Schiersteiner Brücke

Wasser für den Brückenschluss

Von Oliver Bock, Wiesbaden
23.01.2021
, 11:01
Eine Passivkonstruktion wird das vierte Bauteil für die Schiersteiner Brücke auf dem Rhein zur Baustelle transportieren. Zum Jahresende soll dann alles fertig sein.

Der Neubau der Schiersteiner Brücke biegt in der nächsten Woche auf die Zielgerade ein. Dann wird im Mombacher Flussarm das vierte und letzte Brückenbauteil eingeschoben. Das 120 Meter lange und 2000 Tonnen schwere Bauteil war am Schiersteiner Rheinufer für diesen Schritt vormontiert worden. Nach den jüngsten Schnee- und Regenfällen führt der Rhein endlich genügend Wasser für die Aktion. Allerdings kann der für Donnerstag geplante Einschwimmvorgang mit Rücksicht auf Pegelstand und Fließgeschwindigkeit des Rheins sowie die Windstärke noch kurzfristig verlegt werden.

Darauf weist erstmals nicht die Verkehrsbehörde Hessen Mobil, sondern die neue Autobahn GmbH des Bundes hin. Deren „Niederlassung West“ mit Sitz in Montabaur hat zum Jahresbeginn als eine von deutschlandweit zehn Niederlassungen ihre Arbeit aufgenommen. Im Westerwald fallen nun die wichtigsten Entscheidungen hinsichtlich Planung, Bau, Unterhalt und Betrieb aller südhessischen, rheinland-pfälzischen und saarländischen Autobahnen.

Mit 1500 Streckenkilometern betreut die Niederlassung West bundesweit aktuell das größte Autobahnnetz. In ihrer Zentrale, den fünf Außenstellen sowie 22 Autobahnmeistereien, zwei Verkehrszentralen und drei Fachstellen für Informationstechnik sollen künftig mehr als 1400 Mitarbeiter beschäftigt werden. In deren Zuständigkeit fällt nun auch die Brücke im Zuge der Autobahn A 643.

Mit dem Neubau der ursprünglich 1962 errichteten Schiersteiner Brücke war 2013 begonnen worden. Bei den täglich 90.000 Auto- und Lastwagenfahrern unvergessen ist die Havarie in der Bauphase zu Beginn des Jahres 2015, die eine wochenlange Sperrung und ein Verkehrschaos im Westen des Rhein-Main-Gebiets zur Folge hatte. Die westliche Brückenhälfte war 2017 fertiggestellt und freigegeben worden. Sie nimmt seither auf vier Spuren den Verkehr über den Rhein auf. Bis zum Jahresende soll nun auch die östliche Brückenhälfte fertigstellt sein und in Betrieb genommen werden. Dann stehen wieder in beiden Fahrtrichtungen jeweils sechs Spuren mit Standstreifen sowie Fuß- und Radweg zur Verfügung.

Anders als ihre Vorgängerin, die nach rund fünf Jahrzehnten wegen Materialermüdung in einem statisch komplexen Verfahren abgerissen werden musste, sollen die beiden neuen Brückenhälften sogar 100 Jahre halten. Rein rechnerisch ist jede der sechs Fahrbahnen plus die beiden Standstreifen für bis zu 15.000 Fahrzeuge täglich ausgelegt.

Für den Neubau hatten Pfeiler mit einem Durchmesser von 1,80 Metern bis zu 33 Meter tief in den Boden getrieben werden müssen. Insgesamt wurden 36.000 Tonnen Stahl verbaut.

Für Steffen Bilger (CDU), den parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, bedeutet der bevorstehende Einhub des Brückenteils einen „Meilenstein auf dem Weg zur endgültigen Fertigstellung“. Es gehe um einen „für die gesamte Region unverzichtbaren und zukunftsorientierten Brückenschlag“. Laut Bilger investiert der Bund rund 216 Millionen Euro in den Neubau. Dieses Geld sei gut angelegt, weil es die Verkehrsverhältnisse deutlich verbessere und positive Akzente für die regionale Wirtschaft in Wiesbaden und Mainz setze.

Schifffahrt wird vorübergehend komplett gesperrt

Für das Einschwimmen und Einheben des Brückenteils sind insgesamt vier Tage vorgesehen. Los geht es am Montag, wenn ein Ponton das Brückenelement übernimmt. Danach führt die Fahrt flussabwärts um die Rheininselspitze „Rettbergsaue“ herum und weiter flussabwärts bis zur Endposition im Mombacher Arm. In dieser Zeit wird die Schifffahrt auf dem Rhein zeitweise komplett gesperrt. Danach wird das Brückenbauteil auf das vorgesehene Niveau angehoben und eingepasst.

Der weitere Bauablauf sieht Schweiß- und Korrosionsschutzarbeiten sowie Abdichtungen auf der gesamten Brückenoberfläche vor. Zudem muss der Straßenbelag aufgetragen werden. Danach werden die Schutzplanken und die Straßenschilder montiert. Ulrich Neuroth, der Direktor der Niederlassung West der Autobahn GmbH, nennt unverändert das Jahresende als Fertigstellungstermin für die fast 1300 Meter lange Brücke: „Dann haben wir den Lückenschluss zwischen den Landeshauptstädten Mainz und Wiesbaden geschafft.“

Quelle: F.A.Z.
Oliver Bock - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Oliver Bock
Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.
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