Trotz gut laufendem Corsa

Opel büßt ein Drittel seines Neuwagenabsatzes ein

Von Thorsten Winter
14.01.2021
, 12:09
Der Rüsselsheimer Autobauer Opel hat ein schwaches Jahr hinter sich, zumindest gemessen am Neuwagenabsatz. Einen Lichtblick stellt der neue Corsa dar.

Die Jahresbilanz von Opel steht noch aus. Ein Wert fällt aber schon deutlich schlechter aus als vor einem Jahr: Der Autobauer aus Rüsselsheim hat 2020 gut ein Drittel weniger Autos verkauft als in den zwölf Monaten zuvor. Wie der französische Mutterkonzern PSA berichtet, hat keine Marke des Unternehmens einen stärkeren Einbruch hinnehmen müssen. Zudem hat kein größerer deutscher Hersteller hierzulande ein ähnliches Minus zu verkraften. Einen Lichtblick stellt der neue Corsa dar. Nach der Markteinführung des runderneuerten Modells im Herbst führt er in Deutschland das Kleinwagensegment an. Das ergibt sich aus Daten des Kraftfahrt-Bundesamts.

Nach Angaben von PSA sind die Neuwagenverkäufe von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall um 38,3 Prozent im Vergleich zu 2019 eingebrochen. Mit der Marke Peugeot ging es um 24 Prozent abwärts, mit Citroen um 28 Prozent und mit DS um 29 Prozent. Diese Zahlen gelten für das europäische Geschäft. Nach 936.321 Autos im Vorjahr hat die Marke mit dem Blitz nun 577.518 verkauft. Das weltweite Geschäft ging um 35 Prozent von 973.431 auf 632.687 Einheiten abwärts. Im Verkaufsgebiet Mittlerer Osten und Afrika zogen die Verkäufe hingegen um 48,9 Prozent an. Dort profitiert Opel von neu erschlossenen Märkten.

Daten keine Überraschung

Die schwachen Zahlen in Europa sind aber keine Überraschung. Das Kraftfahrt-Bundesamt weist seit Monaten entsprechende Daten aus. Nach seiner Statistik hat Opel 2020 auf dem Heimatmarkt 32,2 Prozent weniger Neuwagen abgesetzt als 2019. Dies hat mehrere Gründe: Seit der Übernahme durch PSA konzentriert sich Opel nach eigenen Angaben auf den Absatz profitabler Wagen. Fünf Modelle, von denen die Marke im Vorjahr noch 150.000 Einheiten verkauft hatte, liefen aus.

Wegen der Corona-Krise standen wochenlang die Bänder still, Autohäuser waren geschlossen. Käufer hielten sich zudem zurück. Die Verkäufe des Corsa zogen erst nach dem Modellwechsel an. Dabei ist der Kleinwagen neben dem Kompaktfahrzeug Astra, das mit Abstand am meisten verkaufte Modell der Hessen. Der in Rüsselsheim hergestellte Insignia verkaufte sich über Monate angesichts des Modellwechsels nicht gut, zudem gehört er dem Mittelklassewagen-Segment an, das anders als das SUV-Segment nicht zu den Käuferfavoriten zählt.

Der neue Corsa hat es aber rasch an die Spitze seiner Klasse geschafft. Das Kraftfahrt-Bundesamt weist für den Dezember ein Plus der Zulassungen um 148 Prozent aus im Vergleich zum Vorjahresmonat aus. In Zahlen sind es 5700 Einheiten gewesen. Ansonsten taucht Opel in keinem Segment vorne auf.

Verkäufe ziehen wieder an

Zur Absatz-Bilanz teilte Opel mit: „In den letzten Monaten des Jahres 2020 hat Opel beim weltweiten Absatz einen Aufwärtstrend verbucht. Wir haben starke innovative Modelle.“ Ein aktuelles Beispiel sei auch die batterieelektrische Version des neuen Corsa, die kürzlich in Deutschland das Goldene Lenkrad gewonnen habe.

Dennoch schrieb Opel schon im ersten, absatzschwachen Halbjahr schwarze Zahlen: „Auch Opel/Vauxhall bleibt profitabel: Wir haben es geschafft, einen operativen Gewinn von 110 Millionen Euro beizusteuern. Das entspricht einer operativen Marge von zwei Prozent“, teilte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Michael Lohscheller, im Juli mit. Die Bilanz des Gesamtjahres steht weiter aus; einen Termin teilt PSA noch mit.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Winter, Thorsten (thwi)
Thorsten Winter
Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot