Wegen Corona-Lockdown

E-Scooter-Verleiher Wind gibt in Deutschland auf

Von Falk Heunemann
15.01.2021
, 12:10
Lockdown, Homeoffice und kaltes Wetter machen auch den E-Scooter-Verleihern zu schaffen. Anbieter Wind gibt den letzten Standort in Deutschland auf. Auch die Zukunft des Europa-Zentrallagers in Langen steht in Frage.

Anderthalb Jahre nach dem E-Scooter-Boom sortiert sich wegen der Coronakrise der Markt neu: Der Berliner Anbieter Wind hat nun angekündigt, sich auch aus Frankfurt zurückzuziehen. Die Stadt ist die einzig verbliebene in Deutschland, in der die gelben Wind-E-Scooter noch genutzt werden konnten. Das Unternehmen werde bis Ende Februar die verbliebenen Fahrzeuge einsammeln und sie in südlichere Länder bringen, teilte ein Unternehmenssprecher mit, unter anderem nach Italien und Israel. Eine Rückkehr auf den deutschen Markt nach der Corona-Krise sei „momentan nicht geplant“.

Wind gehörte zu den Spätstartern in Deutschland. Während Konkurrenten wie Tier, Bird und Lime schon kurz nach der Legalisierung der E-Scooter Mitte 2019 ihre Flotten in deutschen Großstädten verteilt hatten, zog das Berliner Unternehmen, das unter anderem von Holtzbrinck Ventures und einem chinesischen Investor finanziert wird, erst im Frühjahr 2020 nach. Unter anderem tauchten die gelben Roller in Mainz, Wiesbaden und Frankfurt auf. Aus den Landeshauptstädten von Hessen und Rheinland-Pfalz hatte sich Wind bereits im Herbst zurückgezogen, dort habe die Firma nicht die erhofften Kundenzahlen erreicht, hieß es. Nun folgt der Rückzug aus Frankfurt.

Gegenwind in Frankfurt

In Langen in der Nähe des Frankfurter Flughafens betreibt das Unternehmen ein Zentrallager, vom dem aus es andere europäische Märkte mit Scootern beliefert, die per Container aus China importiert wurden. Dieses Europa-Drehkreuz bleibe vorerst bestehen, teilte ein Wind-Sprecher mit, „in den kommenden Wochen und Monaten“ werde man aber prüfen, ob es an diesem Ort sinnvoll sei. Die Wind-Zentrale in Berlin mit rund 50 Beschäftigten sei von den Rückzugsplänen nicht betroffen. Weltweit beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben 130 Mitarbeiter, um die Wartung und Aufladung der Flotten hatten sich externe Dienstleister gekümmert.

Im Sommer hatte Wind 1600 Scooter in Frankfurt, zuletzt waren es 800 bis 900. „Dass es auf diesem Markt früher oder später zu einer Marktkonsolidierung kommen wird, ist für mich keine Überraschung,“ kommentierte der Frankfurter Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) die Entscheidung des Unternehmens. Er hat zuletzt Vorgaben gegen das Durcheinander von herumliegenden Scootern angekündigt.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Heunemann, Falk
Falk Heunemann
Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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