Deutsche Bahn

Tagelange Verspätungen im Güterverkehr

Von Corinna Budras
14.06.2022
, 18:38
Ob im Güter- oder Personenverkehr: Die Deutsche Bahn steht derzeit vor einem Kollaps der Systeme.
Im Güterverkehr stehen Hunderte Züge auf freier Strecke, die Industrie wartet händeringend auf ihre bestellten Produkte. Der Bahnkonzern kommt nicht voran. Das Bundesverkehrsministerium erwartet jetzt Lösungen.
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Das Bundesverkehrsministerium erhöht den Druck auf das Management der Deutschen Bahn, die chaotischen Zustände im Schienenverkehr bald in den Griff zu bekommen. Während viele Kunden im Fernverkehr teilweise über stundenlange Verspätungen klagen, ist die Situation im Güterschienenverkehr noch deutlich dramatischer.

Dort sind selbst tagelange Verspätungen inzwischen keine Seltenheit mehr. Derzeit stünden 300 Züge mindestens einen Tag teilweise auf freier Strecke herum, in einzelnen Fällen sogar bis zu zwei Wochen, heißt es aus der Branche. Die Lokführer müssten die Züge dann auf Überholgleisen parken und sich auf die nächste Straße durchkämpfen, um irgendwie nach Hause zu kommen.

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Die Gründe dafür sind vielschichtig: Das Baustellenmanagement der Deutschen Bahn gilt schon seit Jahren als schlecht und ineffektiv, hinzu kommt eine mangelhafte Kommunikation und Koordination. Ein Lokführer berichtet, dass er stundenlang damit beschäftigt sei, Züge ausfindig zu machen, anstatt sie planmäßig über die Schienen zu lenken.

Theurer: „Wir brauchen dringend eine Inventur“

„Die Situation hat sich in den letzten Wochen dramatisch zugespitzt“, sagt der Beauftragte der Bundesregierung für den Schienenverkehr, Michael Theurer (FDP), im Gespräch mit der F.A.Z. „Wir brauchen dringend eine Inventur und dann eine Generalsanierung. Es muss unter dem rollenden Rad saniert werden.“

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In der vergangenen Woche fand ein Krisengespräch zwischen dem Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Deutschen Bahn statt, weil die Kunden nicht mehr gewillt sind, wochenlang auf Produkte zu warten. Dabei soll zumindest Einigkeit bestanden haben, dass sich etwas ändern müsse, heißt es aus Teilnehmerkreisen. Doch es fehlt allerorten die Zuversicht, dass dies bald geschehen kann.

Die Warnung an das Bahn-Management trifft den Konzern in einer Zeit, in der der Staatskonzern durch das 9-Euro-Ticket und durch die ambitionierten Ziele der Politik für die Steigerung der Passagier- und Güterverkehrszahlen in arger Bedrängnis ist. Ende April hat der bisherige Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla sein Amt niedergelegt, seitdem wird ein Nachfolger gesucht. „Es warten riesige Aufgaben auf den neuen Infrastrukturvorstand“, sagt Theurer. „Von ihm erwarte ich eine schonungslose Bestandsaufnahme, die auch veröffentlicht werden muss.“

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Quelle: F.A.Z.
Autorenportät / Budras, Corinna
Corinna Budras
Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.
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