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Verkehr

Ein Meilenstein für den Brenner-Tunnel

Von Thiemo Heeg
Aktualisiert am 07.07.2020
 - 19:52
Im Brenner-Basistunnel bei Innsbruck: Oben der Entlüftungsschlauch Bild: Picture-Alliance
Die Bauarbeiten für das gigantische europäische Verkehrsprojekt machen Fortschritte: Planer und Bauer freuen sich über einen Durchbruch. 2028 soll der Tunnel fertig sein.

Bis zur Fertigstellung dauert es zwar noch acht Jahre – in dieser Woche jedoch haben die Planer und Bauer des europäischen Großprojektes Brenner-Basistunnel zwischen Österreich und Italien einen wichtigen Zwischenschritt abgeschlossen. Für den Erkundungsstollen, der die Grundlage für den Bau der geplanten zwei Zugröhren bildet, wurde am Montag nach 16,7 Kilometern Vortrieb ein Durchschlag geschafft. „Um 08.27 Uhr bohrte sich die Tunnelbohrmaschine ‚Günther‘, von Norden kommend, Richtung Süden durch die letzten Gesteinsbrocken“, teilte die Betreibergesellschaft BBT mit.

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„Günther“, eine 1800 Tonnen schwere und 200 Meter lange Maschine des deutschen Herstellers Herrenknecht, schafft am Tag eine Strecke von bis zu 61 Metern. Sie ist für die Fachleute eine „Fabrik im Berg“, die nun im Gebiet der Gemeinde Steinach die beiden Baubereiche Tulfes-Pfons und Pfons-Brenner verband. Der Abschnitt gilt als einer der komplexesten des Projekts, für das zeitweise bis zu acht Tunnelabschnitte gleichzeitig ausgebrochen wurden. Bis zu 500 Personen aus acht Ländern seien damit beschäftigt gewesen, hieß es.

64 Kilometer lang

Insgesamt soll der Brenner-Tunnel letztlich 64 Kilometer lang werden und damit den 2016 eröffneten Schweizer Gotthard-Tunnel als längsten Eisenbahntunnel der Welt ablösen. Inklusive aller Versorgungstunnel erreicht das Projekt unter dem Brennerpass jedoch eine Länge von 230 Kilometern. 128,5 Kilometer davon sind jetzt zumindest „ausgebrochen“, wie die Projektbeteiligten vorrechnen. Auf einer Länge von 36 Kilometern ist der Tunnel nun durchgängig verbunden und befahrbar.

Ziel des gigantischen Bahnprojektes ist es, den Güterverkehr über die Alpen zu einem erheblichen Teil von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Bisher ist die Fertigstellung für das Jahr 2028 geplant. Der Basistunnel besteht laut Planung aus zwei gut acht Meter breiten Röhren, die in einem Abstand von 40 bis 70 Metern verlaufen. Die Züge sollen eingleisig im Einbahnverkehr fahren.

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Von Innsbruck nach Südtirol in 25 Minuten

Nach der Fertigstellung des Tunnels von Innsbruck nach Franzensfeste in Südtirol soll sich die Fahrzeit der Züge drastisch verringern. Sie werden dann statt 80 Minuten nur noch 25 Minuten unterwegs sein. Die Zeiteinsparung wird möglich, weil man die Fahrt über den 1371 Meter hohen Brennerpass, wo die Landesgrenze zwischen Österreich und Italien verläuft, vermeiden kann. Stattdessen liegt die Scheitelhöhe des Tunnels nur 790 Meter über dem Meeresspiegel. Gelobt wird immer wieder das Sicherheitskonzept des Großprojektes. In Abständen von 333 Metern verbindet jeweils ein sogenannter Querschlag die beiden Röhren – sie sollen in Notfällen die Flucht erleichtern. Ein durchgehender Erkundungsstollen, an dem derzeit gebaut wird, befindet sich in der Mitte und zwölf Meter unter den zwei Haupttunnelröhren.

Die derzeit laufenden Vortriebsarbeiten an diesem Stollen sollen den Bauleuten Aufschluss über die Beschaffenheit des Gebirges geben und dadurch Baukosten und -zeiten minimieren. Denn die geologischen Bedingungen für den Bau sind alles andere als trivial, wie die Experten betonen. Demnach handelt es sich um unbekannte, Jahrmillionen alte und bis zu 1000 Meter tief liegende Gebirgsformationen. Ursprünglich sei das Gebiet ein Meeresboden gewesen. BBT-Geologen fanden hier versteinerte Algenreste aus dem Urmeer.

225 statt 66 Güterzüge täglich

Der jetzt erreichte Durchschlag in Österreich stieß in der Politik auf Begeisterung, auch in Brüssel. Pat Cox von der Europäischen Kommission sprach von einem „Meilenstein“. Nach der Fertigstellung werde der Brenner-Basistunnel das Herzstück des Skandinavien-Mittelmeer-Korridors sein, der sich von Finnland bis Malta erstrecke. Österreichs Umweltministerin Leonore Gewessler rechnete vor, dass derzeit 72 Prozent der Waren per Lkw befördert würden: „Das führt dazu, dass 2,5 Millionen Lkw-Fahrten über den Brenner jährlich stattfinden.“ Mit dem Bahnprojekt werde die Zahl der Güterzüge von 66 auf 225 je Tag gesteigert.

Quelle: F.A.Z.
Thiemo Heeg
Redakteur in der Wirtschaft.
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