Oberweser-Schiffer in Sorge

Edersee nur halb so voll wie vor einem Jahr

14.01.2021
, 10:06
Die Oberweser ist bereits im Januar auf Wasser aus dem Edersee angewiesen. Das ist ungewöhnlich und ein schlechtes Vorzeichen für den Sommer. Der Interessenkonflikt ums Wasser könnte sich zuspitzen.

Der relativ trockene Winter bringt die Schifffahrt auf der Oberweser in eine Ausnahmesituation. Wegen Niedrigwassers muss der Fluss bereits im Januar mit Wasser aus dem nordhessischen Edersee gestützt werden. Das sei für diese Jahreszeit ungewöhnlich, sagte ein Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt im niedersächsischen Hann. Münden. Das Problem: Auch der Edersee ist vergleichsweise leer. Ohne starke Niederschläge könnte sich der Konflikt um das Wasser des Stausees zuspitzen.

Das Wasser ist ein Politikum. Denn es ist zum einen für den Tourismus und Wassersport der nordhessischen Ferienregion wichtig. Zum anderen soll es aber auch über Eder und Fulda in die Oberweser fließen. Dort gibt es Fähren, Schiffstransporte und eine touristische Schifffahrt.

Wasser lange im Edersee halten

Daher wird seit Jahren darum gerungen, wie viel Wasser zu welchem Zeitpunkt durch die Staumauer fließt. Der gewohnte Ablauf: Im Winter füllt sich der See. Im Sommer wird das Wasser dann nach und nach abgegeben. Die aktuelle Strategie ist, möglichst lange Wasser im Edersee zu halten. Für die Weser werden dabei niedrigere Pegelstände von 1,15 Metern in Kauf genommen.

Doch dieser Sparmodus ist nun schon im Winter nötig. Dabei war der Edersee zuletzt nur zu 35 Prozent gefüllt. Das entsprach rund 70 Millionen Kubikmeter Wasser. Laut dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt war es vor einem Jahr die doppelte Menge.

An eine Situation wie diese kann sich Rolf-Jürgen Foellmer nicht erinnern. Er ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft Oberweser/Eder-Diemelsee im niedersächsischen Holzminden. Auch wenn seit einigen Tagen die Weser mit Wasser aus dem Edersee gestützt werde, sei es zuletzt zu wenig für Kiesabbau gewesen. Dieser erfolgt an der Weser mit Schwimmbaggern. Auch der Transport sei nur mit speziellen Schiffen und kleineren Mengen möglich gewesen.

„Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Die Auswirkungen auf den Fährbetrieb sind unübersichtlich – auch weil viele in der Winterpause sind. „Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass viel Fährbetrieb möglich ist“, erklärte Foellmer. Wenn der Edersee sich nicht bis Frühjahr fülle, werde die Situation schwierig. „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

Auch im nordhessischen Reinhardshagen schaut man sorgenvoll auf den Fluss. Dort geht es ohne Brücke mit einer Fähre ins gegenüberliegende Niedersachsen. Im Sommer habe es große Probleme durch die Trockenheit gegeben, sagte Bürgermeister Fred Dettmar (UWG). Die Transport-Kapazitäten hätte wegen des Niedrigwassers reduziert werden müssen. Zuletzt lief der Fährbetrieb dort – auch dank des Edersee-Wassers. Zufriedenstellend sei die Situation aber nicht: „Das Wasser, das jetzt nicht kommt, fehlt uns im Sommer.“

Laut dem hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie fehlten im Dezember rund sieben Prozent der sonst üblichen Regenmengen. Noch deutlicher wird die Trockenheit beim Blick auf das gesamte Jahr 2020. Mit 657 Millimetern habe es 19 Prozent weniger Niederschlag gegeben als im langjährigen Vergleichszeitraum. Es sei in Hessen das dritte zu trockene Jahr in Folge. Ursache für Niedrigwasser war laut dem Landesamt nicht nur der fehlende Regen: Durch die trockenen Vorjahre sei der Zufluss aus Bodenschichten an Gewässer geringer als üblich gewesen. „Inwieweit sich die Gewässer langfristig von der Trockenheit der vergangenen Jahre erholen werden, ist von der zukünftigen Wetterentwicklung abhängig“, sagte eine Sprecherin.

Quelle: dpa
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