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Aktion „JAA zur IAA“

Endspurt im Wettkampf um die Automobil-Ausstellung

Von Falk Heunemann
Aktualisiert am 16.01.2020
 - 16:30
Massenwirksam: Die IAA zieht trotz eines 2019 erlittenen kräftigen Besucherrückgangs noch Hunderttausende an – auch in Zukunft in Frankfurt?
Eine digitale Kampagne soll den Verband der Fahrzeughersteller überzeugen, die Automesse in Frankfurt zu belassen. Noch hat die Stadt acht Tage Zeit.

Nun wirbt sogar Momo für Frankfurt. Sie kenne, sagt die heute 44 Jahre alte Schauspielerin Radost Bokel, nur wenige Städte, in denen es auf engem Raum so viele Möglichkeiten gebe, sich fortzubewegen: Auto, Bahn, Straßenbahn, E-Scooter. Das spreche doch ganz klar dafür, dass auch in Zukunft die Internationale Automobilmesse IAA, die eine Mobilitätsmesse werden soll, in Frankfurt stattfinden müsse. „Wo auch sonst, bitteschön?“

Bokel, die 1986 durch den Kinderfilm „Momo“ bekanntwurde und in Rodgau lebt, ist eine von gut einem Dutzend Unterstützern, den die Frankfurter Wirtschaftsförderung für ihre Kampagne „JAA zur IAA“ präsentiert – unter diesen Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, die Unternehmerin Nicole Ruppel und die Initiatoren des Grüne-Soße-Festivals. „Frankfurt will die IAA, Frankfurt liebt die IAA, Frankfurt sagt Jaa zur IAA“ sind ihre Testimonials auf der neuen Internetseite Frankfurt-sagt-jaa.de überschrieben, unterbrochen von Videos mit Zügen, Autos und jungen Menschen, die jauchzend über eine Mainbrücke tanzen.

Bislang einmalige Kampagne

Die Seite und der Aufruf (siehe Kasten) sind Teil einer bundesweit bislang einmaligen Kampagne, mit der Frankfurt in den Endspurt um die Bewerbung für die Ausrichtung der nächsten drei Weltautomessen geht. Insgesamt sieben Städte haben beim ausrichtenden Autoherstellerverband VDA wegen der Messe vorgesprochen: Berlin, Hamburg, Köln, München, Stuttgart und seit kurzem Hannover. „Die Messe hat für die Stadt eine große ökonomische Bedeutung“, betont Oliver Schwebel, Geschäftsführer der Frankfurter Wirtschaftsförderung. „Ich bin sehr guter Dinge, dass wir die Hersteller überzeugen können.“

Umgesetzt wird die Bewerbungskampagne von der Frankfurter Werbeagentur Atelier Markgraph. Sie hatte bereits mehrfach für städtische Einrichtungen gearbeitet, auch den ungewöhnlichen IAA-Auftritt von Mercedes in der Festhalle mitgestaltet, der unter dem Motto „Beyond the Car“ stand – mehr als nur Auto. Gut eine Viertelmillion lässt sich die Stadt die Bewerbung angeblich kosten. Die Aktion „JAA zur IAA“ wird darüber hinaus von der Wirtschaftsförderung finanziert.

Wenig werbewirksame Bilder

Dass Frankfurt überhaupt um die Ausrichtung der Messe bangen muss, die auch mit dem Rekordtief von gut einer halben Million Besuchern noch immer die größte Publikumsmesse Deutschlands ist, liegt auch an den wenig werbewirksamen Bildern, die aus der Stadt bis vor kurzem zu sehen waren. Etwa von Tausenden Bürgern, die vor den Messehallen demonstrierten, oder von Aktivisten, die Eingänge blockierten. Aber auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hatte mit der Veröffentlichung eines messekritischen Textes einen Tag vor der Eröffnung bundesweit nicht den Eindruck erzeugt, dass Frankfurt Ja zur IAA sagt.

Viel schwerer jedoch wiegt, dass die deutschen Hersteller auf der Suche nach einem völlig neuen Messekonzept sind. Denn viele Besucher blieben auch deshalb fern, weil zuletzt immer mehr bekannte Autokonzerne abgesagt hatten – nicht etwa wegen der Proteste, sondern weil sie andere Marketingkonzepte für preiswerter und wirksamer halten. Volvo etwa bevorzugt die Fashion Week in Berlin, Mazda den Mobile World Congress in Barcelona. Mercedes, Audi und Jeep zeigten sich gerade erst bei der Heimelektronikmesse CES in Las Vegas. Autos seien Lifestyle, wollen sie damit kommunizieren.

Ein Trend weg vom Auto ist, trotz aller gegenteiliger Behauptungen, nicht zu erkennen: Allein in Deutschland wurden 2019 fünf Prozent mehr Neuwagen als ein Jahr zuvor verkauft – 93 Prozent davon mit Benzin- oder Dieselmotor.

Die IAA müsse sich zur Mobilitätsmesse weiterentwickeln, hat der Verband dennoch den Bewerbern aufgetragen, und sie sollen die Städte für Werbeaktionen öffnen. In Frankfurt könnte es einen „Open Space“ in der Stadt ohne Eintritt geben, etwa am Mainufer, an der Hauptwache oder am Stadion. Frankfurt profitiere besonders von der Nähe des Messegeländes zur Innenstadt, meint Wirtschaftsförderer Schwebel: In Berlin, München, Stuttgart und Hannover etwa sind die Hallen weit außerhalb. Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU), der die Federführung der Bewerbung hat, schlug überdies vor, die gesamte Region einzubeziehen.

Das und einiges mehr werden Frank, Vertreter der Messe, der Landesregierung und der Agentur nächste Woche in Berlin vorschlagen. Dann sollen Repräsentanten aller Bewerberstädte in der Verbandszentrale in Berlin auftreten, um dort an zwei Tagen in jeweils anderthalb Stunden ihre Konzepte vorzustellen. Im März wird dann wohl entschieden, ob auch die Autohersteller „JAA zur IAA“ in Frankfurt sagen.

Appell an die Autobranche

Appell an die Autobranche Die Frankfurter Wirtschaftsförderung hat eine „Mobilitäts-Botschaft“ verfasst, die an den IAA-Ausrichter VDA gerichtet ist. Auszüge: „Im Umkreis von 200 Kilometern um Frankfurt am Main leben 35 Millionen Menschen, die einen Großteil der deutschen Wirtschaftskraft repräsentieren. Unsere Stadt und die Messe bieten innovative Lösungen, um den Ansprüchen von Ausstellern und Publikum verlässlich zu entsprechen. In den Augen vieler Frankfurter gehört die IAA zu unserer Stadt und Region wie der Römer, der Apfelwein und die Eintracht: Die IAA ist für unsere Bürger nicht nur eine Messe, sie ist ein Teil ihrer lokalen Identität . . . Frankfurt und die Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main sind das europäische Mobilitätsdrehkreuz. Wer, wenn nicht wir wissen daher, dass Mobilität völlig neu gedacht werden muss. Dass es eine Revolution braucht. Lassen Sie uns gemeinsam die Stadt, in der die Paulskirche als Sitz des ersten deutschen Parlaments stolz inmitten des Zentrums steht, zum Symbol machen für neue Mobilität und den demokratischen Dialog darüber . . . Wir wissen: Frankfurt kann IAA. Frankfurt will IAA. Frankfurt liebt die IAA. Frankfurt sagt JAA zur IAA!“
Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Heunemann, Falk
Falk Heunemann
Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.
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