial schafft und damit eine höhere Reichweite ermöglicht. Apple prüfe außerdem den Einsatz von Lithium-Eisenphosphat in seinen Batterien, eine Variante von Lithium-Ionen-Akkus, die weniger zur Überhitzung neigen und daher sicherer sein soll.

Branchenanalyst Gene Munster von der Wagniskapitalgesellschaft Loup Ventures sagte, ein etwaiges Apple-Auto sei eher eine Bedrohung für traditionelle Autohersteller als für Tesla. Seine Sicht begründet er mit dem Umstand, dass Tesla wohl in fünf Jahren einen Anteil von einem Drittel am Markt für Elektroautos halten werde. Bis dahin werden Elektrofahrzeuge nach seiner Einschätzung für annähernd 30 Prozent des gesamten Automarktes stehen.

Experte Munster wies aber ausdrücklich darauf hin, dass die Einführung eines Apple-Autos keineswegs ausgemachte Sache sei. Auch ein angeblicher Fernseher von Apple, über den über Jahre spekuliert wurde, sei bis heute nicht auf den Markt gekommen. „Nur weil Apple an einem Produkt arbeitet, heißt das nicht, dass es das Tageslicht sehen wird.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenportät / Lindner, Roland
Roland Lindner
Wirtschaftskorrespondent in New York.
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