Banken mit Rekordverschuldung

Spaniens Finanzkrise spitzt sich zu

Von Markus Frühauf, Leo Wieland, Stefan Ruhkamp
14.06.2012
, 15:44
Schwere Zeiten: Spanien wendet sich mit eindringlichen Appellen an die EZB.
Die spanischen Banken sind bei der EZB so hoch verschuldet wie noch nie. Die Anleiherenditen kratzen außerdem schon an der 7-Prozent-Marke. Und offenbar benötigen die Banken Finanzhilfen in Höhe von 60 bis 65 Milliarden Euro.
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Die spanische Finanzkrise hat sich am Donnerstag weiter zugespitzt, nachdem die Ratingagentur Moody’s die Bonitätsnote des Landes um drei Stufen auf „Baa3“ herabgestuft hatte. Die Verkäufe spanischer Staatsanleihen ließen die Renditen nach oben schnellen. In der zehnjährigen Laufzeit erreichte die Rendite erstmals seit Einführung des Euro beinahe die Marke von 7 Prozent.

Spanien habe nur noch einen sehr beschränkten Zugang zu den Finanzmärkten, begründete Moody’s die Rating-Senkung. Das Land erhalte fast nur noch Geld von den nationalen Banken, die wiederum von der Europäischen Zentralbank (EZB) großzügig mit Liquidität versorgt würden. Zudem belaste die andauernde Schwäche der spanischen Wirtschaft die Finanzkraft des Landes, so Moody’s. Die hohen Immobilienrisiken vieler Banken überfordern den Staat. Um vor allem Sparkassengruppen, die wie die Bankia durch das Platzen der Immobilienblase vor hohen Verlusten stehen, zu rekapitalisieren, soll der spanische Bankenrettungsfonds Frob auf Hilfskredite der Eurogruppe von bis zu 100 Milliarden Euro zurückgreifen können.

Viele spanische Banken können sich nicht mehr am Kapitalmarkt finanzieren und sind auf die EZB angewiesen. Deren Nettoausleihungen von der EZB sind im Mai auf den Rekordstand von 288 Milliarden Euro angeschwollen. Nach Angaben der spanischen Notenbank ist dies ein Anstieg um 9 Prozent gegenüber dem Vormonat. Innerhalb eines Jahres hat sich die Abhängigkeit des spanischen Finanzsektors von der EZB dadurch mehr als verfünffacht. Auch unter dem Einfluss der Kapitalflucht aus Spanien ist die EZB so zur Hauptfinanzierungsquelle geworden.

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Die Herabstufung durch Moody’s wirkt sich auf die Beleihung spanischer Staatsanleihen bei der Zentralbank vorerst nicht unmittelbar aus. Denn die EZB orientiert sich mit ihren Sicherheitsabschlägen immer am höchsten Rating, das bekommt Spanien mit „A-“ derzeit von der kanadischen Agentur DBRS. Sollte jedoch diese Agentur dem Beispiel von Fitch, Moody’s und Standard&Poor’s (S&P) folgen und die Bonitätsnote ähnlich stark reduzieren, könnte es für Spanien auch in dieser Hinsicht eng werden. Die EZB hat zwar in der Schuldenkrise die Anforderungen an ihre Pfänder immer weiter reduziert. Doch sie verlangt bei der Beleihung von Euro-Staatsanleihen mindestens die Note „BBB-“ von mindestens einer Ratingagentur. Sollte Spanien selbst dieses Niveau nicht halten, wäre die Beleihung von spanischen Staatsanleihen in Frage gestellt und damit die Stabilität des Bankensystems. Deshalb wäre mit einer Ausnahmeregelung ähnlich wie für Portugal, Griechenland oder Irland zu rechnen. In allen drei Fällen rechtfertigte der EZB-Rat den Schritt, bei der Beleihung von Staatsanleihen dieser Länder gar nicht mehr auf das Rating zu achten, damit, dass die Staaten sich den Auflagen eines Kreditprogramms unterworfen haben. Gerade das versucht Spanien jedoch durch das Hilfsprogramm für seine Banken zu vermeiden.

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Banken brauchen wohl 60 bis 65 Milliarden

Eine deutliche Herabstufung von DBRS hätte zur Folge, dass sich die Sicherheitsabschläge für die Beleihung spanischer Staatsanleihen erhöhen. Reicht eine Bank derzeit eine spanische Anleihe als Sicherheit ein, erhält sie für jeden Euro an Marktwert, den die Anleihe noch hat, 96 Cent Kredit von der EZB. Mit einem Rating von „BBB+“, „BBB“ oder „BBB-“ wären es nach derzeitigen Regeln nur noch 91 Cent. S&P bewertet Spanien derzeit mit „BBB+“ und Fitch mit „BBB“. Die Moody’s-Note von „Baa3“ entspricht einem „BBB-“ der beiden anderen Agenturen und liegt nur eine Stufe über Ramschniveau.

Laut der spanischen Zeitung „ABC“ benötigen die angeschlagenen Banken des Landes wohl Finanzhilfe in Höhe von 60 bis 65 Milliarden Euro. Die Zeitung stützt sich auf den vorläufigen Bericht der Beratungsunternehmen Oliver Wyman und Roland Berger. Die Zahlen liegen im Rahmen der Schätzungen des Internationalen Währungsfonds, der am Wochenende den Kapitalbedarf auf 60 bis 80 Milliarden Euro beziffert hatte. Nach Angaben von Orlando Green, Analyst der französischen Bank Credit Agricole, müssen spanische Banken bis Ende des Monats staatlich garantierte Anleihen über 7,7 Milliarden Euro tilgen. Dies zwinge sie, nun spanische Staatsanleihen zu verkaufen, sagte er der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die spanische Statistikbehörde meldete für das erste Quartal einen Rückgang der Häuser- und Wohnungspreise von 12,6 Prozent. Dies sei der höchste Rückgang seit Beginn der Messung vor vier Jahren.

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Quelle: wie./FAZ.NET/AFP/DPA
Autorenporträt / Frühauf, Markus
Markus Frühauf
Redakteur in der Wirtschaft.
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