<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
Fusion unter Bahnkonzernen

Alstom übernimmt Bombardier

Von Christian Schubert, Paris
Aktualisiert am 17.02.2020
 - 18:33
Blick auf einen französischen TGV aus einer Alstom-Fabrik in Belfort
Bombardier muss wegen hoher Schulden an den Rivalen Alstom verkaufen. Der neue Konzern soll bessere Aussichten auf Genehmigung der EU-Kommission haben als die Fusion mit der Siemens-Bahnsparte. Deutsche Gewerkschaften sind alarmiert.

Nachdem der deutsch-französische Versuch zum Bau eines europäischen Bahnkonzerns 2019 gescheitert war, kommt es nun zu einem transatlantischen Anlauf: Die vorläufige Vereinbarung zur Übernahme des kanadischen Herstellers Bombardier Transportation durch den französischen Konkurrenten Alstom stand am Montag vor dem Abschluss, wie aus Industriekreisen verlautete. Zuvor hatte Alstom die Gespräche offiziell bestätigt.

Im vergangenen Jahr hatte die EU-Kommission Siemens und Alstom den Zusammenschluss untersagt, weil sie eine marktbeherrschende Stellung befürchtete. Im Lager der deutschen Gewerkschaften löste die bevorstehende Übernahme große Befürchtungen aus: „Wir haben ein schlechtes Bauchgefühl“, sagte Betriebsratschef Thomas Ueckert im Alstom-Werk von Salzgitter der F.A.Z. Im globalen Vergleich sind die Unternehmen mit rund 35.000 Mitarbeitern etwa gleich groß, doch in Deutschland müssten die 2600 Alstom-Beschäftigten mit den 6500 Mitarbeitern von Bombardier integriert werden.

Es gäbe erhebliche Überschneidungen bei Regionalzügen, U- und Straßenbahnen. „Und Bombardier hat mehr Kapazitäten in Ostdeutschland, wo die Löhne weiter niedriger sind“, sagt Ueckert. Er könnte nicht ausschließen, dass Alstom verschiedene Arbeiten wie den Bau von Drehgestellen an einzelnen Standorten konzentriere. Das könnte zulasten des Werkes in Salzgitter gehen, das heute weniger spezialisiert sei.

Bombardier hat mit Softwareproblemen zu kämpfen

Darüber hinaus befinde sich Bombardier als Unternehmen in einem schlechten Zustand. Dass die Deutsche Bahn kürzlich die Abnahme von 25 doppelstöckigen Intercity-Zügen von Bombardier vom Typ IC2 verweigert hat, offenbare die Misere bei den Kanadiern. Softwareprobleme wurden für die Mängel verantwortlich gemacht. „Alstom kauft ein angeschlagenes Unternehmen“, fasst Ueckert zusammen.

Die Übernahme könnte zu weiteren Verlagerungen an Billigstandorte führen. Ohnehin werde Salzgitter in absehbarer Zeit seinen Status als konzerngrößtes Werk von Alstom zugunsten von Katowice in Polen verlieren. „So kann der Kunde sagen: ‚Ich kaufe erstmal billig ein. Dass er wegen Qualitätsproblemen danach vielleicht zwei- oder dreimal nachkaufen muss – darüber redet keiner mehr“, klagt Ueckert.

Nach der geplanten Übereinkunft übernimmt der französische Hersteller den kanadischen Konkurrenten für einen einstelligen Milliarden-Betrag, der in den vergangenen Tagen auf rund 7 Milliarden Dollar geschätzt worden war. Die Summe soll weitgehend in bar gezahlt werden und dem kanadischen Unternehmen aus der Schuldenfalle helfen, in der er seit längerem steckt.

Diesmal könnten die Aussichten vor den Wettbewerbsbehörden größer sein

Im Zuge der Übernahme könnte die staatliche Beteiligungsgesellschaft von Quebec als Bombardier-Aktionär größter Alstom-Anteilseigner mit 15 bis 20 Prozent des Alstom-Kapitals vor dem französischen Baukonzern Bouygues werden. Als Vorstandsvorsitzender ist der französische Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge vorgesehen, der auch das Gespann von Siemens und Alstom führen sollte. Die Beteiligten erwarten wie im vergangenen Jahr eine gründliche Kartellprüfung durch die EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, doch diesmal halten sie die Chancen einer Genehmigung für höher, weil es sich um eine Übernahme und nicht eine Fusion unter Gleichberechtigten handele.

Daher habe Alstom als Käufer mehr Freiheiten, den Verkauf einzelner Sparten anzubieten, um die Wettbewerbsbedenken auszuräumen, hieß es in Paris. Zudem gebe es zwischen beiden Unternehmen keine Überschneidungen bei Hochgeschwindigkeitszügen, die Bombardier nicht baut. Auch in der Signaltechnik habe Bombardier wenig zu bieten. Geographisch seien die Kanadier stärker auf Nordamerika und Asien ausgerichtet und Alstom auf Europa. Allerdings liegen die Marktanteile der beiden Unternehmen im gemeinsamen Bahngeschäft kaum unter den Anteilen von Alstom und Siemens.

Die Idee einer Übernahme gefällt den Anlegern derzeit gut

Bombardier hatte wenig andere Optionen als den Verkauf des Transportgeschäfts. Das mit rund 10 Milliarden Dollar verschuldete Unternehmen aus Kanada hat sich mit der Entwicklung von Passagiermaschinen, der C-Serie, verhoben. Sie sind inzwischen an Airbus abgetreten worden, wo sie A-220 heißen.

Nach dem Verkauf des Bahngeschäfts wird sich Bombardier im Wesentlichen nur noch auf den Bau von Geschäftsflugzeugen der Marken Learjet, Challenger und Global Aircraft konzentrieren. Die Alstom-Aktie gewann am Montag zeitweise rund 4 Prozent; sie steigt einer knappen Woche, der Titel von Bombardier befindet sich auch in einem Aufwärtstrend.Am Montag gab er jedoch 1,2 Prozent ab.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schubert, Christian
Christian Schubert
Wirtschaftskorrespondent in Paris.
Twitter
  Zur Startseite

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.